"China Speed" in Europa möglich: Vorsprung kommt nicht durch Lohnniveau

17.03.2026 10:26 Uhr | Lesezeit: 4 min
BYD-Designzentrum in Shenzhen
BYD-Designzentrum in Shenzhen: Laut Analyse ist nicht nur das Lohnkostenniveau entscheidend. Rund 60 Prozent der Kostendifferenz entstehen durch Design- und Systementscheidungen.
© Foto: BYD

Chinesische Hersteller entwickeln Autos schneller und kostenärmer als europäische Wettbewerber. Eine Roland-Berger-Analyse zeigt: Ein Großteil dieses Vorsprungs entsteht durch Design- und Systementscheidungen – und könnte teilweise auch in Europa umgesetzt werden.

Chinesische Autohersteller bringen neue Modelle im Schnitt 25 bis 30 Prozent schneller auf den Markt und produzieren 20 bis 30 Prozent günstiger als europäische Unternehmen. Laut der Roland-Berger-Studie "China Speed" basiert dieser Vorsprung nicht allein auf geringeren Lohnkosten. Rund 60 Prozent der Kostendifferenz entstehen durch Entscheidungen im Design und in der Systemarchitektur.

Effizienz bleibt auch bei Verlagerung erhalten

Die Analyse zeigt zudem, dass chinesische Hersteller selbst bei einer Verlagerung von Forschung und Entwicklung nach Europa mehr als die Hälfte ihrer Effizienz behalten würden. In Einzelfällen liegt dieser Anteil bei bis zu 80 Prozent. Gleichzeitig drängen immer mehr chinesische Marken aktiv in westliche Märkte.

Design statt Lohnkosten

Die Berater führen den Kostenvorteil vor allem auf konsequente Standardisierung, geringere Variantenvielfalt und ein klar auf Markterfordernisse ausgerichtetes Engineering zurück. Weitere Faktoren sind schlanke Lieferantennetzwerke und hohe operative Effizienz. Lohnkosten spielen eine untergeordnete Rolle. Senior Partner Oliver Knapp betont: "China Speed ist kein kulturelles Phänomen, sondern das Ergebnis klarer Entscheidungen bezüglich Produktdesign, Portfoliokomplexität und der Lieferantenbasis."

Wie China Entwicklungszeiten verkürzt

Die Studie beschreibt mehrere strukturelle Elemente, die zu den verkürzten Entwicklungszeiten beitragen: deutlich schnellere Strategie- und Entscheidungsprozesse, ein hoher Anteil virtueller Tests von bis zu 80 Prozent, parallele Software- und Hardwareentwicklung sowie eine frühe, enge Zusammenarbeit mit Lieferanten. Ein Fallbeispiel zeigt, dass ein chinesischer OEM seine Entwicklungszeit um 14 Monate senken konnte, ohne die Marktreife zu gefährden.

Ein "China Speed Light" hält Roland Berger auch in Europa für realisierbar. Zwar verfügen europäische Hersteller weiterhin über Vorteile wie starke Marken, regulatorische Expertise und hohe Qualitätsstandards. Diese verlieren jedoch an Gewicht, wenn Kosten- und Zeitabstände nicht verringert werden. Elemente der chinesischen Produktionsweise könnten angepasst und in europäische Prozesse integriert werden.

Studienbasis

Die Ergebnisse basieren auf detaillierten Vergleichen von Kosten- und Entwicklungszeiten chinesischer, europäischer und internationaler Hersteller sowie auf umfangreichen Projekt- und Benchmark-Daten von Roland Berger.


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