DAT-Barometer: Autohändler blicken skeptisch aufs zweite Halbjahr

29.06.2026 15:51 Uhr | Lesezeit: 3 min
Eine Frau und ein Mann stehen an einem Elektroauto in einem Autohaus.
BEV-Kunden sorgen für erhöhten Beratungsaufwand im Autohaus.
© Foto: estradaanton / stock.adobe.com

Zwischen Zuversicht und Realitätsschock: Die staatliche Förderprämie überzeugt kaum, während steigender Beratungsaufwand und knappe Ware den Alltag in den Autohäusern prägen.

Der deutsche Automobilhandel zeigt sich widerstandsfähig – aber längst nicht sorgenfrei. Das DAT-Barometer vom Juni 2026 zeichnet ein differenziertes Bild einer Branche, die sich zwischen konjunkturellen Belastungen, veränderten Nachfrageprofilen und strukturellen Herausforderungen neu sortieren muss.

Vor allem die gesamtwirtschaftliche Lage hinterlässt deutliche Spuren im Tagesgeschäft. Unternehmen halten sich bei Flotteninvestitionen zurück, reduzieren Fuhrparks oder verlängern die Nutzungsdauer. Auch Privatkunden agieren vorsichtiger, investieren weniger und zögern Entscheidungen hinaus. Für die Händler bedeutet das: Fahrzeuge stehen länger, die Kapitalbindung steigt, die Margen geraten unter Druck.

Nachfrage nach günstigen E-Autos wächst – Angebot hinkt hinterher

Gleichzeitig verschiebt sich die Nachfrage. Hohe Kraftstoffpreise treiben verstärkt Käufer in Richtung Elektromobilität – allerdings vor allem im Gebrauchtwagensegment. Besonders gefragt sind batterieelektrische Fahrzeuge in einer Preisklasse um 20.000 Euro. Genau hier jedoch klafft eine Lücke: Mehr als 70 Prozent der Händler berichten in der Umfrage von Engpässen. 

Die Situation wird durch steigende Ansprüche der Kunden zusätzlich geprägt. Batteriezertifikate gewinnen an Bedeutung, ebenso die Beratung. 61Prozent der Händler bestätigen, dass sie vermehrt Nachfrage nach gebrauchten BEV mit einem solchen Nachweis haben. Und über 80 Prozent sehen einen erhöhten Beratungsaufwand bei E-Auto-Käufern. Für den Handel eröffnet das zwar Chancen, seine Rolle als zentraler Ansprechpartner auszubauen – erhöht jedoch gleichzeitig die Kosten und den operativen Aufwand.

Förderprämie überzeugt nicht

Ein ambivalentes Bild zeigt sich bei der Bewertung der staatlichen Förderprämie für neue E-Fahrzeuge. Zwar erkennen viele Händler deren preisliche Wirkung an, doch die Kritik überwiegt klar: Über 90 Prozent der Befragten äußern mindestens einen Einwand. Dazu zählen der Ausschluss von Gebrauchtwagen und Strompreisen bei den Förderbedingungen, der Fokus auf eine kleine Käufergruppe sowie die komplexe Beantragung. Die Maßnahme bleibt damit aus Sicht der Branche ein Instrument mit begrenzter Durchschlagskraft.

Hohe Standzeiten belasten Erträge

Ein strukturelles Problem bleibt die Verweildauer von Fahrzeugen auf den Höfen. Besonders elektrifizierte Modelle sind betroffen: Plug-in-Hybride (PHEV) stehen im Schnitt rund 97 Tage, batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) etwa 93 Tage. Klassische Verbrenner werden rund zehn Tage schneller verkauft.

Die wirtschaftliche Dimension ist erheblich: Fast jedes dritte Fahrzeug überschreitet die 90-Tage-Marke und gilt damit als Risikobestand. "Dies kann für den Handel insofern zum Problem werden, denn die Kosten pro Pkw und Standtag belaufen sich momentan auf rund 25 Euro. Diese mit der Anzahl der Pkw und Standtage multipliziert, zeigt die Risiken dieser langen Standzeiten", so die DAT. 

Optimisten bilden die Ausnahme 

Vor diesem Hintergrund überrascht die gedämpfte Stimmung kaum. Mehr als die Hälfte der Händler rechnet für das zweite Halbjahr mit einer stabilen Entwicklung (53 Prozent), ein knappes Drittel sogar mit einer Verschlechterung (32 Prozent). Der Anteil der Optimisten liegt aktuell bei nur zwölf Prozent. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren waren es 51 Prozent.

Gleichwohl zeigt sich die Branche nicht resigniert. Verbesserungen bei der Beschaffung und eine etwas entspanntere Lage bei jungen Gebrauchten sorgen für leichte Entlastung. Doch eine nachhaltige Trendwende ist bislang nicht in Sicht.


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