Homeoffice ist im deutschen Autohandel kein Randthema mehr, aber wie erwartet kein prägender Bestandteil des Arbeitsalltags. Die Ergebnisse des aktuellen AUTOHAUS Panels vom April 2026 zeigen ein überwiegend sachliches, aber auch skeptisches Stimmungsbild. Die grundsätzliche Offenheit ist vorhanden, Begeisterung hingegen fehlt. Viele Betriebe positionieren sich neutral oder abwartend oder äußern Vorbehalte.
Auffällig bleibt der hohe Anteil an Autohäusern, die keinerlei Formen des Arbeitens außerhalb des Betriebs anbieten (48 Prozent). Damit unterscheidet sich der Fahrzeughandel deutlich von anderen Wirtschaftsbereichen. Das eigene Geschäftsmodell ist weiter stark auf Präsenz ausgerichtet. Werkstatt, Showroom und persönlicher Kundenkontakt gelten als zentrale Leistungsversprechen, die sich aus Sicht vieler Unternehmer nicht durch mobile Arbeitsformen ersetzen lassen.
Sofern Homeoffice zugelassen wird, geschieht dies in klar begrenztem Rahmen. Es bleibt auf einzelne Tätigkeiten beschränkt, meist in Verwaltung und Organisation (94 Prozent). Der Anteil der Mitarbeitenden, die regelmäßig im Homeoffice arbeiten, ist gering. Homeoffice ist damit eher Ergänzung als strukturelles Element der Arbeitsorganisation. Entsprechend pragmatisch wird das Thema auch geregelt: Verbindliche, einheitliche Vereinbarungen sind selten, stattdessen dominieren individuelle Absprachen (85 Prozent).
Video-Kommentar von Chefredakteur Ralph M. Meunzel
In der Bewertung möglicher Vorteile zeigt sich ein gespaltenes Bild. Ein Teil der Betriebe erkennt Chancen bei Arbeitgeberattraktivität, Mitarbeiterbindung oder Effizienz einzelner Bürotätigkeiten. Gleichzeitig sagt ein großer Anteil der Händler klar, dass aus ihrer Sicht keine nennenswerten Vorteile bestehen.
Optionale Lösung für spezielle Konstellationen
Homeoffice wird im Autohandel weniger als strategischer Hebel verstanden, sondern als optionale Lösung für spezielle Konstellationen. Die Gründe für Zurückhaltung sind bekannt. Viele Entscheider sehen kaum geeignete Tätigkeiten außerhalb des Betriebs (73 Prozent). Hinzu kommen Sorgen um Kundennähe, Servicequalität und interne Gerechtigkeit zwischen Mitarbeitenden mit und ohne Homeoffice-Möglichkeit. Auch Fragen der Führung und Steuerung spielen eine Rolle.
Der Blick nach vorn bleibt entsprechend vorsichtig. Die Mehrheit der Betriebe rechnet nicht mit einem deutlichen Ausbau von Homeoffice-Angeboten. Vielmehr deutet alles darauf hin, dass das aktuelle Niveau gehalten oder situativ angepasst wird.