IfA Branchengipfel 2026: Mehr E-Autos, neue Probleme

16.10.2026 16:46 Uhr | Lesezeit: 3 min
IfA-Branchengipfel 2026 Verbände
V.l.n.r.: Burkhard Weller (VAD), Michael Schneider (ZDK), Imelda Labbé (VDIK), Hildegard Müller (VDA) und Prof. Benedikt Maier (IfA)
©Foto: Lukas Jank / IfA

Die E-Auto-Förderung bringt Schwung in die Autohäuser. Doch ZDK und VAD sehen junge Gebrauchte und Vorführwagen im Nachteil und fordern Nachbesserungen. Zugleich warnen die Verbände vor zu viel BEV-Euphorie.

Die E-Auto-Förderung schiebt den deutschen Pkw-Markt kräftig an. Nach anfänglicher Zurückhaltung seien die Effekte inzwischen deutlich in den Autohäusern zu spüren, sagte ZDK-Vizepräsident Michael Schneider am Donnerstag bei der Verbandsrunde auf dem IfA Branchengipfel in Nürtingen. Seit Februar und März habe die Nachfrage nach batterieelektrischen Fahrzeugen merklich angezogen. 

Nach Schneiders Angaben wurden inzwischen rund 100.000 Förderanträge bearbeitet und ausgezahlt, lediglich 1,5 Prozent seien abgelehnt worden. "Mittlerweile läuft es", sagte der Branchenvertreter. Die starke Nachfrage führe inzwischen sogar zu längeren Lieferzeiten. 

Doch genau diese Entwicklung schafft aus Sicht des Handels ein neues Problem: Junge gebrauchte Elektroautos und Vorführwagen profitieren nicht von der Förderung und geraten dadurch gegenüber geförderten Neuwagen preislich unter Druck. 

Förderung auch für junge Gebrauchte? 

Der ZDK spricht sich deshalb klar dafür aus, die Förderung auf junge Gebrauchte auszuweiten. Schneider brachte Fahrzeuge im Alter zwischen 14 und 18 Monaten ins Spiel. Ob dafür zwingend eine klassische Kaufprämie notwendig sei, ließ er offen. Denkbar wäre aus seiner Sicht auch ein Strom- bzw. Ladegutschein.

Unterstützung bekommt der ZDK vom Verband der Automobilhändler Deutschland (VAD). Dessen Präsident Burkhard Weller machte allerdings keinen Hehl daraus, dass sein Verband eine Kaufprämie ursprünglich für unnötig hielt. "Grundsätzlich waren wir gegen die Prämie, weil wir gesagt haben: Das Elektroauto setzt sich sowieso durch."

Wenn die Förderung nun aber existiere, müsse sie nachgebessert werden. Junge Gebrauchte sollten einbezogen werden. In Berlin sei der Verband damit zunächst abgeblitzt. Inzwischen sieht Weller zumindest einen "Fuß in der Tür". Gemeinsam mit dem ZDK wolle man bei dem Thema nicht nachlassen.

VDA-Präsidentin Hildegard Müller unterstützte ebenfalls eine Überprüfung der Förderung. Ihr ist vor allem Planungssicherheit wichtig: Käufer sollten bereits mit Vertragsabschluss bzw. Kaufdatum Gewissheit darüber haben, ob sie die Förderung bekommen – und nicht erst mit der späteren Fahrzeugauslieferung.

Warnung vor zu viel Euphorie 

Trotz der momentan starken Nachfrage warnten die Verbandsvertreter davor, den BEV-Hochlauf bereits als Selbstläufer zu betrachten. VDIK-Präsidentin Imelda Labbé bezeichnete die aktuellen Auftragseingänge zwar als vielversprechend. Allerdings lasse sich die Entwicklung nicht einfach linear fortschreiben. Eine Rolle spiele auch, dass mittlerweile günstigere Elektrofahrzeuge tatsächlich verfügbar und bestellbar seien. 

Labbé erwartet deshalb, dass der Markt wieder ein Plateau erreichen könnte. VDA-Präsidentin Müller unterstützte diese Einschätzung ausdrücklich. Der aktuelle Aufschwung dürfe nicht dazu führen, dass offene Probleme rund um Elektromobilität als erledigt betrachtet würden.


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Ladepreise bleiben Verkaufshindernis 

Eines davon begegnet Verkäufern regelmäßig im Kundengespräch: die Kosten und die mangelnde Transparenz beim öffentlichen Laden. Von einem staatlichen Preisdeckel hält Labbé wenig. "Wir befinden uns in einer freien Marktwirtschaft", betonte die VDIK-Chefin. Stattdessen brauche es mehr Transparenz bei den Ladetarifen und einen stärkeren Wettbewerb.

Weller plädierte für eine Art Roaming-Modell beim Ladestrom. Die Idee: Ein E-Autofahrer vereinbart einen Tarif und kann zu diesem Preis unabhängig vom Betreiber laden. Damit würde aus seiner Sicht verhindert, dass Kunden erst nach dem Ladevorgang mit unerwartet hohen Kosten konfrontiert werden.

Schneider sieht genau darin ein erhebliches Problem für den Handel. Die Intransparenz bei den Ladepreisen sei "eines der größten Hemmnisse", die Verkäufer von Kunden als Argument gegen den Kauf eines Elektroautos hörten. 

Schneider: Bürokratie belastet Autohäuser 

Abseits der Elektromobilität machte Schneider ein weiteres Thema auf, das die Betriebe unmittelbar trifft: die aus seiner Sicht ausufernde Bürokratie. Autohäuser seien mittlerweile mit rund 64 verschiedenen Vorschriften sowie zahlreichen Beauftragtenpflichten konfrontiert. Schneider formulierte die Situation drastisch: "Wenn wir Montagfrüh unseren Betrieb aufsperren, haben wir schon gegen mindestens drei Gesetze verstoßen."

Auch beim Verbraucherschutz sieht der ZDK-Vize Übertreibungen. Darlehensverträge, die einst eine Seite umfasst hätten, seien teilweise auf 35 Seiten angewachsen. "Das ist für mich kein Verbraucherschutz mehr." 

Dabei geht es nach Schneiders Einschätzung längst um mehr als zusätzlichen Verwaltungsaufwand. Die Bürokratie erschwere auch die Nachfolge in den Betrieben. Sie könne junge Menschen davon abhalten, ein Autohaus zu übernehmen, selbst wenn dieses rentabel und profitabel sei.

E-Gebrauchte: Das Blatt wendet sich 

Während die Förderung bei jungen Gebrauchten für Diskussionen sorgt, ist beim Verkauf gebrauchter Stromer eine Veränderung zu beobachten. Noch vor zwei Jahren wurde beim IfA Branchengipfel über steigende Standzeiten von E-Gebrauchtwagen diskutiert. Inzwischen zeichnet Weller zumindest für sein eigenes Unternehmen ein anderes Bild: Dort stehen gebrauchte Elektroautos nach seinen Angaben im Durchschnitt vier Tage kürzer als Benziner und zwölf Tage kürzer als Diesel. "Das dreht sich im Moment", so der VAD-Präsident.

Ein generelles Restwertrisiko sieht er deshalb derzeit nicht. Entscheidend seien eine marktgerechte Einpreisung und realistische Restwerte, insbesondere wenn Fahrzeuge zuvor geleast würden. Ein Geschäft vollkommen ohne Risiko werde es ohnehin nicht geben. 

Kein Patentrezept für die Werkstätten 

Mit zunehmendem Elektroanteil stehen gleichzeitig auch Werkstätten vor der Frage, wie sich ihr Geschäft verändern wird. Einen allgemeingültigen Weg sieht Schneider nicht. Jeder Betrieb müsse selbst entscheiden, wie er sich künftig aufstellen, welche Geschäftszweige er ausbauen und von welchen Bereichen er sich möglicherweise trennen wolle. Verbände könnten dabei beraten, die strategische Entscheidung liege aber beim Unternehmer. 

"Hier gibt es, glaube ich, keinen Königsweg, hier ist der Unternehmer gefragt", sagte Schneider. Einen Satz vom Branchengipfel griff er dabei besonders gerne auf: "Wenn es um Vertrauen geht, dann brauchen wir den Handel."


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