IfA-Exkursion zum Mercedes-Benz Museum: Heiligs Blechle

11.06.2026 17:01 Uhr
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Das Mercedes-Benz Museum bezeichnet Alexandra Süß als "weltweit größte Markenplattform" der Marke Mercedes-Benz. Ein Schwerpunkt ihres Vortrags lag auf dem Ersatzteilgeschäft. 
© Foto: AUTOHAUS/Christian Richter

Der Auto-Nachwuchs der HfWU hat das Mercedes-Museum in Stuttgart besucht. Nach einem Rundgang gab Alexandra Süß von der Mercedes-Benz Heritage GmbH Einblicke in den Alltag rund um die Fahrzeugsammlung, das Geschäft mit Oldtimern und Ersatzteilen sowie die Verwaltung eines der größten Unternehmensarchive der Welt.

Die erste IfA-Sommerexkursion im Jahr 2026 führte die 40 Studierenden nach Stuttgart. Am Mittwoch besuchten sie gemeinsam mit Prof. Benedikt Maier das Mercedes-Benz Museum. Nach einem geführten Rundgang durch die Automobilgeschichte folgte ein Vortrag mit anschließender Fragerunde. Alexandra Süß, Mitglied der Geschäftsführung der Mercedes-Benz Heritage GmbH und verantwortlich für Ersatzteilgeschäft, Archiv und Sammlung, stellte in ihrem Vortrag alle Geschäftsfelder des Unternehmens vor.

Heritage als Teil der Markenstrategie

"Heritage Creates Future" – mit diesem Leitgedanken beschrieb Süß den Anspruch der 2023 gegründeten Mercedes-Benz Heritage GmbH. Die Einheit bündelt Museum, Kommunikation, Archiv, Fahrzeugsammlung, Classic Center, Ersatzteilgeschäft, Classic Partner-Netzwerk und Merchandising. Die einzigartige Historie solle Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Begehrlichkeit stützen – besonders in einem Markt, in dem sich viele Marken neu positionieren. Dabei gehe es aber nicht nur um Kommunikation. "Wir wollen nicht nur einen Markenbeitrag leisten, sondern auch zum Business beitragen", sagte Süß.

Das Mercedes-Benz Museum bezeichnete Süß als "weltweit größte Markenplattform" der Marke Mercedes-Benz. Rund 160 Fahrzeuge sind in der aktuellen Ausstellung zu sehen, insgesamt zählt die Sammlung mehr als 1.100 Fahrzeuge. Seit der Eröffnung des heutigen Gebäudes 2006 kamen laut Süß mehr als 14,5 Millionen Besucher. 2025 sei mit rund 920.000 Gästen ein Rekordjahr gewesen. Das Haus diene nicht nur als Ausstellungsort, sondern auch als Bühne für Veranstaltungen und Fahrzeugpremieren.

Sammlung und Archiv als Schlüssel zur Geschichte

Einen besonderen Stellenwert nimmt dabei die Fahrzeugsammlung ein. Die automobilen Raritäten lagern in "nicht öffentlich genannten Hallen" in der Region. Neben den Fahrzeugen ist das Konzernarchiv ein zentraler Bestandteil der Heritage-Arbeit. Es dokumentiert Unternehmens-, Produkt- und Markengeschichte und kann Auslieferungsdaten historischer Fahrzeuge bereitstellen. Sie liefern die Basis für Herstellerexpertisen bei Mercedes‑Benz Heritage und ermöglichen die Einordnung eines Fahrzeugs in Bezug auf seinen ursprünglichen Auslieferungszustand. "Was wären die Fahrzeuge, wenn man nicht auch noch Geschichten dazu erzählen könnte?", sagte Süß. Teile des Archivs sind digitalisiert, künftig soll auch Künstliche Intelligenz die Recherche erleichtern.

Ersatzteile als Bindeglied zum Handel

Ein Schwerpunkt des Vortrags lag auf dem Ersatzteilgeschäft. Die Heritage GmbH übernimmt laut Süß die Verantwortung für Teile ab 15 Jahren nach Serienauslauf. Das Portfolio umfasst rund 160.000 Teilepositionen für 57 Baureihen, jährlich kommen etwa 20.000 Positionen hinzu. Ziel sei es, ältere Fahrzeuge auf der Straße zu halten und Kunden wieder stärker zur Marke zurückzuführen – auch über den Handel. Gerade bei sicherheits- und fahrrelevanten Teilen sieht Mercedes-Benz Chancen für Originalteile. Junge Klassiker – insbesondere Volumenbaureihen der 1980er-, 1990er- und 2000er-Jahre – gewinnen an Bedeutung und eröffnen zusätzliche Potenziale für die Ersatzteilversorgung.

Wie aufwendig die Arbeit sein kann, zeigte Süß am Beispiel des Targa-Florio-Rennwagens von 1924. Das Fahrzeug stand jahrzehntelang in der Ausstellung und wurde zum Jubiläum wieder originalgetreu restauriert und fahrbereit gemacht. Archiv, Sammlung, Ersatzteilbereich, Werkstatt sowie Marketing- und Event-Team arbeiteten dafür zusammen. Solche Projekte zeigen, dass Restaurierung nicht nur handwerkliche Arbeit ist, sondern Recherche, Teilebeschaffung, Originaltreue und Präsentation verbindet. Für hochwertige Kundenfahrzeuge sei dieser Anspruch ebenfalls bedeutsam.

Classic-Partner-Netzwerk im Aufbau

Für den Handel besonders relevant ist das Mercedes-Benz Classic Partner-Netzwerk. Es richtet sich an bestehende Mercedes-Benz Betriebe mit Servicevertrag. Wer Classic Partner werden will, muss zusätzliche Anforderungen erfüllen – etwa Erfahrung und Know How mit älteren Fahrzeugen, geeignete Werkstattausstattung, qualifizierte Mitarbeiter und definierte Standards. "Das Classic Partner-Konzept ist exklusiv ausgerichtet auf Mercedes-Benz Betriebe", sagte Süß. Freie Spezialisten sind nicht Teil des Programms.

Die Classic Partner erhalten laut Süß Unterstützung durch Trainings, Hotlines, Informationen zu Ersatzteilen, Netzwerkformate und technische Hilfe. Bei Bedarf könne auch ein Mechaniker aus dem Classic Center vor Ort unterstützen. In Europa ist das Netzwerk bereits weitgehend aufgebaut, weitere Märkte sollen folgen. Auch Asien, Kanada und der Nahe Osten sind gestartet und stehen im Fokus. Auf Nachfrage der Studierenden betonte Süß, dass auch Märkte mit hoher Oldtimer-Dichte genau geprüft werden.

Elektromobilität kommt auch in der Klassik an

Die Studierenden fragten auch nach Elektromobilität und Elektronik. Süß sagte, das Thema verändere die tägliche Arbeit aktuell noch nicht maßgeblich, werde aber zunehmend wichtiger. Erste Elektrofahrzeuge seien bereits Teil der Sammlung. Herausfordernd seien vor allem Batterien und Steuergeräte. Auch bei Youngtimern werde die Verfügbarkeit elektronischer Komponenten schwieriger. Mit Bosch gebe es dazu einen engen Austausch, einzelne Steuergeräte konnten bereits neu aufgelegt werden. Durchgängig lösbar sei das Problem aber nicht.


Exkursion im Rahmen des Forum Automotive

Die Studienreise fand im Rahmen des "Forum Automotive" statt und ist Teil der Veranstaltungsreihe der automobilwirtschaftlichen Studiengänge der HfWU Nürtingen-Geislingen. Ein besonderer Dank gilt der Anclam-Brachat-Stiftung, deren finanzielle Unterstützung diese Exkursion erst ermöglichte.




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