BYD baut sein Geschäft in Deutschland mit hohem Tempo aus. Beim Forum Automotive in der Zukunftswerkstatt 4.0 erklärt Daglef Seeck, Aftersales-Direktor der BYD Automotive GmbH, warum Werkstatt, Prozesse und Kundenzufriedenheit für den Markterfolg mindestens so wichtig sind wie Fahrzeuge und Vertrieb.
Seeck betont gleich zu Beginn seines Vortrags unter dem Titel "Welche Rolle spielt Aftersales beim Marktaufbau" die Bedeutung des Servicegeschäfts. "Aftersales ist total unterschätzt – und das seit vielen Jahren. Doch es ist fundamental wichtig." Gerade für eine neue Marke entscheide der Service darüber, ob Kunden langfristig bleiben. Der Anspruch sei deshalb klar definiert: Kundenzufriedenheit vom ersten Tag an.
BYD mit starkem Wachstum und eigenem Vertrieb
Nach der Umstellung vom Importeursmodell auf eine Nationale Vertriebsgesellschaft (NSC) treibt BYD den Netzaufbau in Deutschland voran. Aktuell liegt die Zahl der Standorte bei knapp 200, bis 2026 sollen es 350 werden, sagt Seeck. Gleichzeitig wächst der Fahrzeugbestand stark – von im vergangenen Jahr noch wenigen tausend auf perspektivisch mehrere hunderttausend Einheiten in den kommenden Jahren.
Die starke Expansion stellt BYD aber auch vor Herausforderungen. "Druck kommt von allen Seiten – Kunden, Händler, Vertrieb und Headquarter", so Seeck. Parallel erwarte der Konzern eine hohe Servicequalität. Besonders anspruchsvoll sei daher die gleichzeitige Skalierung von Vertrieb und Aftersales-Strukturen.
KI als Schlüsseltechnologie
Ein zentraler Baustein im Prozessalltag ist ein KI-gestützter Wissensassistent namens Chat BYD. Händler und Werkstätten greifen darüber unter anderem auf technische Informationen, Prozesse und Produktdetails zu. Dadurch werden klassische Kommunikationswege entscheidend ergänzt. "Wenn jede Frage per E-Mail oder Telefon gekommen wäre, hätten wir dafür sehr viele Mitarbeiter gebraucht", sagt Seeck.
Das KI-System dient auch als digitales Onboarding-Tool für neue Partner. Händler können Prozesse eigenständig nachschlagen und Probleme schneller lösen. Die Nachfrage ist hoch: Tausende Interaktionen zeigen, dass der Bedarf an strukturierten Informationen im Handel groß ist.
Ersatzteilversorgung als kritischer Faktor
Ein zentrales Thema im Aftersales für jeden OEM bleibt die Teileversorgung. In Europa betreibt BYD eigene Lager pro Land, unterstützt durch einen zentralen Hub in den Niederlanden. Die schnelle Verfügbarkeit liegt laut Seeck bei über 95 Prozent. In Deutschland sind inzwischen auch Lieferungen über Nacht möglich.
KI hält Einzug in die Werkstatt
Ein Zukunftsprojekt von BYD sind digitale Assistenzsysteme auch für Mechaniker. Geplant ist der Einsatz von Datenbrillen, die Reparaturanleitungen direkt ins Sichtfeld einblenden. Ziel ist es, Arbeitsabläufe zu beschleunigen und Fehler zu reduzieren.
Trotz aller Digitalisierungen bleibt der persönliche Kundenkontakt zentral. Die Automatisierungen sollen laut Seeck die Mitarbeiter entlasten, damit mehr Zeit für Beratung und Betreuung der Kunden bleibt. Aftersales wird bei BYD damit zum strategischen Baustein des gesamten Marktaufbaus.