Forum Automotive mit BYD: Aftersales als Wachstumstreiber

22.05.2026 10:37 Uhr | Lesezeit: 3 min
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Nach der Umstellung vom Importeursmodell auf eine Nationale Vertriebsgesellschaft (NSC) treibt BYD den Netzaufbau in Deutschland voran. Daglef Seeck, Aftersales-Direktor der BYD, spricht vor dem Branchennachwuchs über die Herausforderungen.
© Foto: Savvas Grammatikopoulos

BYD setzt beim Aufbau seines Geschäfts in Deutschland auf Aftersales als zentralen Erfolgsfaktor. Mit KI-Tools, effizienter Teilelogistik und strukturierten Prozessen soll Kundenzufriedenheit gesichert und das schnelle und nachhaltige Wachstum unterstützt werden.

BYD baut sein Geschäft in Deutschland mit hohem Tempo aus. Beim Forum Automotive in der Zukunftswerkstatt 4.0 erklärt Daglef Seeck, Aftersales-Direktor der BYD Automotive GmbH, warum Werkstatt, Prozesse und Kundenzufriedenheit für den Markterfolg mindestens so wichtig sind wie Fahrzeuge und Vertrieb.

Seeck betont gleich zu Beginn seines Vortrags unter dem Titel "Welche Rolle spielt Aftersales beim Marktaufbau" die Bedeutung des Servicegeschäfts. "Aftersales ist total unterschätzt – und das seit vielen Jahren. Doch es ist fundamental wichtig." Gerade für eine neue Marke entscheide der Service darüber, ob Kunden langfristig bleiben. Der Anspruch sei deshalb klar definiert: Kundenzufriedenheit vom ersten Tag an.

BYD mit starkem Wachstum und eigenem Vertrieb

Nach der Umstellung vom Importeursmodell auf eine Nationale Vertriebsgesellschaft (NSC) treibt BYD den Netzaufbau in Deutschland voran. Aktuell liegt die Zahl der Standorte bei knapp 200, bis 2026 sollen es 350 werden, sagt Seeck. Gleichzeitig wächst der Fahrzeugbestand stark – von im vergangenen Jahr noch wenigen tausend auf perspektivisch mehrere hunderttausend Einheiten in den kommenden Jahren.

Die starke Expansion stellt BYD aber auch vor Herausforderungen. "Druck kommt von allen Seiten – Kunden, Händler, Vertrieb und Headquarter", so Seeck. Parallel erwarte der Konzern eine hohe Servicequalität. Besonders anspruchsvoll sei daher die gleichzeitige Skalierung von Vertrieb und Aftersales-Strukturen.

KI als Schlüsseltechnologie

Ein zentraler Baustein im Prozessalltag ist ein KI-gestützter Wissensassistent namens Chat BYD. Händler und Werkstätten greifen darüber unter anderem auf technische Informationen, Prozesse und Produktdetails zu. Dadurch werden klassische Kommunikationswege entscheidend ergänzt. "Wenn jede Frage per E-Mail oder Telefon gekommen wäre, hätten wir dafür sehr viele Mitarbeiter gebraucht", sagt Seeck.

Das KI-System dient auch als digitales Onboarding-Tool für neue Partner. Händler können Prozesse eigenständig nachschlagen und Probleme schneller lösen. Die Nachfrage ist hoch: Tausende Interaktionen zeigen, dass der Bedarf an strukturierten Informationen im Handel groß ist.

Ersatzteilversorgung als kritischer Faktor

Ein zentrales Thema im Aftersales für jeden OEM bleibt die Teileversorgung. In Europa betreibt BYD eigene Lager pro Land, unterstützt durch einen zentralen Hub in den Niederlanden. Die schnelle Verfügbarkeit liegt laut Seeck bei über 95 Prozent. In Deutschland sind inzwischen auch Lieferungen über Nacht möglich.

KI hält Einzug in die Werkstatt

Ein Zukunftsprojekt von BYD sind digitale Assistenzsysteme auch für Mechaniker. Geplant ist der Einsatz von Datenbrillen, die Reparaturanleitungen direkt ins Sichtfeld einblenden. Ziel ist es, Arbeitsabläufe zu beschleunigen und Fehler zu reduzieren.

Trotz aller Digitalisierungen bleibt der persönliche Kundenkontakt zentral. Die Automatisierungen sollen laut Seeck die Mitarbeiter entlasten, damit mehr Zeit für Beratung und Betreuung der Kunden bleibt. Aftersales wird bei BYD damit zum strategischen Baustein des gesamten Marktaufbaus.


Praxisbezug für Studierende

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Forum Automotive" treten während des Semesters wöchentlich Expertinnen und Experten aus der Automobil- und Mobilitätsbranche an der HfWU auf. Die Reihe wird vom Institut für Automobilwirtschaft (IfA) gemeinsam mit der Fachzeitschrift AUTOHAUS organisiert und richtet sich vorrangig an Studierende aus automobil- und mobilitätswirtschaftlichen Studiengängen (Bachelor und Master).

Gastgeber und Moderatoren sind AUTOHAUS-Chefredakteur Ralph M. Meunzel sowie die IfA-Direktoren Prof. Stefan Reindl und Prof. Benedikt Maier, unterstützt von Prof. Frank Stenner. Ziel der Reihe ist es, theoretische Inhalte des Studiums in einen praxisnahen Kontext zu stellen – durch Fachvorträge und Diskussionen mit Entscheidern aus der Branche.




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