Virtuelle Fahrzeugprüfungen: Klare Regeln gefordert

22.05.2026 09:33 Uhr | Lesezeit: 2 min
Mercedes Benz Automatisiertes Fahren
Automatisiertes Fahren: Neben klassischen Tests auf Prüfständen und Teststrecken werden zunehmend Simulationen und szenariobasierte Verfahren eingesetzt.
© Foto: Mercedes Benz

Virtuelle Tests werden für die Sicherheitsprüfung automatisierter Fahrzeuge wichtiger. TÜV-Verband, Dekra und SGS fordern deshalb Leitplanken: Entwicklung, unabhängige Prüfung und behördliche Genehmigung sollen auch bei simulationsbasierten Verfahren strikt getrennt bleiben.

Die Sicherheitsprüfung automatisierter Fahrzeuge steht vor einem grundlegenden Wandel. Neben klassischen Tests auf Prüfständen und Teststrecken gewinnen Simulationen und szenariobasierte Verfahren zunehmend an Bedeutung. Führende Prüforganisationen sehen darin Fortschritte – fordern aber zugleich klare regulatorische Leitplanken.

In einem gemeinsamen Positionspapier sprechen sich der TÜV-Verband, Dekra und SGS für verbindliche Regeln bei simulationsbasierten Prüfverfahren aus. Im Zentrum steht die Forderung nach einer klaren Trennung von Entwicklung, Prüfung und behördlicher Genehmigung auch in der digitalen Welt.

Neue Methoden verändern die Typprüfung 

Automatisierte Fahrfunktionen werden zunehmend in virtuellen Umgebungen getestet. Dabei werden Fahrzeuge mit unterschiedlichen Verkehrssituationen konfrontiert, etwa mit plötzlich auftauchenden Hindernissen oder kritischem Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer. Ziel ist es, die Reaktion der Systeme unter möglichst vielen Bedingungen zu prüfen.

Diese Entwicklung verändert die klassische Fahrzeugprüfung grundlegend. Während reale Tests weiterhin eine zentrale Rolle spielen, ergänzen Simulationen die Bewertung um eine Vielzahl zusätzlicher Szenarien – insbesondere solche, die auf Teststrecken kaum abbildbar sind.

Forderung nach klarer Rollenverteilung 

Die Prüforganisationen sehen jedoch Risiken, wenn sich Zuständigkeiten vermischen. "Wenn automatisierte Fahrzeuge künftig mit virtuellen Szenarien geprüft werden, darf nicht derjenige die Prüfmaßstäbe festlegen, der die Systeme selbst entwickelt", sagte Frank Schneider, Referent für Fahrzeugtechnik beim TÜV-Verband.

Deshalb müsse die bestehende Rollenverteilung erhalten bleiben: "Nach dem bewährten System der europäischen Typgenehmigungsverordnung entwickeln Hersteller die Systeme, unabhängige Technische Dienste prüfen diese und staatliche Behörden entscheiden über die Genehmigung."

Ergänzung, nicht Ersatz 

Ein weiterer zentraler Punkt ist die Einordnung virtueller Testverfahren. Simulationen sollen reale Prüfungen nicht ersetzen, sondern ergänzen. Entscheidend sei der Abgleich mit praktischen Testergebnissen, um die Aussagekraft der digitalen Methoden sicherzustellen.

Zugleich müssen die Prüfverfahren selbst weiterentwickelt werden. Schneider: "Automatisierte Fahrzeuge bewegen sich in einer dynamischen Verkehrsumgebung. Deshalb müssen auch die Prüfverfahren mit neuen Risiken und Verkehrssituationen Schritt halten können." Standardisierte Testszenarien allein reichten nicht aus, um die Komplexität realer Verkehrssituationen abzubilden. 

Mehr Daten, aber auch mehr Verantwortung 

Eine wichtige Rolle spielen dabei reale Verkehrsdaten, die in Simulationen integriert werden können. Sie ermöglichen es, auch seltene oder besonders kritische Situationen systematisch zu analysieren. 

Gleichzeitig wächst mit der zunehmenden Digitalisierung der Prüfprozesse der Bedarf an Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Die virtuellen Verfahren selbst müssen überprüfbar bleiben, um Vertrauen in die Ergebnisse zu sichern. 

Abgrenzung zur Forschung 

Die Organisationen betonen zudem, dass Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen zwar bei der Methodenentwicklung und Testinfrastruktur unterstützen können. Eine direkte Beteiligung an genehmigungsrelevanten Prüfungen lehnen sie jedoch ab. "Die Grenze zwischen Entwicklung und unabhängiger Typprüfung darf nicht verschwimmen. Nur unabhängige Prüfungen schaffen Vertrauen in automatisierte Fahrzeuge", so Schneider. 

Der Vorstoß zeigt, dass die Rahmenbedingungen für automatisiertes Fahren nicht nur technologisch, sondern auch regulatorisch neu definiert werden müssen. Mit der wachsenden Bedeutung von Simulationen steigt der Druck, internationale Standards und klare Zuständigkeiten festzulegen.


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