"Ich wollte ein elektrisches Zweirad für die Stadt, aufsteigen und Gas geben, mehr war der Anspruch eigentlich nicht", erzählte Manuel Meßmer am Mittwoch in Esslingen. In seinen Jugendjahren war es noch das knatternde Moped, der Retrostil der meisten E-Roller heutzutage passte Meßmer nicht. "Es ist eine neue Technologie, eine neue Antriebsform, und die braucht aus meiner Sicht auch ein zeitgemäßes Design." In seinem Vortrag "From sketch to production" schilderte Meßmer vor den Studierenden den Weg von der ersten Idee, zur Gründung in 2017 bis zur "Taufe" durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA).
Die "Pocket Rocket", so der Name des "vollelektrischen Leichtkraftrades", wie es im Beamtendeutsch heißt, setzt sehr bewusst auf ein reduziertes, industrielles Design. Klar, weniger Gewicht, mehr Reichweite, aber Meßmer will sich damit von retro-orientierten E‑Rollern abgrenzen. Ziel war und ist ein leichtes, wartungsarmes Zweirad für den urbanen Alltag.
Das Fahrzeug wiegt rund 87 Kilogramm inklusive Batterie, verzichtet auf Verkleidungsteile und setzt auf einen wartungsfreien Nabendirektantrieb. Die Batterie ist 16 Kilogramm schwer, steckt im Rohr und kann mobil aufgeladen werden und sogar als Mega-Powerbank Strom spenden. Der Clou: Über einen Inverter lässt sich die Batterie auch mit den eigenen Solarpanels am Balkon aufladen.
Zwei Leistungsstufen, Vertrieb online und über Händler
SOL Motors bietet seine "Taschenrakete" als 45‑ und 85‑km/h‑Variante an. Die Reichweite liegt dann bei bis zu 108 WLTP-Kilometern. Die Preise starten bei rund 6.000 Euro. Seit wenigen Wochen ist SOL Motors KBA-zertifiziert, also ein OEM.
Beim Vertrieb setzt SOL Motors aktuell auf einen Mehrkanalansatz. Der Online-Direktverkauf bleibt bestehen, gleichzeitig sucht das Unternehmen gerade aktiv Händlerpartner, das können gern auch Autohäuser sein. "Wir wollen mit dem Handel arbeiten“, betonte Meßmer. Erste Partner in Deutschland seien bereits angebunden, die Händlermarge liegt laut Meßmer je nach Modell bei etwa 500 bis 1.200 Euro. Hinzu kommt das Servicegeschäft.
Einsatzfelder im Autohaus
Meßmer sieht im Autohaus mehrere Anknüpfungspunkte: als Ergänzung im Showroom, als urbanes Mobilitätsangebot für Kunden oder gar als Ersatzfahrzeug. Vorteile seien geringe Betriebskosten, kaum Verschleiß und die einfache Wartung. Ersatzteile, technischer Support und Schulungen müssen natürlich vorhanden sein, derzeit befindet sich alles stetig in der Weiterentwicklung.
Leasing als Vertriebs- und Marketinghebel
Für die weitere Skalierung und das Bekanntwerden der Marke braucht es Sichtbarkeit und positives Kundenfeedback. Ein wichtiger Hebel ist daher auch das Leasing, z.B. als Dienstrad-Modell. Partner wie Mercator und Kazenmaier stehen hier bereits zur Seite. Zudem denkt Meßmer auch an Flottenanwendungen, etwa für Werksverkehr oder eben Mitarbeitermobilität. Sogar als Werbeträger sind die Pocket Rockets denkbar, vollfolierte Fahrzeuge im Corporate Design sind nach seinen Worten problemlos und schnell verfügbar.
Zum Schluss sagte Meßmer, die größten Fans der Rocket würden derzeit in Kalifornien sitzen. Dort käme das auffällige Design seit Beginn besonders gut an.