Skoda erweitert sein Elektroangebot um ein Modell, das vor allem über den Preis in den Markt drängen soll. Mit dem neuen Epiq bringt die tschechische VW-Tochter ein 4,17 Meter langes City-SUV an den Start, das in Deutschland ab 25.900 Euro angeboten werden soll. Bestellbar ist die Basisversion Epiq Essence 35 nach Angaben des Herstellers ab Ende September 2026. Damit würde der Epiq zum günstigsten batterieelektrischen Modell der Marke.
Das neue Modell ist für Skoda von strategischer Bedeutung. Während Enyaq und Elroq bereits die mittleren Segmente abdecken, soll der Epiq die Lücke nach unten schließen und die Marke in einem Bereich positionieren, der für die weitere Verbreitung von Elektroautos als besonders wichtig gilt: bezahlbare, alltagstaugliche Fahrzeuge im Volumensegment. Gerade dort entscheidet sich, ob Elektromobilität aus der Nische herauskommt oder auf absehbare Zeit vor allem ein Thema für Käufer mit höherem Budget bleibt.
Neuer Einstiegsstromer
Skoda verbindet den Marktstart deshalb mit einem klaren Versprechen: Der Epiq soll kein Verzichts-Elektroauto sein, sondern ein kompaktes Modell, das Preis, Nutzwert und Technik auf ein massentaugliches Niveau bringt. Der Hersteller verweist darauf, dass die Basisversion in vielen Märkten preislich in die Nähe des konventionell angetriebenen Kamiq rücken soll. Ob diese Rechnung im Alltag aufgeht, wird freilich nicht allein vom Listenpreis abhängen, sondern auch von Ladegeschwindigkeit, Reichweite, Ausstattung und Restwert.
Skoda Epiq (2027)
Technisch ist der Epiq für Skoda ein Einschnitt. Er ist das erste Modell der Marke auf der neuen MEB+-Plattform (VW ID. Polo/ID. Cross und Cupra Raval) und zugleich das erste E-Auto der Tschechen mit Frontantrieb. Das unterscheidet ihn von den größeren Stromern, die meist auf Heckantrieb oder Allrad setzen. Die neue Konzern-Architektur ist auf kompaktere, leichtere Elektrofahrzeuge ausgelegt und soll helfen, Gewicht, Kosten und Energieverbrauch zu senken.
Zwei Batterien, drei Leistungsstufen
Angeboten wird der Epiq mit zwei Batteriegrößen und drei Leistungsstufen. Die kleinere Batterie kommt auf 38,5 kWh brutto bzw. 37,5 kWh netto und nutzt Lithium-Eisen-Phosphat-Zellen (LFP). Diese Chemie gilt als kostengünstiger und robuster, hat allerdings eine geringere Energiedichte. Der größere Akku mit 55 kWh brutto und 51,5 kWh netto setzt auf Nickel-Mangan-Kobalt-Zellen (NMC) und ist für höhere Reichweiten ausgelegt.
Bei den Antriebsvarianten unterscheidet Skoda zwischen Epiq 35, Epiq 40 und Epiq 55. Die Version 35 leistet 85 kW / 115 PS, die Version 40 99 kW / 135 PS. Beide greifen auf die kleinere Batterie zurück, entwickeln jeweils 267 Newtonmeter Drehmoment und sollen eine Reichweite von bis zu 310 Kilometern haben. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 150 km/h. Darüber rangiert der Epiq 55 mit 155 kW / 211 PS, 290 Newtonmetern Drehmoment und der großen Batterie. Für ihn nennt Skoda eine Reichweite von bis zu 440 Kilometern sowie eine auf 160 km/h begrenzte Höchstgeschwindigkeit.
VW ID. Polo (2027)
Damit zielt der Epiq klar auf zwei unterschiedliche Kundengruppen: unten auf Fahrer, die vor allem ein preisgünstiges Stadtauto oder Zweitfahrzeug suchen, oben auf Käufer, denen ein Elektroauto auch auf längeren Strecken alltagstauglich erscheinen muss. Für den Markterfolg dürfte entscheidend sein, wie groß die preisliche Spreizung zwischen diesen Varianten ausfällt. Denn gerade in diesem Segment kann schon ein vergleichsweise kleiner Aufpreis darüber entscheiden, ob Kunden lieber zur größeren Batterie greifen oder gleich bei einem Verbrenner bleiben.
Alltag statt Show
Beim Laden will Skoda die Einstiegshürde ebenfalls niedrig halten. Serienmäßig lädt der Epiq mit 11 kW Wechselstrom. An der Schnellladesäule soll die stärkste Version den Bereich von zehn auf 80 Prozent in rund 24 Minuten schaffen. Das ist kein Klassenrekord, aber ein Wert, der den Wagen auch für längere Fahrten grundsätzlich anschlussfähig macht. Hinzu kommt bidirektionales Laden. Der Epiq kann also nicht nur Strom aufnehmen, sondern je nach technischer Umgebung auch externe Geräte versorgen oder Energie an Haus und Netz zurückgeben.
Das Technikpaket ergänzt Skoda um Funktionen, die im Alltag spürbar sein sollen. Dazu zählt ein vollwertiges "One Pedal Driving" im B-Modus, bei dem sich das Fahrzeug weitgehend über das Fahrpedal verzögern lässt. Der Elektromotor arbeitet in allen Varianten als Permanentmagnet-Synchronmaschine. Rekuperation, Segelfunktion und ein ECO-Assistent sollen helfen, die Reichweite im praktischen Betrieb zu stabilisieren.
Cupra Raval VZ (52 kWh)
Nutzwert im Fokus
Trotz der kompakten Außenmaße betont der Hersteller vor allem den Nutzwert des Fahrzeugs. Der Kofferraum fasst 475 Liter und liegt damit für diese Klasse auf bemerkenswertem Niveau. Hinzu kommt ein 25 Liter großer Frunk unter der Fronthaube. Weitere Ablagen im Innenraum bringen es laut Skoda auf mehr als 28 Liter zusätzliches Stauvolumen.
Auch bei der Anhängelast setzt der Epiq einen Akzent, zumindest in der stärkeren Variante. Die Versionen 35 und 40 dürfen bis zu 500 Kilogramm ziehen. Der Epiq 55 kommt auf 1.200 Kilogramm gebremste Anhängelast und 750 Kilogramm ungebremst. Damit ist das Fahrzeug zwar kein Zugwagen im klassischen Sinn, dürfte aber für kleinere Anhänger oder Freizeiteinsätze reichen.
Das Fahrwerk bleibt konventionell: vorn MacPherson-Achse mit unteren Dreieckslenkern und Stabilisator, hinten eine Längslenkerachse mit Torsionsstab. Gebremst wird an beiden Achsen mit Scheiben, vorne innenbelüftet. Auffällig ist der für ein SUV ordentliche Luftwiderstandsbeiwert von 0,275. Er wird unter anderem durch aktive Kühlklappen, "Air Curtains", einen geglätteten Unterboden und aerodynamisch optimierte Räder erreicht.
VW ID. Cross Covered Drive
Kompakt außen, geräumig innen
Auch gestalterisch markiert der Epiq einen Neustart. Er ist das erste Serienmodell der Marke, das die neue Designsprache "Modern Solid" vollständig umsetzt. Dazu gehören das schwarze Tech-Deck-Face an der Front und eine neue T-förmige Lichtsignatur, die künftig auch andere SUV-Modelle prägen soll. Der Wagen misst 4,17 Meter in der Länge, 1,8 Meter in der Breite und 1,58 Meter in der Höhe, der Radstand beträgt 2,6 Meter Millimeter. Je nach Version werden 17- bis 19-Zoll-Räder angeboten.
Im Innenraum setzt Skoda auf eine reduzierte, digitale Architektur mit 13-Zoll-Zentraldisplay, Android-basiertem Infotainmentsystem und App-Anbindung. Auffällig ist zudem die Materialstrategie: Der Epiq ist laut Werk das erste Serienauto der Marke, das vollständig auf tierfreie Materialien setzt. Sitzbezüge aus recyceltem Polyester und die Lederalternative Techtona sollen Nachhaltigkeit und Robustheit verbinden. Insgesamt spricht Skoda von mehr als 34 Kilogramm recycelten Materialien im Fahrzeug.
Bei den Assistenzsystemen gibt sich der Hersteller ebenfalls nicht knausrig. Serienmäßig an Bord sind Front Assist, Side Assist, Lane Assist und Verkehrszeichenerkennung. Optional ist unter anderem Travel Assist 3.0 erhältlich. Sieben Airbags, darunter ein zentraler Airbag, gehören zur Grundausstattung.
Kurz nach dem Marktstart soll zudem eine limitierte "First Edition" folgen. Sie basiert technisch auf dem Epiq 55, erhält zusätzliche Ausstattung und eigene Designmerkmale. Für den Massenmarkt dürfte allerdings weniger diese Einführungsvariante relevant sein als die Frage, ob Skoda sein Kernversprechen einlösen kann: ein Elektroauto anzubieten, das nicht nur günstig angekündigt wird, sondern im Alltag tatsächlich als vernünftige Alternative zum Verbrenner durchgeht.