E-Autos auf dem Gebrauchtwagenmarkt: Noch Ladenhüter, bald Verkaufsschlager?

19.05.2026 10:20 Uhr | Lesezeit: 4 min
Elektroauto
Der zweite Markt für das Elektroauto gestaltet sich noch schwierig.
© Foto: T. Volz/Pro Motor

In einigen Jahren könnten gebrauchte Stromer deutlich an Attraktivität gewinnen, sagt Experte Manuel Schuler. Das ist eine wichtige Hürde für die Elektromobilität.

Das Elektroauto hat derzeit noch ein Gebrauchtwagenproblem. Auch wenn die Stromer inzwischen immer größere Anteile des Neuwagenmarktes für sich erobern, hinken sie auf dem Gebrauchtwagenmarkt hinterher. Doch das könnte sich in den kommenden Jahren bessern, sagt Manuel Schuler vom Beratungsunternehmen Bearingpoint.

In Deutschland wurden in den ersten vier Monaten des Jahres knapp 224.000 neue Pkw mit reinem Elektroantrieb (BEV) verkauft, aber nur knapp 120.000 gebrauchte. Dabei ist der Gebrauchtwagenmarkt insgesamt grob doppelt so groß wie der Neuwagenmarkt.

Der Trend bei den gebrauchten E-Autos weist zwar nach oben, doch noch immer haben die Elektroautos ein Problem mit dem Wertverlust: Ein typischer drei Jahre alter Stromer kostete beim Autohändler zuletzt etwas mehr als 50 Prozent seines Listenneupreises, wie aus Daten der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) hervorgeht. Für Benziner lag dieser Wert bei 60 Prozent, für Diesel bei gut 59 Prozent. 

Der Nachteil der Stromer ist zuletzt zwar um einige Prozentpunkte geschrumpft, ist aber nach wie vor deutlich. Und er trifft nicht nur Käufer, sondern verteuert auch Leasingverträge. 

Die Autos sind besser geworden 

"Beim Kauf von gebrauchten Elektroautos spielt das Alter eine besonders starke Rolle", sagt Schuler, dessen Unternehmen dazu in Deutschland, den USA, Großbritannien, China und Indien potenzielle Käufer befragt hat. 

"In den meisten Märkten gibt es bei drei Jahren eine relativ harte Schwelle, bis zu der die Kunden interessiert sind – sofern nicht zu viele Kilometer auf dem Tacho stehen. Das ist verständlich, denn in den letzten Jahren sind Elektroautos signifikant besser geworden."

Grob gesagt steht dahinter der Effekt, dass es bei der Elektromobilität noch deutlich stärkere Fortschritte gibt. Der Unterschied zwischen einem fünf Jahre alten Elektroauto und seinem neuen Pendant ist dadurch größer als bei Verbrennern. Doch dieses Problem schwindet.

Ein Schub für gebrauchte Stromer 

"Blickt man jetzt noch drei Jahre nach vorn, wenn die jetzt neuen Autos als junge Gebrauchte auf den Markt kommen, ergibt sich ein weiterer Sprung – gerade bei Reichweite und Ladegeschwindigkeit", sagt Schuler. "Themen wie Reichweitenangst sollten dann eigentlich vom Tisch sein. Daher könnte der Markt für gebrauchte Stromer in einigen Jahren einen ähnlichen Schub erleben, wie wir ihn jetzt schon im Neuwagengeschäft sehen."

Und auch das Problem der niedrigen BEV-Restwerte dürfte sich in den kommenden Jahren aus Sicht von Schuler entspannen, "weil die Autos besser geworden sind". Das werde aber alles nicht auf einen Schlag nach oben gehen, sagt er, sondern sukzessive.

Und es sind nicht nur die technischen Verbesserungen, sondern auch Erfahrungswerte, die helfen, Vorbehalte abzubauen. Man sehe, dass die Leistung von Batterien "auch bei älteren Fahrzeugen noch sehr solide ist". Zusätzlich könnten Batteriezertifikate für Vertrauen sorgen, "wobei die Wirksamkeit weitgehend von der Reputation des Gutachters abhängt".

Wer konkret kaufen will, ist offener

Auffällig sei, dass Menschen, die konkret vorhaben, in den nächsten Jahren ein Auto zu kaufen, Elektroautos – auch gebrauchte – attraktiver finden als die breite Masse, sagt Schuler. "Bei ihnen ist anzunehmen, dass sie besser informiert sind", erklärt er.

Es gibt bei dieser Betrachtung allerdings auch eine "schlechte Nachricht für die etablierten westlichen Autohersteller", wie Schuler sagt: Menschen mit konkreter Kaufabsicht waren gegenüber Marken aus China deutlich aufgeschlossener als die breite Masse.

Hohe Spritpreise könnten der Elektromobilität helfen

Und auch die aktuell hohen Spritpreise dürften gebrauchten Stromern helfen, erwartet der Experte. "Nicht im Sinne, dass jetzt alle Leute sofort einen kaufen – aber es bringt ein Bewusstsein dafür, dass es solche Krisen geben kann, und das wertet Elektroautos in den Köpfen der potenziellen Käufer auf."

Gerade im Gebrauchtwagenmarkt könnte dies besonders stark verfangen: "Dass man mit einem Elektroauto von hohen Spritpreisen unabhängig ist, könnte gerade bei preissensiblen Menschen eine Rolle spielen. Und Gebrauchtwagenkäufer sind in der Regel preissensibel."


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