Der angeschlagene Autobauer Karmann kann nach Ansicht des Betriebsrates auf einen Großauftrag hoffen. Die Belegschaftsvertretung hat die Mitarbeiter des Osnabrücker Werkes am Dienstag per Aushang informiert, dass Karmann möglicherweise einen Auftrag für die Produktion eines Komplettfahrzeugs bekommt. Die Entscheidung des Auftraggebers werde wahrscheinlich in der nächsten Woche erfolgen, heißt es in dem am Mittwoch bekanntgewordenen Schreiben. Der Auftrag könne die Beschäftigung im Osnabrücker Werk für mehr als fünf Jahre sichern. Die erste Welle des Personalabbaus werde aus Sicht der Unternehmensleitung dennoch notwendig sein, hieß es weiter. Im Falle des Auftrags soll die Ausstattung des Sozialplanes auf dem Niveau der vorigen Sozialpläne gehalten werden. Der Betriebsrat schätzt die Chance, den Zuschlag zu bekommen, als "durchaus realistisch" ein. Er habe daher auch eine für Donnerstag geplante Betriebsversammlung abgesagt, um die Verhandlungen nicht zu belasten. Karmann-Sprecher Christian Eick wollte lediglich bestätigen, dass es in den vergangenen Monaten Gespräche mit mehreren Autoherstellern gab. "Das ist auch unser Job", sagte er. Zu Einzelheiten oder näheren Informationen wollten sich am Mittwoch weder Unternehmen noch Betriebsrat äußern. "Das würde sonst die Gespräche belasten", sagte Eick. Sollte es konkrete Ergebnisse geben, werde die Öffentlichkeit informiert. Gespräche zum Bau eines neuen Cabriolets des koreanischen Herstellers Kia hätten noch nicht zu Entscheidungen geführt, sagte eine Kia-Sprecherin. Das Unternehmen hatte auf der IAA im September in Frankfurt zusammen mit Karmann eine Cabrio-Studie vorgestellt. Anfang Oktober hatte der Autobauer angekündigt, mangels Aufträgen 1.770 seiner 5.000 Stellen an den Standorten Osnabrück und Rheine streichen zu wollen. Sollte die Auftragsflaute im kommenden Jahr anhalten, sind nach früheren Angaben der Firma weitere 800 Arbeitsplätze gefährdet. Schießt Wiedeking quer? Unterdessen räumte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, der auch bei VW im Aufsichtsrat sitzt, ein angespanntes Verhältnis zu Karmann ein. "Die Atmosphäre ist nicht toll" sagte Wiedeking auf der Bilanz-Pressekonferenz des Sportwagenbauers in Stuttgart. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hatte Porsche und Karmann Anfang des Monats in einem Zeitungsinterview aufgefordert, "atmosphärische Störungen" zu beseitigen (wir berichteten). Wulff setzt sich seit langem dafür ein, dass Volkswagen Aufträge an Karmann vergibt. Medienberichten zufolge sollen die Pläne vor allem bei Wiedeking, der den Großaktionär Porsche im VW-Aufsichtsrat vertritt, auf Widerstand stoßen. Grund soll ein Rechtsstreit zwischen beiden Unternehmen wegen eines angeblichen Ideenklaus beim Porsche-Modell Boxster sein. Ein Porsche-Sprecher sagte dagegen, die Entscheidung über den Bau einzelner Modelle treffe auch bei VW nicht der Aufsichtsrat, sondern der Vorstand. Karmann hatte das Verhältnis zu Porsche Anfang des Monats als "gut und unbelastet" bezeichnet. (dpa)
Karmann hofft auf neuen Großauftrag
Betriebsrat sieht Chancen für Produktion eines Komplettfahrzeugs / Gespräche mit mehreren Autobauern