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Marktforscher: Europas Mega-Autohäuser legen 2022 zu

Zentrale der Emil Frey Gruppe in Zürich
© Foto: Emil Frey Gruppe

Neu- und Gebrauchtwagen waren im vergangenen Jahr Mangelware. Das hat die Top-50-Händler in Europa aber nicht bremsen können. Im Gegenteil: Ihr Marktanteil wuchs weiter.


Datum:
07.11.2023
Autor:
Ralf Padrtka
Lesezeit:
4 min
2 Kommentare

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Europas größte Autohändler haben ihre Marktposition im Ausnahmejahr 2022 ausgebaut. Wie die Forscher vom International Car Distribution Programme (ICDP) am Dienstag mitteilten, steigerten die Top-50-Gruppen ihren Neuwagenverkauf um 3,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In einem von einem starken Fahrzeugmangel geprägten, rückläufigen Markt (minus 5,9 Prozent) stieg ihr Anteil um 1,4 Prozentpunkte auf 15,2 Prozent.

"Diese Entwicklung spiegelt die anhaltende Konsolidierung im europäischen Automobilhandel wider", erklärten die IDCP-Experten Steve Young und Peter Bailey. Ihre Vorhersage, dass die Handelsriesen bis 2025 einen Anteil von 15 Prozent erreichen würden, sei um drei Jahre früher eingetroffen. Gleichzeitig bekräftigten sie ihre Prognose, dass die Unternehmen bis 2030 einen Marktanteil von 20 Prozent erreichen werden.

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Den Angaben zufolge gehören alle im 2022er-Ranking gelisteten Autohändler dem Club der Milliardäre an. Den durchschnittlichen Umsatz der Branchengrößen gibt IDCP mit 2,853 Milliarden Euro an. Das entspreche einem Anstieg von 10,3 Prozent gegenüber dem Jahr davor, so die Marktbeobachter. 

Weitere Ergebnisse der Untersuchung: Die durchschnittliche Anzahl der Verkaufsstellen stieg von 126 im Jahr 2021 auf 141. Bei der Anzahl der vertretenen Marken gab es ein leichtes Plus von 16 auf 18. Dies sei unter anderem auf den Markteintritt neuer Automarken aus China zu tun. Diese seien 2022 bereits bei fast jedem dritten Top-50-Händler vertreten. Ein weiterer Faktor sei das Bestreben des Stellantis-Konzerns, alle seine Marken in einzelnen Investoren zu konzentrieren. 

Drei Neueinsteiger – viel Bewegung in der Rangliste 

Neu in dem Händlerranking 2022 sind Avemo aus Deutschland sowie die französischen Anbieter BPM und LS Group. Sie ersetzen jeweils einen Konkurrenten aus China, Finnland und den Niederlanden. Laut IDCP können nur acht Gruppen ihre Position aus dem Vorjahr halten, weitere 31 Unternehmen bewegen sich um maximal fünf Plätze nach oben oder unten. 

Zu den großen Aufsteigern zählen Hedin, Veho, Eden Auto, RCM und Stoneacre. Dagegen fallen die Autohäuser Car Avenue, Pappas und Merbag deutlich zurück. Dies liegt nach Einschätzung der Experten hauptsächlich am Verkauf einiger Standorte, für die es erst seit diesem Jahr Ersatz gibt. "Wir erwarten daher, dass alle drei in der Rangliste 2023 wieder aufsteigen werden", so Young und Bailey. 


Die 20 größten Autohändler Europas 2022 (nach Umsatz)

Die 20 größten Autohändler Europas 2022 (nach Umsatz) Bildergalerie

Die Forscher unterstrichen, dass die Verbindung Import/Einzelhandel noch immer eine bedeutende Rolle in der Branche spiele. Ein Viertel der Megadealer würde dieses Geschäftsmodell verfolgen. Die Emil Frey Gruppe hält demnach ihre langjährige Pole-Position in dieser Kategorie, weitere Beispiele sind Pon (8. Platz), AMAG (9.), Moeller (13.), D'Ieteren (14.) und Semler (19.), alle mit Schwerpunkt auf die VW-Konzernmarken.

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Die Gruppen Hedin (5.), Inchcape (6.), Louwman (16.), Bertel O Steen (22.), Caetano (27.) und Veho (29.) setzen ebenfalls auf das kombinierte Import/Retail-Modell, haben aber einen anderen Hersteller-Fokus. "Mit der Verbreitung neuer chinesischer Marken haben sich traditionell reine Händlergruppen dem 'Importeur-Club' angeschlossen", erklärten Young und Baily unter Verweis auf Hedin (BYD) und Van Mossel (MG).

Mehr grenzüberschreitende Deals

IDCP konstatiert außerdem eine weitere Konsolidierung der Top-50-Betriebe infolge "fieberhafter M&A-Aktivitäten". Es habe eine deutliche Zunahme grenzüberschreitender Transaktionen sowie Zu- und Verkäufe, die von Autoherstellern getätigt oder gefördert werden, gegeben. Insgesamt zählten die Experten unter den insgesamt 825 Verkaufsstellen, die 2022 den Eigentümer wechselten, 161 internationale Deals. Dieser Trend gewinnt an Tempo: Von den in diesem Jahr bislang 1.312 veräußerten Standorten waren 522 mit grenzüberschreitender Beteiligung. Das Verhältnis werde jedoch durch derzeit laufende Inbound-Investitionen in Großbritannien verzerrt, hieß es.


Die 20 größten Autohändler Deutschlands 2023 (nach Neuwagen)

Die 20 größten Autohändler Deutschlands 2023 (nach Neuwagen) Bildergalerie


Die Schlussfolgerungen der IDCP-Experten

"Vor einem Jahrzehnt bevorzugten OEMs im Allgemeinen eher die Zusammenarbeit mit kleineren, inhabergeführten Kfz-Betrieben als mit großen Händlergruppen. Diese Einstellung hat sich mittlerweile gewandelt. In einer Zeit, in der der Druck zur Einführung von Omni-Channel-Vertrieb (entweder in einem modifizierten Vertragshandel oder als Agentur), zur Anpassung an die Elektrifizierung und Fahrzeugvernetzung sowie zur Bewältigung eines unsicheren wirtschaftlichen Umfelds immer größer wird und die Händlernetze belastet, wird die Zusammenarbeit mit wenigeren, dafür größeren, prozess- und IT-getriebenen Partnern zusehends attraktiver. Darum treiben die Hersteller ihre Pläne zur Konsolidierung der Netze voran und greifen aktiv bei der Übernahme kleinerer Autohäuser durch große Gruppen ein.

Händler, die nicht die Größe der Top-Player haben, können sich das Beste aus beiden Welten herauspicken. Sie müssen den größeren Unternehmen ebenbürtig sein, um ein effektiver Teil von Omni-Channel-Netzwerken und einer digitaleren Umgebung zu werden. Dies erfordert zwar auch Größe, aber kleinere Unternehmen können immer noch auf Ressourcen und Fähigkeiten von Dritten zugreifen, so dass sie nicht komplett ausgeschlossen werden. Gleichzeitig sollten sie die engen und persönlichen Beziehungen, die sie zu Kunden und Mitarbeitern haben, nutzen, um ein differenziertes Erlebnis zu bieten.

Die 50 größten Gruppen sowie andere Autohäuser mit Wachstumsambitionen müssen eine Doppelstrategie fahren. Sie müssen die Performance ihres bestehenden Geschäfts optimieren, sie müssen aber auch sicherstellen, dass Akquisitionen schnell und vollständig in das Kerngeschäft integriert werden. Große Gruppen haben ihre eigenen Managementkomplexitäten, die sich noch verstärken, wenn sie jetzt nationale Grenzen überschreiten. Man kann nur auf einer bestimmten Anzahl von Hochzeiten gleichzeitig tanzen, daher müssen Systeme, Prozesse und Führungsinformationen schnell harmonisiert werden. Die besten Autohäuser haben für jede Übernahme ein gut ausgearbeitetes Handbuch. Denn: Größe führt nicht automatisch zum Erfolg." – Steve Young und Peter Bailey (ICDP)




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KOMMENTARE


Udo Räder

08.11.2023 - 09:49 Uhr

In 2022 haben die Händler überwiegend in jeder Hinsicht zugelegt nicht nur die Überflieger


Emil

09.11.2023 - 17:43 Uhr

…nun den „Rest“ von 85%bzw 80% in 2030 machen die kleineren Händler. Also bleiben die Megadealer wohl doch der Sonderfall .


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