Neuzulassungen: Das sind die Gründe für das Dezember-Hoch

© Foto: Ingo Wagner/dpa/picture alliance

Mehrwertsteueranhebung und CO2-Ziele sorgen zum Abschluss des Corona-Jahres für hohe Zulassungszahlen in Deutschland. In den gewerblichen Kanälen legen E-Fahrzeuge einen starken Endspurt hin.

Trotz Corona-Lockdown hat der deutsche Automarkt zum Jahresende noch einmal gehörig Fahrt aufgenommen. Im Dezember wurden 311.394 Pkw neu zugelassen. Wie der Branchenbeobachter Dataforce mitteilt, war dies der höchste Wert für diesen Monat seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2001. Der relative Anstieg zum Dezember 2019 lag bei 9,9 Prozent.

Dass es einen solchen Run auf die Zulassungsstellen gab, hat mehrere Gründe. An erster Stelle nennt Dataforce-Experte Benjamin Kibies Vorzieheffekte durch die ausgelaufene Mehrwertsteuersenkung. Das habe vor allem die privaten Neuzulassungen (117.774, plus 45,4 Prozent) gesteigert, hieß es.

Im geringeren Umfang zogen den Angaben zufolge aber auch der Fahrzeughandel (58.731 Fahrzeuge, minus 10,9 Prozent) und -bau (19.839 Einheiten, minus 25,2 Prozent) ihre taktischen Zulassungen vor. Dass die Sondereinflüsse inklusive der Autovermieter (30.544 Pkw, minus 6,4 Prozent) trotzdem rückläufig waren, lag an noch stärkeren Sondereffekten im Vergleichsmonat 2019. Robust entwickelte sich der Flottenmarkt mit 84.506 neuen Firmenwagen und einem Zuwachs von 9,3 Prozent.

Ein weiterer Anreiz für vorgezogene Zulassungen war laut Kibies das 95-Gramm-Emissionsziel der Hersteller. Um dieses zu erreichen, mussten zum Jahresende europaweit noch zahlreiche Batterieautos (BEV) und Plug-In-Hybride (PHEV) auf die Straßen kommen. Die vorläufige Auswertung der Kraftstoffarten zeige für BEV und PHEV einen Anteil 41 Prozent an den Neuzulassungen, so der Experte. Bei den Eigenzulassungen der Hersteller hätten sie sogar 69 Prozent ausgemacht. Im Vergleich zum Vorjahresmonat spielte außerdem die Anzahl der Arbeitstage eine Rolle (plus zwei Tage).

Gesamtmarkt schrumpft um ein Fünftel

Wie berichtet, konnte auch der starke Dezember die Jahresbilanz 2020 nicht mehr retten. Mit knapp 2,92 Millionen Neuzulassungen schrumpfte der Markt nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) um 19,1 Prozent. Dabei schnitten der Flottenmarkt (821.989 Einheiten, minus 12,4 Prozent) und der Privatmarkt (1.082.899 Einheiten, minus 13 Prozent) noch etwas besser ab. Die Eigenzulassungen von Herstellern (222.973 Einheiten, minus 28,4 Prozent) und -handel (503.120 Einheiten, minus 28,5 Prozent) gaben deutlich stärker nach. Am stärksten traf Corona die Autovermieter, die 30,2 Prozent weniger Pkw anmeldeten als im Jahr davor. Insgesamt waren es 286.697 Fahrzeuge.

Der Transporter-Markt beendete 2020 mit einem Zuwachs von 8,4 Prozent auf 46.244 Fahrzeuge im Dezember. Kibies: "Treiber waren einmal mehr die privaten Zulassungen mit einem Sprung um 53,9 Prozent. Auch hier war die geringere Mehrwertsteuer der entscheidende Faktor." Auf Jahressicht kamen mit 511.433 Einheiten jedoch 9,4 Prozent weniger leichte Nutzfahrzeuge und Pkw-Utilities auf die Straßen als 2019. Einzig der Privatmarkt erreichte durch den Wohnmobil-Boom ein Wachstum (plus 3,3 Prozent). (rp)


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