Auch wenn Online-Abschlüsse von Finanzierungs- und Leasingverträgen an Bedeutung gewinnen und die Hausbank immer noch ein relevanter Autokreditgeber ist: Die meisten Verträge im Automotive Finance werden beim Autohändler abgeschlossen. Deshalb sind die Ergebnisse des AUTOHAUS BankenMonitors auch 20 Jahre nach seinem Entstehen für die Finanzdienstleistungspartner so wichtig. Über eine Reihe detaillierter Einzelkriterien misst der BankenMonitor jährlich die Zufriedenheit des deutschen Autohandels mit den Autobanken, liefert damit wertvolle Informationen zu Trends und Anforderungen der Vertragspartner und hilft dabei, die Zusammenarbeit zu verbessern.
Dass dies nicht nur graue Theorie ist, sondern sich eine im BankenMonitor gemessene hohe Händlerzufriedenheit unmittelbar auf das Geschäft auswirkt, zeigt die Gegenüberstellung der Gesamtbewertung der Herstellerbanken (Captives) und des durchschnittlichen Anteils der Captives am Finanzdienstleistungsvolumen der jeweiligen Markenhändler: Bei Marken mit einem Ergebnis ab der "Schulnote" 3 sinkt der Geschäftsanteil mit der Captive signifikant ab, das heißt, die Händler orientieren sich bei Unzufriedenheit mit der Herstellerbank deutlich stärker in Richtung der freien Autobanken oder Leasinganbieter, also der Non-Captives.
Die Unterschiede zwischen den Finanzierungs- und Leasingpartnern der Händler sind enorm: Etwa 1,5 Punkte auf der Schulnotenskala trennen die beste und die schlechteste Autobank im letzten und vorletzten Jahr. Manche Finanzpartner schneiden konstant sehr gut ab, allen voran die Herstellerbank von Toyota, die innerhalb der letzten zehn Jahre immer unter den Top 3 im Gesamtranking vertreten war. Mitsubishi hat im gleichen Zeitraum mit neun Top-3-Platzierungen nur ein einziges Mal das Siegertreppchen knapp verpasst. Aber es gibt auch "Aufsteiger": So hat Mobilize Financial Services mit der Marke Dacia im letzten Jahr erstmalig die Top 3 erreicht.
Wie gut oder schlecht das Gesamtergebnis der Finanzpartner auch ausfällt, es lohnt sich in jedem Fall, einen Blick auf die Einzelkriterien zu werfen, denn bei allen Captives und Non-Captives gibt es Kriterien "im grünen Bereich" und solche, die aus Sicht der Händlerpartner optimierbar sind.
Leasinggeschäft
Vor dem Hintergrund der großen Herausforderungen der Branche wird das Ergebnis der bevorstehenden 21. Welle des BankenMonitors wieder sehr spannend. Der schon seit Jahren gemessene Siegeszug des Leasinggeschäfts erhält durch das Restwertrisiko gebrauchter Elektrofahrzeuge weiter Rückenwind, denn gerade bei E-Autos mit unsicherer Wertentwicklung (Technologiesprünge, Preissenkungen bei Neuwagen, Batterie-Themen) verschiebt sich die Präferenz auch vieler Privatkunden weiter Richtung Leasing. Um dieser Tatsache Rechnung zu tragen, wurden im letzten Jahr neben der bisher immer vertretenen "Non-Captives Finanzierung" auch "Non-Captives Leasing", also reine Leasinganbieter wie ALD Automotive, die mittlerweile zusammen mit Leaseplan die Fusion zu Ayvens vollzogen haben, mit in den BankenMonitor aufgenommen. Im BankenMonitor 2026 ist für die Leasinggesellschaften also erstmals ein Vorjahresvergleich möglich.
Einsatz von KI
Ein weiteres Thema mit Zündstoff, auch für die Automotive-Finance-Branche, sind die Entwicklungen rund um KI. Der Einsatz von KI bietet für Autobanken enorme Chancen, um den steigenden Anforderungen von Händlern und Autokäufern gerecht zu werden. Durch die Beschleunigung von zum Beispiel Kreditentscheidungsprozessen heben sich einige Wettbewerber signifikant von anderen ab und werden so für Autohändler als Finanzierungs- oder Leasingpartner deutlich attraktiver. Studien deuten darauf hin, dass die Non-Captives im Vergleich zu den Herstellerbanken hier die Nase vorn haben.
Performance des Innendienstes
In diesem Zusammenhang wird auch die Performance des Innendienstes immer wichtiger. Sowohl 2024 wie auch 2025 bezogen sich die im BankenMonitor gemessenen Top-Treiber der Händlerzufriedenheit auf den Innendienst der Finanzdienstleistungspartner. Eine zentrale Rolle spielen Kompetenz und Hilfestellung bei der Lösung von Problemen, die Flexibilität der Kreditentscheidung, die Schnelligkeit der Anfragebearbeitung und die telefonische Erreichbarkeit. Der Zeitverlauf der Bewertungen des letztgenannten Kriteriums offenbart drei Entwicklungen: erstens eine generell leicht sinkende Zufriedenheit, zweitens einen steigenden Vorsprung der Non-Captives gegenüber den Captives seit der Corona-Krise und drittens eine zunehmende Vergrößerung der Spannweite der Ergebnisse (Top-/Bottom-Korridor) in den letzten Jahren.
Tatsächlich war die telefonische Erreichbarkeit des Innendienstes in den letzten zwei Jahren das Kriterium mit der deutlich größten Ergebnisvarianz bei den Herstellerbanken, in beiden Jahren gefolgt von der Schnelligkeit der Kreditentscheidung bei Leasing-Gewerbekunden. Diese Kriterien ermöglichen es ambitionierten Autobanken, sich von Mitbewerbern abzuheben und sich für die Autohändler als präferierte Partner zu positionieren.
Wir empfehlen allen lernbereiten Akteuren, sich von neutraler und verlässlicher Quelle die eigenen Stärken und Schwächen aus Händlersicht spiegeln zu lassen und von Benchmarks zu lernen. Die Händler bitten wir wie jedes Jahr, uns bei der Erhebung zu unterstützen, indem sie sich 15 Minuten Zeit nehmen, wenn sie von puls Marktforschung im April bis Mai dieses Jahres um ein Telefoninterview gebeten werden. Die AUTOHAUS-Veranstaltung mit Prämierung der diesjährigen Sieger ist für den 30. Juni 2026 geplant.