Die Halle 9 des Mercedes-Werks in Bremen unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von anderen Autofabriken. Kunterbunt gemischt reihen sich am Produktionsband die GLC-Modelle aneinander. Und doch ist etwas anders, denn hier wird nicht nur der aktuelle SUV mit Benzin- oder Dieselantrieb gebaut. Vielmehr fährt Mercedes hier zweigleisig. Denn seit Januar mischt sich auch der neue, vollelektrische GLC zwischen die Verbrenner und Hybridmodelle.
Bremen zählt im Werkverbund von Mercedes seit Jahrzehnten zu den größten Produktionsstätten. 10.500 Menschen arbeiten dort für die Marke. Seit 1978 liefen dort mehr als zehn Millionen Fahrzeuge mit dem Stern vom Band. Gefertigt werden Modelle aus dem Herz des Portfolios, darunter die C-Klasse, alle GLC-Derivate sowie die sportlichen Prestigemodelle SL und GT. Produktionsvorstand Michael Schiebe bezeichnet das Werk als „Kompetenzzentrum für das Core-Segment“, also für genau jene Fahrzeuge, mit denen die Marke den Großteil ihres Geschäfts macht.
Die Batterie des GLC liefert die hauseigene Fertigung in Kamenz, Karosserieteile kommen unter anderem aus dem Mercedes-Werk in Hamburg und Komponenten des E-Antriebs liefert der Standort im rumänischen Sebes. Bremen übernimmt die Endmontage und gilt innerhalb des Konzerns als eines der flexibelsten Werke.
Mercedes-Benz GLC (2026)
Seit mehr als zehn Jahren läuft dort die Produktion im Drei-Schicht-Betrieb. Auf mehreren Bändern entstehen parallel Verbrenner, Hybrid- und Elektrofahrzeuge. Wird die Produktion eines neuen Modells im Werkverbund ausgeschrieben, gilt diese Flexibilität als einer der entscheidenden Wettbewerbsvorteile. Dass der Elektro-SUV zusammen mit den bisherigen GLC-Varianten vom gleichen Band läuft, ist selbst für Schiebe nicht selbstverständlich. „Eine neue Plattform in die laufende Produktion zu integrieren ist eine besondere Herausforderung.“
Bestellungen auf Rekordniveau
Mercedes will sich damit alle Optionen offenhalten. Denn viele Kunden sind noch unsicher, ob sie schon auf ein E-Modell umsteigen wollen. Das gilt ganz besonders für den GLC. Das kompakte SUV ist seit Jahren das weltweit meistverkaufte Modell der Marke und trägt maßgeblich zum Ergebnis bei. Entsprechend viel hängt vom Erfolg der Elektroversion ab. Zumindest der Verkaufsstart macht Hoffnung. In den ersten drei Monaten wurde der elektrische GLC häufiger geordert als jedes andere Elektroauto der Unternehmensgeschichte.
Denn wirtschaftlich steht Mercedes unter Druck. Vor allem das schwache Chinageschäft, sinkende Margen und hohe Investitionen in Software sowie Elektromobilität setzen Konzernchef Ola Källenius und sein Team unter Druck. Von den neuen Generationen der Volumenmodelle CLA, GLB, C-Klasse und GLC hängt viel ab. Die neuen Elektroplattformen für Klein- und Kompaktwagen, für die Mittelklasse sowie für Vans und Transporter gelten als entscheidend, um wieder höhere Renditen zu erzielen.
Mercedes-Benz C 400 4Matic (2027)
Der elektrische, 360 kW / 489 PS starke GLC basiert auf einer neuen 800-Volt-Architektur für Mittel- und Oberklassemodelle. Die MB.EA.-Plattform lässt sich für verschiedene Fahrzeuggrößen nutzen, arbeitet effizienter und erlaubt deutlich höhere Ladeleistungen. Unter Idealbedingungen lässt sich innerhalb von zehn Minuten Strom für gut 300 Kilometer Reichweite nachladen. Parallel führt die Marke mit MB.OS eine neue Software-Architektur ein, die viele Fahrzeugfunktionen zentral steuert. Auch die noch 2026 startende elektrische C-Klasse sowie weitere SUV- und AMG-Derivate nutzen die neue Technik.
Im aktuellen Konfigurator startet die zunächst verfügbare Topversion GLC 400 bei 71.000 Euro. Das ist überraschend nah an den Preisen der konventionellen Varianten. Der Plug-in-Hybrid GLC 300e mit 213 kW / 330 PS Systemleistung kostet 68.900 Euro.