Seit Anfang 2025 führt Alain Favey die Marke Peugeot und damit in einer Phase, in der die Marke ihr Modellprogramm an neue Antriebe und Technologien anpassen muss. Der neue e-208 GTi ist dafür ein gutes Beispiel: Erstmals trifft das traditionsreiche Sportkürzel auf einen Elektroantrieb. Für Favey ist das kein Übergang, sondern die Zukunft des GTi.
Herr Favey, mit dem e-208 bringt Peugeot den GTi zurück. Das mag für manchen Kunden etwas ungewöhnlich sein. Wird es künftig auch wieder einen GTi mit Verbrennungsmotor geben?
Alain Favey: Nein. Für uns ist klar, dass die Zukunft des GTi elektrisch sein muss. Wenn Sie das Auto fahren, werden Sie merken, dass sich diese Leistung und vor allem das sofort verfügbare Drehmoment mit einem Verbrennungsmotor kaum darstellen lassen. Der 205 GTi brachte es damals auf bis zu 130 PS, der neue e-208 GTi ist 281 PS stark. Das ergibt natürlich ein völlig anderes Fahrerlebnis, das sich so mit einem Benziner nur schwer darstellen lässt. Deshalb sollten wir nicht zu sehr zurückschauen und überlegen, welcher Verbrenner dasselbe leisten könnte.
Hinzu kommen die europäischen Emissions-Vorgaben. Ein Verbrenner mit einer solchen Leistung hätte entsprechend hohe CO2-Werte und wäre in Ländern, in denen die Besteuerung davon abhängt, extrem teuer. In Frankreich könnte beispielsweise ein Malus von rund 70.000 Euro fällig werden. Ein solches Auto wäre schlicht nicht konkurrenzfähig. Für uns gibt es beim GTi deshalb keine Alternative zum Elektroantrieb. Und mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden.
Entwickelt Peugeot trotzdem weiterhin Verbrennungsmotoren? Welche Rolle spielen beispielsweise Hybrid und Plug-in-Hybrid künftig?
A. Favey: Selbstverständlich arbeiten wir weiter an Verbrennungsmotoren. Wir haben eben erst neue Motoren und eine neue Generation von Plug-in-Hybriden eingeführt und gehen davon aus, dass es auch über 2030 hinaus eine Nachfrage nach Verbrennungsmotoren geben wird.
Beim Plug-in-Hybrid sehen wir beispielsweise noch viel Potenzial. Schaut man sich die chinesischen Hersteller in Europa an, wird vor allem über Elektroautos gesprochen. Tatsächlich machen Plug-in-Hybride einen großen Teil ihrer Verkäufe aus. In diesem Bereich sind sie sehr stark.
Besonders interessant sind natürlich Plug-in-Modelle mit einer großen elektrischen Reichweite. Es müssen ja nicht unbedingt gleich 300 Kilometer sein, aber mehr als 100 Kilometer sind durchaus eine Richtung, die wir uns für die Zukunft anschauen. Daneben prüfen wir auch andere Lösungen wie Vollhybride. Mildhybride haben wir bereits heute im Programm. Wir wollen uns technologisch nicht auf nur einen Weg festlegen.
Peugeot E-208 GTi (2026)
Eine Peugeot-Besonderheit ist seit Jahren das kleine Lenkrad mit den darüber angeordneten Instrumenten. Manche Fahrer kommen damit immer noch nicht zurecht.
A. Favey: Wir wollen an dem kleinen Lenkrad festhalten und dieses Konzept weiterentwickeln. Innenraumdesign und Cockpit werden von unseren Kunden sehr gut bewertet. Ich bin selbst erst vor rund eineinhalb Jahren zu Peugeot gekommen und habe zuvor 15 Jahre im Volkswagen-Konzern gearbeitet. Deshalb kenne ich die erste Reaktion sehr gut: Man steigt ein und fragt sich zunächst, warum das alles so anders ist.
Aber wenn man eine Woche damit gefahren ist und anschließend wieder in ein Auto mit einem großen, klassischen Lenkrad steigt, wirkt das plötzlich ungewohnt und unnötig groß. Entscheidend ist natürlich, dass man richtig sitzt. In einem Peugeot sollte man nicht automatisch den Sitz ganz nach unten und das Lenkrad ganz nach oben stellen. Das musste auch ich erst lernen.
Beim nächsten 208 wollen Sie noch einen Schritt weitergehen und ein eckiges Lenkrad sowie eine Steer-by-wire-Lenkung einführen. Warum?
A. Favey: Die nächste Generation des 208 geht mit dem Hypersquare-Lenkrad und Steer-by-wire noch deutlich weiter. Das wird wieder eine Umstellung für die Kunden sein. Da bei Steer-by-wire die mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Rädern entfällt, lässt sich die Lenkübersetzung elektronisch variieren. Beim Rangieren sind dadurch deutlich kleinere Lenkradbewegungen nötig als bei einer konventionellen Lenkung. Das verändert das Fahrgefühl bei niedrigen wie bei hohen Geschwindigkeiten.
Sie haben aber recht: Ein solches System muss wirklich gut funktionieren. Wenn wir nur anders wären, um anders zu sein, hätte das keinen Wert. Wir entwickeln das System deshalb schon lange. Ich bin überzeugt, dass es bei der Einführung sehr gut funktionieren wird. Man wird vielleicht 15 Minuten benötigen, um sich daran zu gewöhnen. Danach wird man meiner Meinung nach nicht mehr zurückwollen. Ich glaube, dass diese Art zu lenken in 20 Jahren völlig normal sein wird.