Acht Jahre nach dem Grundstückskauf nimmt das neue Mehrmarkenautohaus der AVAG Holding in München-Pasing seinen Betrieb auf. Vorstandssprecher Roman Still versteht die Investition von mehr als 20 Millionen Euro als Bekenntnis zur Zukunft des stationären Autohandels. "Gerade in der heutigen Zeit ist so ein Autohaus auch ein Statement", betonte Still bei der Eröffnungsfeier in der Bodenseestraße 165 am Donnerstagabend. Das Projekt stehe für das Vertrauen in das eigene Geschäftsmodell, in die beteiligten Hersteller und in die Mitarbeiter.
Vertreter aus Industrie und Politik werteten den neuen AVAG-Standort in München-Pasing übereinstimmend als starkes Signal für die Zukunft des Automobilhandels. Christoph Herr von Ford bezeichnete die Investition von mehr als 20 Millionen Euro als Ausdruck von "Weitblick, Mut und Vertrauen" und verwies darauf, dass dort erstmals das neue Ford-Markenkonzept umgesetzt werde. Tobias Donnevert von Hyundai sprach von einem klaren Bekenntnis zum Automobilstandort Deutschland sowie zur Partnerschaft mit der AVAG und betonte die Bedeutung profitablen Wachstums. Peugeot-Deutschlandchef Vincent Rioux hob die Synergien des Mehrmarkenstandorts hervor, der Effizienz mit klaren Markenprofilen verbinde. Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt würdigte die Investition als Bekenntnis zum Standort Bayern und warb zugleich für mehr unternehmerische Freiheit bei der Entwicklung und Vermarktung von Fahrzeugen.
Drei Betriebe mit gemeinsamer Infrastruktur
An dem neuen Standort arbeiten drei rechtlich eigenständige Autohäuser mit den Marken Ford, Hyundai und Peugeot. Die Verantwortung tragen die Geschäftsführer Gerhard Böschl für das Autohaus Kuttendreier, Zoran Dreznjak für die Autoarena München sowie Christian Dietsch für das Autohaus Wickenhäuser. Sie übernähmen ein attraktives Gebäude, stünden damit aber zugleich vor einer großen Aufgabe, betonte Still. Denn die wirtschaftliche Erwartung ist klar: Die drei Betriebe müssen die Investition über Fahrzeugverkauf, Service und Kundenbindung erwirtschaften. Trotz gemeinsamer Infrastruktur bleiben sie eigenständige Unternehmen und vertreten unterschiedliche Marken. Die drei Autohäuser müssten den Standort künftig "miteinander, füreinander und manchmal auch gegeneinander" zum Erfolg führen, so der AVAG-Chef.
Für Planung, Architektur, Bauleitung und Tragwerksplanung zeichnete die Papadopoulos Associates GmbH verantwortlich, die Fachplanung der Haustechnik übernahm WBH – Ingenieure für technische Ausrüstung mbH. Bei der Umsetzung wurden gezielt auch regionale Partner eingebunden.
Das Konzept kombiniert markenspezifische Verkaufs- und Servicebereiche mit gemeinsam genutzten Strukturen. Im Erdgeschoss liegen die Ausstellungsräume der drei Marken. Hinzu kommen ein markenneutrales Kundenzentrum und drei separat gekennzeichnete Direktannahmen. Die Werkstatt befindet sich im Obergeschoss und ist über das Parkdeck erreichbar. Zur weiteren Ausstattung gehören ein Ersatzteillager mit Aufzug, eine Waschanlage im Obergeschoss, interne Flächen im Untergeschoss, eine Fahrzeugaufbereitung im Untergeschoss mit weiterer Waschanlage sowie ein Parkdeck und eine Tiefgarage. Die Anordnung der Funktionsbereiche soll insbesondere dafür sorgen, dass der Kundenbereich im Erdgeschoss weitgehend von den internen Serviceprozessen entlastet wird.
Neues AVAG-Mehrmarkenautohaus in München
13.500 Quadratmeter Nutzfläche
Das Grundstück umfasst gut 8.600 Quadratmeter. Mehr als 1.200 Quadratmeter Showroomfläche stehen für die drei räumlich voneinander getrennten Markenwelten von Hyundai, Ford und Peugeot zur Verfügung. Herzstück des Servicebereichs ist die rund 1.400 Quadratmeter große gemeinsame Werkstatt im Obergeschoss mit bis zu 20 Hebebühnen. Hinzu kommen ein knapp 3.500 Quadratmeter großes Parkdeck für Parkplätze und Gebrauchtwagen sowie rund 1.500 Quadratmeter im Untergeschoss. Ein modernes Kundendienstzentrum erstreckt sich über weitere rund 200 Quadratmeter. Das Gebäude ist für bis zu 100 Beschäftigte ausgelegt und bietet damit weiteres Entwicklungspotenzial.
Zur technischen Infrastruktur des Gebäudes gehört eine eigene Trafostation mit einer Leistung von 500 kW. Die Wärmeversorgung erfolgt über Fernwärme. Auf dem Gebäude wurde außerdem eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 100 kWp installiert. Damit verbindet die AVAG die Energieversorgung des Standorts mit den Anforderungen, die sich aus dem wachsenden Anteil elektrischer Fahrzeuge ergeben. Je nach Marke erreiche der Anteil von Elektrofahrzeugen an den Verkäufen inzwischen zwischen 25 und 40 Prozent, berichtete Still. Für das Laden der Fahrzeuge stehen deshalb 40 AC-Ladepunkte und vier DC-Schnellladepunkte bereit. Ein Teil davon befindet sich in der Werkstatt, damit elektrische Fahrzeuge auch während der Diagnose, Wartung und Reparatur geladen werden können.
Fokus auf das Geschäft im Münchner Westen
"Wir haben wirklich sehr gute Rahmenbedingungen geschaffen", erklärte Still. Jetzt komme es darauf an, auf dieser Basis ein tragfähiges Geschäftsmodell zu betreiben. Denn die Architektur allein entscheide nicht über den Erfolg des Standorts. Maßgeblich seien dauerhaft ausreichende Verkaufszahlen, eine leistungsfähige Werkstatt und eine enge Bindung der Kunden an die drei Betriebe.
Im Mittelpunkt steht das von Still als "Kirchturmgeschäft" bezeichnete Geschäft mit privaten Kunden aus dem Münchner Westen. Pro Jahr sollen an dem Standort 1.200 Neuwagen und rund 800 Gebrauchtwagenverkäufe verkauft werden. Neben dem Fahrzeugverkauf kommt dem Service eine zentrale Rolle zu. Vorgesehen ist eine Werkstattmannschaft von 20 Mechatronikern. "Wir sind keine reine Handelsbranche, wir sind auch eine Handwerksbranche", sagte Still. Ein leistungsfähiger technischer Kundendienst sei deshalb entscheidend, um Kunden langfristig an die Betriebe zu binden.