46.525 Euro (brutto). Autsch. Die Elektro-Kleinwagen im Volkswagen-Konzern sollen antreten, um die E-Mobilität zu demokratisieren. Was fast jeder Hersteller im Dunstkreis zwischen Dacia und Cupra immer wieder mantraartig erwähnt, wirkt beim Cupra Raval etwas verwirrend. Für 46.000 Euro gibt es auch Autos ganz anderer Segmente.
Okay, wir rudern etwas zurück. Der Cupra Raval soll ab September auch für 26.000 Euro zu haben sein. Mit kleinem 37-kWh-LFP-Akku, 115 PS Leistung und wenig Ausstattung. Laut Cupra Deutschland könnte dieser zum Bestseller werden.
Cupra Raval VZ (52 kWh)
Der Cupra Raval ist kein klassischer Kleinwagen
An dem Begriff Kleinwagen sollte man sich als Interessent eines Cupra Raval nicht festbeißen. Auch nicht an dessen Kleinwagenabmessungen. Mit 4,05 Metern gehört er zweifelsohne ins entsprechend benannte Segment. Mit gut 1,78 Metern Breite und mehr als 1,50 Metern Höhe übertrifft er das und hat sehr ähnliche Abmessungen wie ein Opel Mokka GSE.
Das „SUVige“ hat Cupra versucht, dem Raval auszutreiben. Das Vorhaben kann als gelungen durchgehen. Cupra-typisch sieht auch der Raval nach Remmidemmi aus. Fetter Diffusor und ebensolcher Dachspoiler am Heck – beides Feinde aller Waschstraßenbetreiber, denn sauber wird der Raval am Heck wohl nie wieder (ohne Handarbeit). Zurückhaltung ist halt nicht das Metier der Spanier, die den Modellnamen einem runtergekommenen, aber angeblich coolen Stadtteil in Barcelona entliehen haben. Raval als Stadtteil gefällt sicherlich auch nicht jedem.
Supergeräumig: der Cupra Raval
Spätestens beim Einsteigen könnte sich die Stimmung erhellen. Nachdem man an den unsäglichen Ausfahr-Türgriffen gezogen hat und drinsitzt. Kleinwagen? Pah, definitiv nicht. Der Cupra Raval ist überaus ordentlich gemacht. Hier und da sind noch ein paar scharfe Kanten zu entdecken und das Kunstleder des Fahrersitzes schlägt bereits Wellen, vom Popo verursacht. Das schieben wir auf die Vorserie (Marktstart ist ab Juli). Die Farbkombination (innen und außen) der gefahrenen VZ-Version gibt es derzeit in Deutschland auch noch nicht. Bei uns ist bei der Topversion VZ vorerst alles "angegrünt" und innen "bestofft" – Kupfer ist over.
Wenn man den Raval mit dem Cupra Tavascan vergleicht, fühlt sich der kleinste E-Cupra eine Spur hochwertiger an. Hinten fehlen zwar die Dachhaltegriffe und die Schenkelauflage vorn ist (traditionell bei Cupra) nicht ausziehbar. Aber: Man fühlt sich sehr wohl in den "Supersport-Schalensitzen"“, hat einen weichen Knieabschluss an der Mittelkonsole, zieht an einem vernünftigen Türgriff (zumindest innen), den jeder als solchen identifiziert, und drückt als Fahrer auf vier Fensterheber. Das Kombiinstrument informiert über die meisten Infos gut. Warum die Temposchildanzeige so ultraklein ist, sollte allerdings hinterfragt werden. Sind gerade 60 oder 80 erlaubt? Wurscht, der Kleene ist eh immer zu schnell.
Davon bekommt man jedoch kaum etwas mit. Die Sitze zentrieren einen mittig, egal, wie hoch die Querbeschleunigung ist. Die Sitzposition fühlt sich an wie im Sportwagen und beim Fahren spielt das Adaptivfahrwerk (nicht in der Basis) in einer anderen Liga als so ziemlich jeder andere Kleinwagen bislang. Wer Sport will, zieht den Regler des DCC nach rechts, wer Komfort mag, nach links – und bekommt diesen mit fein ansprechenden Fahrwerkselementen. Die Progressivlenkung reduziert die Lenkarbeit und vermittelt einen tollen Kontakt zur Fahrbahn, trotz Vorderradantrieb. Beim Herausbeschleunigen aus Kurven sucht das innere Rad schon mal nach Traktion. Auch bei der E-Mobilität lässt sich nicht zaubern – eine echte Differenzialsperre, wie im Mokka GSE täte gut.
Obwohl die Vordersitze echt platzeinnehmend konstruiert sind, bleibt hinten Knieraum, so dass auch 1,85-Meter-Menschen mitfahren können, wenn vorn identisches Maß Platz genommen hat. Das Schöne: In den Kofferraum passen noch immer mehr als 440 Liter. Möglich macht das der Frontmotor, der Platz im Unterboden des Hecks lässt – ähnlich wie beim Ford Puma. Wer umklappt, erntet mehr Raum. Eine Literzahl gibt es dafür bislang nicht. So wird aus einem kurzen Fahrzeug ein echter Erstwagen, der auch für die Reise taugen könnte.