Cupra Raval VZ Edition Extreme: Remmidemmi

12.05.2026 09:40 Uhr | Lesezeit: 3 min
Der kleine Cupra Raval wiegt mit seinem 52-kWh-Akku rund 1,6 Tonnen. Beim Fahren fühlt er sich superleicht und souverän zugleich an.
© Foto: Michael Blumenstein/Autoflotte

Cupra ist Erster. Beim Thema E-Kleinwagen im Volkswagen-Konzern. Mit dem Cupra Raval wollen die Spanier in die City. Es gibt jedoch einen starken Gegner im eigenen Haus.

46.525 Euro (brutto). Autsch. Die Elektro-Kleinwagen im Volkswagen-Konzern sollen antreten, um die E-Mobilität zu demokratisieren. Was fast jeder Hersteller im Dunstkreis zwischen Dacia und Cupra immer wieder mantraartig erwähnt, wirkt beim Cupra Raval etwas verwirrend. Für 46.000 Euro gibt es auch Autos ganz anderer Segmente.

Okay, wir rudern etwas zurück. Der Cupra Raval soll ab September auch für 26.000 Euro zu haben sein. Mit kleinem 37-kWh-LFP-Akku, 115 PS Leistung und wenig Ausstattung. Laut Cupra Deutschland könnte dieser zum Bestseller werden.


Cupra Raval VZ (52 kWh)

Cupra Raval stehend von vorn auf einer leeren Straßen in Spanien fotografiert Bildergalerie

Der Cupra Raval ist kein klassischer Kleinwagen

An dem Begriff Kleinwagen sollte man sich als Interessent eines Cupra Raval nicht festbeißen. Auch nicht an dessen Kleinwagenabmessungen. Mit 4,05 Metern gehört er zweifelsohne ins entsprechend benannte Segment. Mit gut 1,78 Metern Breite und mehr als 1,50 Metern Höhe übertrifft er das und hat sehr ähnliche Abmessungen wie ein Opel Mokka GSE.

Das „SUVige“ hat Cupra versucht, dem Raval auszutreiben. Das Vorhaben kann als gelungen durchgehen. Cupra-typisch sieht auch der Raval nach Remmidemmi aus. Fetter Diffusor und ebensolcher Dachspoiler am Heck – beides Feinde aller Waschstraßenbetreiber, denn sauber wird der Raval am Heck wohl nie wieder (ohne Handarbeit). Zurückhaltung ist halt nicht das Metier der Spanier, die den Modellnamen einem runtergekommenen, aber angeblich coolen Stadtteil in Barcelona entliehen haben. Raval als Stadtteil gefällt sicherlich auch nicht jedem.

Supergeräumig: der Cupra Raval

Spätestens beim Einsteigen könnte sich die Stimmung erhellen. Nachdem man an den unsäglichen Ausfahr-Türgriffen gezogen hat und drinsitzt. Kleinwagen? Pah, definitiv nicht. Der Cupra Raval ist überaus ordentlich gemacht. Hier und da sind noch ein paar scharfe Kanten zu entdecken und das Kunstleder des Fahrersitzes schlägt bereits Wellen, vom Popo verursacht. Das schieben wir auf die Vorserie (Marktstart ist ab Juli). Die Farbkombination (innen und außen) der gefahrenen  VZ-Version gibt es derzeit in Deutschland auch noch nicht. Bei uns ist bei der Topversion VZ vorerst alles "angegrünt" und innen "bestofft" – Kupfer ist over.

Wenn man den Raval mit dem Cupra Tavascan vergleicht, fühlt sich der kleinste E-Cupra eine Spur hochwertiger an. Hinten fehlen zwar die Dachhaltegriffe und die Schenkelauflage vorn ist (traditionell bei Cupra) nicht ausziehbar. Aber: Man fühlt sich sehr wohl in den "Supersport-Schalensitzen"“, hat einen weichen Knieabschluss an der Mittelkonsole, zieht an einem vernünftigen Türgriff (zumindest innen), den jeder als solchen identifiziert, und drückt als Fahrer auf vier Fensterheber. Das Kombiinstrument informiert über die meisten Infos gut. Warum die Temposchildanzeige so ultraklein ist, sollte allerdings hinterfragt werden. Sind gerade 60 oder 80 erlaubt? Wurscht, der Kleene ist eh immer zu schnell.

Davon bekommt man jedoch kaum etwas mit. Die Sitze zentrieren einen mittig, egal, wie hoch die Querbeschleunigung ist. Die Sitzposition fühlt sich an wie im Sportwagen und beim Fahren spielt das Adaptivfahrwerk (nicht in der Basis) in einer anderen Liga als so ziemlich jeder andere Kleinwagen bislang. Wer Sport will, zieht den Regler des DCC nach rechts, wer Komfort mag, nach links – und bekommt diesen mit fein ansprechenden Fahrwerkselementen. Die Progressivlenkung reduziert die Lenkarbeit und vermittelt einen tollen Kontakt zur Fahrbahn, trotz Vorderradantrieb. Beim Herausbeschleunigen aus Kurven sucht das innere Rad schon mal nach Traktion. Auch bei der E-Mobilität lässt sich nicht zaubern – eine echte Differenzialsperre, wie im Mokka GSE täte gut.

Obwohl die Vordersitze echt platzeinnehmend konstruiert sind, bleibt hinten Knieraum, so dass auch 1,85-Meter-Menschen mitfahren können, wenn vorn identisches Maß Platz genommen hat. Das Schöne: In den Kofferraum passen noch immer mehr als 440 Liter. Möglich macht das der Frontmotor, der Platz im Unterboden des Hecks lässt – ähnlich wie beim Ford Puma. Wer umklappt, erntet mehr Raum. Eine Literzahl gibt es dafür bislang nicht. So wird aus einem kurzen Fahrzeug ein echter Erstwagen, der auch für die Reise taugen könnte.


Cupra Raval VZ (52 kWh)

Preis: ab 46.525 € (brutto)
PSM-E-Motor | Vorderradantrieb
155 kW/211 PS | 290 Nm | 6,8 s | 175 km/h
WLTP: 18,5 kWh | Reichweite: 336 km
Akku: 54 kWh (brutto) | 52 kWh (netto)
Laden: AC 11 kW | DC 105 kW
Maße: 4.046 x 1.784 x 1.514 mm
Kofferraum: 441 Liter
Versicherung: HK 14 | TK 19 | VK 16
Wartung: 2 Jahre/30.000 km
Garantie: 5 Jahre/150.000 km
Akku: 8 Jahre/160.000 km

 



Bis zu 52 kWh beim Cupra Raval

Mit den nutzbaren 52 kWh des „großen“ Akkus ist das nicht nur in der Theorie machbar. 380 Kilometer soll der Cupra Raval als sportliche Speerspitze VZ schaffen. Bei unseren ersten 200 Kilometern rund um Raval, also Barcelona, haben wir laut Bordcomputer zwischen 14,2 innerstädtisch und 17,2 kWh im Umland verbraucht. Das sind keine Spitzenwerte, aber okay, und 280 Kilometer sollten bei milden Temperaturen auch in Deutschland auf der Rennstrecke, nein, Autobahn, machbar sein.

Die Fahrleistungen des 226-PS-Modells sind über jeden Zweifel erhaben. Wenngleich einem der Topspeed von 175 km/h bei einem Cupra (kommt von Cup Racing) doch etwas wenig anmutet. Steht kein VZ am Heck, endet die Fahrt bei 160 km/h. Immerhin sprintet der Zwerg in unter sieben Sekunden aufs Landstraßentempo. Das ist flott. Knapp 300 Newtonmeter Drehmoment geben ihr Zutun, um knackig kurze Überholmanöver zu realisieren. Die kurzen Abmessungen ermöglichen das entspannte "Reinpressen" in die Lücke.

Dass beim Kickdown in den Fahrmodi Normal, Performance und Cupra stets ein schauerlicher Sound erzeugt wird, kann man nur mildern, indem man im Fahrmodus "Individual" die Parameter "richtig" verschiebt oder im "Range-Mode" fährt. Letzteres ist ein Spaß. Wer den Range-Modus sucht, sollte bitte direkt auf den Skoda Epiq warten. Denn Cupra ist Remmidemmi, und das eben auch beim Preis.

Foto vom Armaturenbrett während der fahrt mit Händen am Steuer
Der Cupra Raval hat von den Versicherungen eine echt gute Einstufung bekommen (siehe  Technische-Daten-Kasten). Und fünf Jahre Garantie schenken zudem Vertrauen.
© Foto: Michael Blumenstein

Der Preis des Cupra Raval ist hoch

Denn mit seinen 46.000 Euro ist die VZ-Version exakt auf Augenhöhe mit dem großen Bruder Cupra Born. Der hat zwar nicht die phänomenalen Schalensitze, dafür einen 79-kWh-Akku, 231 PS, Heckantrieb inklusive Mini-Wendekreis und eine sehr ähnliche Ausstattung.

Wer das Geld nicht mit vollen Händen raushauen will, sollte eher den Raval Endurance Edition Dynamic (ja, auch das Aussprechen des Modellnamens verlangt Ausdauer) wählen. 211 PS, 52er-Akku, solide Ausstattung, keine Optionen (bislang möglich) für 37.250 Euro. Jedoch gibt es auch da einen preislich "passenden" Born. Also noch etwas länger warten und auch der Cupra Raval ist "frei" konfigurierbar – zu welchen Preisen werden wir dann sehen.

Aus der Perspektive wird das Gros der Zulassungen vermutlich wirklich auf die kleinen Varianten mit 115 und 135 PS sowie 37er-Akku entfallen. Als Zweitwagen, vornehmlich in der City eingesetzt, stört auch die beschauliche Ladeleistung am DC-Lader von 50 respektive 85 kW kaum. Da zählt dann eher der Preis und die 30 Zentimeter weniger Automobil (Parkplatzvielfalt) ohne große Abstriche beim Innenraumangebot. 5 Jahre Garantie gibt’s logischerweise auch beim Raval. Was also spricht gegen eine solche Leasingdauer?


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