DS Automobiles, die Edel-Tochter von Citroën, sieht sich als eigenständige Alternative zu den etablierten Premiummarken. Während der DS 7 bislang das Rückgrat des Geschäfts bildete, soll die neue Generation mit N°8, N°4 und N°7 für zusätzliche Dynamik sorgen. Dabei steht DS vor einer doppelten Herausforderung: Die Marke muss ihre französische Identität und ihren Anspruch auf Komfort und Design stärker ins Bewusstsein der deutschen Kunden bringen und gleichzeitig mit den etablierten Premiumherstellern konkurrieren.
Zudem steht sie in Europa und zuletzt auch auf dem Heimatmarkt unter enormen Druck. Anlass genug, mit dem neuen Deutschland Geschäftsführer Thomas Goldboom über die Zukunft von DS, die künftige Modellstrategie und die technologische Ausrichtung der französischen Premiummarke zu sprechen.
Herr Goldboom, DS hat in Deutschland zuletzt zugelegt, bleibt aber eine vergleichsweise kleine Premiummarke. Wie zufrieden sind Sie mit dem Deutschlandgeschäft?
Thomas Goldboom: Ich übernehme DS an einem strategisch wichtigen Punkt. Wir haben ein sehr junges und attraktives Produktportfolio, gleichzeitig liegt noch viel Arbeit vor uns. Dabei hilft uns auch das gemeinsame Management von DS Automobiles und Citroën in Deutschland. Das ist keine Zusammenlegung der Marken. Citroën und DS haben unterschiedliche Aufgaben, Kunden und Identitäten – und das soll auch so bleiben. Wir können Kompetenzen bündeln, Know-how teilen und bei DS vor allem von den Möglichkeiten im Händlernetz profitieren.
DS No.7 (2026)
Welche Kunden möchte DS künftig stärker erreichen, wo sehen Sie Wachstumspotentiale? Geht es vor allem darum, den Anteil der Privatkunden zu erhöhen, oder sehen Sie insbesondere Chancen bei Gewerbekunden und Flotten?
T. Goldboom: Wir wollen Menschen erreichen, die sich individuell ausdrücken möchten und Wert auf Komfort und hochwertige Materialien legen. Für diese Kunden ist ein Auto nicht in erster Linie ein Statussymbol. Es geht um das eigene Erlebnis, um Wohlbefinden und darum, sich selbst etwas Besonderes zu gönnen.
Das größte Potenzial sehen wir bei Gewerbekunden und den sogenannten User-Choosern. N°7 und N°8 sind dafür sehr starke Produkte. Beide bieten wir vollelektrisch an – gerade für Geschäftskunden ist das mit Blick auf die laufenden Kosten und die steuerlichen Rahmenbedingungen ideal. Was uns Geschäftskunden außerdem zurückspiegeln, ist die Wirkung der Marke. Ein DS ist ein Fahrzeug, mit dem man bei einem Kunden einen guten ersten Eindruck hinterlassen kann.
DS positioniert sich technisch zwischen Elektromobilität, Hybridantrieben, Software und besonderem Komfort. Welche technologische Ausrichtung verfolgt die Marke langfristig – und welche Technologien sollen DS im Premiumsegment künftig differenzieren?
T. Goldboom: Technologie ist für uns kein Selbstzweck. Sie muss das Reisen angenehmer machen. Der Komfort steht bei DS immer im Mittelpunkt. Ein gutes Beispiel dafür ist die kamerabasierte Federung. Eine Kamera hinter der Windschutzscheibe erfasst die Fahrbahn vor dem Fahrzeug und passt die Dämpfer vorausschauend an. Das Ziel ist das gleiche wie bei der DS von 1955 – nur die Technologie dahinter ist eine völlig andere: Damals war es die Hydropneumatik, heute ist es eine hochentwickelte kamerabasierte Fahrwerkstechnologie.
Unser Markenclaim lautet "Travelling is an art" – Reisen ist eine Kunst. Komfort bedeutet für uns deshalb nicht nur ein gutes Fahrwerk. Auch das Infrarot-System „DS Night Vision“ für sicheres Fahren bei Dunkelheit oder die serienmäßige Integration von ChatGPT gehören für mich dazu. Am Ende geht es immer um die gleiche Frage: Macht die Technologie die Reise besser? Wenn ja, gehört sie zu DS.
Trotz steigender Zulassungen in Deutschland steht DS in Europa unter Druck. Vor allem auch auf dem Heimatmarkt. Wie bewerten Sie diese Entwicklung, und was bedeutet sie für die Zukunft von DS, auch in Hinblick auf den deutschen Markt?
T. Goldboom: Wir streben bei DS den gleichen Turnaround-Spirit an, den wir bei Citroën erfolgreich umgesetzt haben. Auch Citroën hatte Marktanteile verloren und mit der neuen Modellpalette wieder deutlich gewonnen. Genau das wollen wir jetzt auch mit DS erreichen. Dabei setzen wir insbesondere auf das Citroën-Händlernetz: Die Händler, die die Erfolgsgeschichte von Citroën mitgeschrieben haben, sollen auch Teil der Erfolgsgeschichte von DS werden.
Unser Ziel ist deshalb klar: Jeder Citroën-Händler soll sich intensiv mit DS und den Chancen der Marke auseinandersetzen. Wenn es uns gelingt, einen großen Teil unserer Citroën-Händler von den Vorteilen und dem Potenzial von DS zu überzeugen, bin ich überzeugt, dass wir auch bei DS in Deutschland neue Höchststände bei den Zulassungen erreichen können.