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Hauptversammlung: AMS sichert sich Macht bei Osram

AMS ist zwar kleiner als Osram, aber deutlich profitabler als der kriselnde Münchner Leuchtmittelkonzern, der zuletzt tiefrote Zahlen vorgelegt hat.
© Foto: picture alliance /dpa/Peter Kneffel

Bei der außerordentlichen Hauptversammlung hat AMS seine Mehrheit am Münchner Lichtkonzern in konkrete Macht übersetzt. Von den Aktionären kam Kritik und eine Flut an Fragen.


Datum:
04.11.2020
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AMS hat die Macht bei Osram übernommen. Die außerordentliche Hauptversammlung des Münchner Traditionskonzerns stimmte am Dienstag dem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit dem österreichischen Sensorik-Experten zu. 99,8 Prozent des anwesenden Kapitals bestätigte den Vertrag, der es AMS ermöglicht, künftig weitgehend durchzuregieren, sobald er im Handelsregister eingetragen ist.

Die Zustimmung hatte angesichts der AMS-Mehrheit an Osram als sicher gegolten, ging aber deutlich über den Anteil der Österreicher hinaus. Von Aktionären und ihren Vertretern kamen allerdings zahlreiche Fragen – laut Osram-Aufsichtsratschef Peter Bauer insgesamt 151 – und teils deutliche Kritik. "Heute ist ein trauriger Tag für die Osram-Aktionäre", kommentierte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Der Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag sei für Osram der erste Schritt in eine vollständige Abhängigkeit von AMS, sagte sie. Das sei "ein Jammer".

Kritik kam zudem an der Form der Hauptversammlung als Online-Veranstaltung. Mehrere Aktionäre monierten, dass sie während der Versammlung keine neuen Fragen stellen konnten. Aufsichtsratschef Bauer begründete dies mit der Corona-Pandemie und der Rechtslage.

Die meisten Fragen beschäftigten sich mit Details der Wertermittlung von Osram. Auf deren Basis muss AMS den anderen Aktionären ein Angebot für ihre Anteile machen. Nach einer kleinen Erhöhung aus technischen Gründen am Montag liegt es bei 45,54 Euro und damit deutlich über den 41 Euro, die AMS im Übernahmeangebot Ende vergangenen Jahres offeriert hatte. Damals hatte sich AMS nach einem langen Übernahmekrimi im zweiten Anlauf durchgesetzt. Ein erstes Angebot im Herbst war noch gescheitert.

AMS ist zwar kleiner als Osram, aber deutlich profitabler als der kriselnde Münchner Leuchtmittelkonzern, der zuletzt tiefrote Zahlen vorgelegt hat. Im September hatte Osram allerdings von einer Erholung im Sommer berichtet und die Prognose für das laufende Jahr angehoben. Auch diese geht allerdings von sinkenden Umsätzen aus. Die Zahlen für das komplette Geschäftsjahr wird Osram am Freitag vorlegen.

"Neue Zeitrechnung" für Traditionsunternehmen

Osram-Chef Olaf Berlien hatte für den Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit AMS geworben. Mit ihm breche eine "neue Zeitrechnung" für Osram an, sagte er. "Und ich bin überzeugt, eine sehr erfolgreiche." Der Schritt sei kein Bruch mit der "stolzen, 113-jährigen Geschichte" des Unternehmens. Gemeinsam könnten AMS und Osram "der Weltmarktführer für Sensorik und Photonik werden. Und so künftig in einer anderen Liga spielen."

Neben der Weisungsbefugnis gegenüber Osram enthält der Vertrag auch, dass Osrams Gewinne künftig an AMS abgeführt werden – dafür muss der österreichische Konzern im Gegenzug etwaige Verluste der Münchner übernehmen. (dpa)

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