Moderne Assistenzsysteme in Lastwagen könnten viele schwere Unfälle mit Fußgängern, Rad- und Motorradfahrern verhindern oder ihre Folgen mildern. In welch hohem Maße, zeigt nun eine Analyse von Dekra, Daimler Truck und der TU Dresden. Untersucht wurden 75 schwere Unfälle aus den Jahren 2015 bis 2024, an denen jeweils ein Lkw sowie ein Fußgänger, Rad- oder Motorradfahrer beteiligt waren. In allen Fällen gab es mindestens einen Schwerverletzten oder Toten.
Besonders groß ist das ermittelte Schutzpotenzial der Untersuchung zufolge bei Fußgängern. Eine gute direkte Sicht aus dem Lkw hätte nach Einschätzung der Unfallforscher in 93 Prozent der untersuchten Fälle die Unfallfolgen mindern können. Bei Anfahr-Warnsystemen lag der Anteil bei 94 Prozent. Notbremsassistenten zeigten bei allen betrachteten Fußgängerunfällen ein Potenzial zur Vermeidung oder Abmilderung. Auch Rundumsichtsysteme sowie passive Einrichtungen wie Rad- und Unterfahrschutz können helfen.
Bei Unfällen mit Radfahrern ermittelten die Forscher für eine gute direkte Sicht in 80 Prozent der Fälle ein Schutzpotenzial, für Notbremsassistenten in 81 Prozent. Seitliche Schutzsysteme können zudem verhindern, dass Radfahrer nach einer Kollision unter den Lkw geraten. Bei Motorradunfällen erwiesen sich vor allem Totwinkel-Informationssysteme als relevant: In 83 Prozent der untersuchten Fälle hätten sie nach Einschätzung der Forscher schwere oder tödliche Verletzungen vermeiden helfen können.