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Marktschwäche: Autofahrer sparen bei Reifen

06.08.2013 09:00 Uhr
Reifenwechsel Service Werkstattmitarbeiter
Schieben die Autofahrer hierzulande den Kauf neuer Reifen auf die lange Bank?
© Foto: Nigel Treblin / ddp

Schieben die Autofahrer hierzulande den Kauf neuer Reifen auf die lange Bank? Branchenriese Continental moniert genau das. Dahinter könnte sogar ein allgemeiner Trend zum Sparen beim Auto stecken.

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Leichtathleten gehen bekanntlich nicht in Pantoffeln an den Start. Und auch die Bedeutung guter Autobereifung dürfte eigentlich bekannt sein. Da lässt es aufhorchen, dass jüngst offensichtlich ausgerechnet die Autonation Deutschland bei den Pneus spart. Einschätzungen aus der Branche stützen ein Bild, wonach immer mehr Autofahrer hierzulande mit immer mieseren Reifen unterwegs sind. Droht der stolzen Autonation ein schleichender Profilverlust?

Genau das beobachtet Deutschlands Branchenprimus Continental. Nach einem eher schwachen Auftaktquartal 2013 klagte Finanzchef Wolfgang Schäfer, viele Autofahrer in Deutschland und ganz Europa schöben den Kauf neuer Reifen auf die lange Bank: "Wir haben es in den letzten Dekaden eigentlich nie erlebt, dass mehr als sechs Quartale in Folge sich eine solche Schwächeperiode im Reifenersatzgeschäft zeigt."

Damals, Anfang Mai, war Manager Schäfer noch zuversichtlich, dass der Nachholeffekt zügig zum Sommer sichtbar werde. Doch zur Halbzeit nach dem zweiten Quartal musste er berichten, dass das vorausgesagte Tempo so nicht eintrat. "Wir sehen schon, dass die Reifenersatzmärkte sich verbessern. Was wir aber etwas weniger sehen als vorher ist, dass wir einen sehr starken Anstieg im zweiten Halbjahr kriegen."

Winterreifen auch im Sommer

In der Branche wird die Entwicklung mit Sorge beobachtet. "Zahlreiche Verbraucher fahren anders als vorher ihre Winterreifen auch im Sommer durch", sagt Peter Hülzer, Chef im Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV). "Ganz offensichtlich, weil sie die Umrüstkosten scheuen." Hülzer beruft sich auf Meldungen, wonach eingelagerte Sommerräder öfter als früher nicht für das Umrüsten abgeholt werden. Ein Sockel von zehn Prozent sei in den Vorjahren nicht ungewöhnlich gewesen.

"Nun sind wir bei 20 Prozent, jeder Fünfte lässt sie also liegen", sagt Hülzer, dessen Fachverband nach eigenen Angaben rund 80 Prozent des bundesweiten Reifengewerbes vertritt. Perspektivisch ist der Verbandschef aber zuversichtlich und glaubt an einen Schub: "Es gibt eine Kaufzurückhaltung, aber ich habe den Eindruck, es bessert sich."

"Bis zur letzten Rille"

Doch auch die Experten an der Werkstattfront sehen das Problem. "Es wird gefahren bis zur letzten Rille", berichtet Hans-Georg Marmit von der Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation KÜS, die freiberufliche Kfz-Sachverständige organisiert. Komplett Neuland sei das aber nicht. "Die Reifen werden nach wie vor stiefmütterlich behandelt."

Allerdings sei die Zurückhaltung bei dem wichtigen Ersatzteil inzwischen Teil eines generellen Trends, wonach Deutschlands Fahrzeugpark - der Abwrackprämie zum Trotz - immer älter werde und die Besitzer zunehmend sparten. Laut Kraftfahrtbundesamt stieg das Durchschnittsalter zuletzt auf gut acht Jahre, ein neuer Spitzenwert seit der Wiedervereinigung. Laut einer KÜS-Studie wächst das Kostenbewusstsein. Demnach plant mehr als jeder fünfte Autofahrer 2013 Einsparungen rund ums Auto, ein merklicher Anstieg.

Gefahr ab vier Millimetern Profiltiefe

Rein gesetzlich dürfen Reifen nicht weniger als 1,6 Millimeter Profiltiefe haben. ADAC-Tests zeigten, dass es bei Winterreifen schon bei vier Millimetern und bei Sommerreifen zwischen zwei bis 2,5 Millimetern kritisch wird. Um die Bedeutung der Reifen zu erklären, bemühen Experten oft ein Bild: Je nach Tempo und Straßenlage schwankt die Auflagefläche, mit der die vier Reifen den wichtigen Kontakt zur Fahrbahn halten, zwischen vier Postkarten und vier Bierdeckeln.

Statistische Fakten zur Profiltiefe der Nation fehlen dagegen. TÜV-Nord-Sprecher Rainer Camen berichtet, dass lediglich das Verwehren der Prüfplakette wegen Reifenmängeln erfasst werde. Bei einer bedrohlich geringen Profiltiefe gebe es nur einen statistisch nicht erfassten Hinweis an die Autofahrer. Auch dem Prüfkonzern Dekra liegen Statistiken zu Reifenalter oder Profiltiefen nicht vor. (dpa)

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KOMMENTARE

metz

06.08.2013 - 11:03 Uhr

nicht nur bei Reifen ist es so generell wird geschoben Ein jährlicher TÜV ist mehr als zwingend


metz

06.08.2013 - 11:22 Uhr

was nützten 20 airbags esp asr techn. schnik schnakwenn gepockert wird Spurstangen ausgeschlagen Reifen abgefahren etc.Keine Entschuldigung würde reichen um Unschuldige die sterben musstenwegen solcher in Kauf genommenen Mängel .Deshalb alle Nassauer jährlich zum TÜV


m. kummer

06.08.2013 - 11:59 Uhr

@ metzgenau! und die tüv-gebühren dabei gleich noch verdoppeln. wer sich kein neues auto mit dem ganzen schnickschnack leisten kann, sollte auch einfach kein auto fahren. das ist man sich und den anderen einfach schuldig. die zeiten wo autos keine 14 airbags, asr, müdigkeitsassistent, abstandssensoren und abbiegelicht hatten und nur deswegen fast jeder zweite autofahrer starb, sind glücklicherweise vorbei.


Michael Kühn

06.08.2013 - 12:23 Uhr

...Hat schon jemand der vorherigen Kommentatoren in Betracht gezogen, dass auch das Fahrverhalten = weniger Km eine Rolle spielen könnte ???Ich fahre z.Zt. noch auf Winterreifen mit 5,5 mm Profil, meine Sommerreifen haben zwar auch noch 4-5 mm Profil, sind aber 10 Jahre alt.Meine WR werde ich zum Winter ersetzen müssen... -nicht wegen dem Profil, sondern wegen des Alters- (würden ab Dez. ins 8. Jahr gehen...) Daher ist es nun der 2. Sommer mit Winterreifen...---- In einem Punkt muß ich dem o.g. Bericht jedoch zustimmen: "stiefmütterliche Aufmerksamkeit" gegenüber dem "Schuhwerk der Fzg. ist auch heute noch ein Thema; z.B. richtiger Reifendruck..., dann ist es auch kein Wunder, dass man eine verletzte Flanke od. abgefahrenes Profil eben nicht bemerken kann.


dlin

06.08.2013 - 13:56 Uhr

Mein Kommentar hierzu: zum Autofahren gehört mehr dazu als nur " waschen und volltanken" ......


burnyz

06.08.2013 - 16:57 Uhr

Bei vielen neueren Fahrzeugen sind auch bei kleineren Motoren vom Werk aus relativ große und somit teure Reifen montiert. Alles der sportlichen Optik wegen:). Da erntet man auch mal entsetzte Blicke der Kunden, wenn diese dann mal 180€ für einen Reifen blechen müssen, als früher mal 80€.


driftmachine

06.08.2013 - 18:34 Uhr

Das Wurzelproblem sind hier die Erbsenzähler bei Shell, BP, TOTAL etc. die das Maul nicht voll kriegen und die spritpreise chronisch erhöhen ohne jegliche gründe. Wenn der liter super mal bei 1 € liegen würde, dann würde der Mittelstand auch mal wieder neue autos bzw. Hankook, Dunlop oder Pirelli kaufen. Damit wäre sogar hin und wieder mal eine Aufbereitung/ gutes Öl drin. Eine Win-Win Situation. Nur nicht mehr für die Ölbarone :) Also leute tankt bitte immer bei den freien Tankstellen somit machen wir die Fetten nicht fetter als sie sind....


Dieter M. Hölzel

06.08.2013 - 19:11 Uhr

Na wie wär´s denn Herr Metz, monatlich beim TÜV/DEKRA vorbei. Woher Siedie Bezeichnung Nassauer nehmen interessier hier eigentlich nicht.


Mike Hogan

06.08.2013 - 22:10 Uhr

Ein wichtiger Punkt, wie ich finde, ist die mangelnde Aufklärung seitens der Autohäuser.Es ist immer wieder zu beobachten, dass der Herr Serviceberater bzw. Teiledienstmitarbeiter nicht genügend (wenn überhaupt) auf den Kunden und dessen "Unbewusste" Ansprüche an einen Reifen eingeht.So ist es,nicht selten, dass man mitbekommt das dem Kunden ausdrücklich zum günstigen Reifen geraten wird, ohne das auch nur ansatzweise der Bedarf analysiert wurde.Vielleicht um "nervige" Fragen und Einwände zu umgehen?Genau dort müssen Kompetenz und vor allem Motivationslücken gefüllt werden!Dem Kunden muss nur klar gemacht werden, dass er genau an dieser Stelle entscheidet wieviel ihm sein Leben wert ist.Geißtige Brandstiftung eignet sich prima dazu........obwohl ich Autoverkäufer bin und somit sehr viel Zeit im Autohaus bzw. Autohäusern verbringe, habe ich nur ganz selten erlebt, dass Mitarbeiter im Service einen Hauch von Verkäuferischem Geschick besitzen.....Dieses Verkäuferische nicht zu schulen ist fatal.......Ist aber ein Thema was es nicht erst seit Gestern gibt...


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