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Nagelprobe Eisenach: Streit um Opel-Sanierung spitzt sich zu

Steht das Opel-Werk Eisenach gar auf der Kippe?
© Foto: Opel

Bei Opel geht es um die Jobs. Als erstes wird am Standort Eisenach klar, dass die Zukunftspläne von Management und Gewerkschaft sehr weit auseinanderliegen.


Datum:
18.04.2018
2 Kommentare

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Der Streit um den richtigen Sanierungsweg beim Autobauer Opel spitzt sich zu. IG Metall und Betriebsrat werfen der eigenen Geschäftsführung und dem neuen Mutterkonzern PSA offenen Tarifbruch vor und haben für den morgigen Donnerstagnachmittag zu Betriebsversammlungen an allen drei Standorten Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach aufgerufen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte PSA auf, bei der Übernahme gemachte Zusagen einzuhalten.

Das in den 1990er-Jahren gegründete Montagewerk in Thüringen scheint in dem Konflikt zur ersten Nagelprobe zu werden. Laut Gewerkschafts-Informationen plant Opel dort einen massiven Personalabbau. Die Belegschaft könnte von derzeit rund 1.800 auf nur noch knapp 1.000 Leute schrumpfen, wenn die bislang vorliegende Produktionsplanung umgesetzt werde, hieß es am Mittwoch in Kreisen der IG Metall. Opel kommentierte die Größenordnung zunächst nicht.

Unter der Führung des neuen Eigners PSA will Opel im thüringischen Werk mittelfristig nur noch einen Geländewagen montieren. Der Adam soll zunächst weiterlaufen, während der Corsa künftig ausschließlich in Spanien gebaut werde. Dem Vernehmen nach soll von drei auf zwei Schichten umgestellt werden. Die IG Metall beharrt aber darauf, dass PSA an frühere tarifliche Produktionszusagen des alten Eigentümers General Motors gebunden sei.

"PSA und die Geschäftsleitung nehmen billigend den Bruch von Tarifverträgen in Kauf. Nach monatelangen Verhandlungen liegen bis heute keine zufriedenstellenden Vorschläge für die gleichwertige Erfüllung der Produkt- und Projektzusagen aus den Tarifverträgen für die Entwicklung und die Werke auf dem Tisch", heißt es in der Einladung zu den Betriebsversammlungen.

PSA hat bislang versichert, die Opel-Sanierung ohne Entlassungen und Werkschließungen zu schaffen. Umfangreiche Abfindungsprogramme sollen die Belegschaft reduzieren, ohne dass bislang Zahlen zu Annahmequoten veröffentlicht worden wären. Investitionszusagen gab es bislang nur für Opel-Werke außerhalb Deutschlands, während hierzulande die Gespräche mit der IG Metall stocken. Die dringend anstehende Investitionsentscheidung für Eisenach wurde am Montag ausdrücklich auf Eis gelegt und weitere Lohnzugeständnisse verlangt.

Bundesregierung hilft

"Wir erwarten jetzt erst mal von dem Unternehmen, dass es all das, was es versprochen hat im Zusammenhang mit der Übernahme, auch einhält", sagte Merkel in Bad Schmiedeberg mit Blick auf PSA. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) führten deswegen Gespräche an Opel-Standorten. Zu den Ergebnissen der Gespräche könne sie noch nichts sagen, sagte die Kanzlerin. Die Bundesregierung sehe sich in der Pflicht, gemeinsam mit den Landesregierungen zu helfen.

Nach Auffassung des IG-Metall-Chefs Jörg Hofmann könnten alle von der Opel-Mutter PSA angestrebten Kostenziele für das Werk in Eisenach erreichbar werden – "und zwar ohne Eingriffe in bestehende Tarifverträge", sagte er der "Wirtschaftswoche". Bei dem aktuellen Streit um finanzielle Zugeständnisse der Arbeitnehmer habe er "den Eindruck, dass hier einfach ein Exempel statuiert werden soll, um die Opel-Belegschaften einzuschüchtern". Dabei sei dem Betriebsrat und der IG Metall bewusst, dass Produktivität und Effizienz Voraussetzung für den Erhalt eines Produktionswerkes seien. "Aber genau diesen Anspruch kann Eisenach erfüllen", meinte Hofmann.

Die IG Metall könne PSA ungewollt einen Vorwand liefern, doch noch die beiden Werke Eisenach und Kaiserslautern zu schließen, hatte der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer erklärt. Nur der Stammsitz Rüsselsheim sei wegen der dort sitzenden Entwicklung und der sehr modernen Produktion für PSA unverzichtbar. (dpa)

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KOMMENTARE


Mr. M

18.04.2018 - 21:57 Uhr

Wenn ich schon Dudenhöfer höre, in einem anderen Interview hat er behauptet, dass Opel nächstes Jahr kein Auto bringt. Es kommt aber der neue Corsa auf Psa Plattform und ein Astra Facelift. Nur weil man Titel hat, rechtfertigt dies nicht solche Falschaussagen. Opel hat mit die jüngste Modelpallette, ist aber anscheinend dem Herrn nicht aufgefallen, der Herr Autoexperte. Zu Psa, „was ist ein Wort noch wert ?“. Herr Lohscheller war selber mit im Vorstand als GM die Zusage für Eisenach gemacht hat, wahrscheinlich hat er als Finanzvorstand noch die Zahlen dafür aufbereitet. Ein Mann ein Wort sieht anders aus. Erst Sprüche klopfen „Opel wird seinen eigenen Plan machen und wieder zu Erfolg bringen“ und dann sowas, echt enttäuschend.


RoSchu

19.04.2018 - 10:44 Uhr

Dass PSA hart durchgreifen wird, war von Anfang an klar.Mich ärgert es, dass Opel als Konzern, die Standorte gegeneinander ausspielt.Spanien macht Zusagen, Corsa Produktion geht nach Spanien. Selbst wenn Opel noch GM gehören würde, glaube ich, dass auch GM Werke zur Disposition gestellt hätte.Das der Opel-Betriebsrat in Deutschland nicht kompromissbereit für Lösungen ist, ist unverständlich.Ich hoffe für die Eisenacher Belegschaft, dass Opel nicht rigoros das Werk schließen wird.


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