Neuer Jaguar Type 01: Revierwechsel für die Raubkatze

07.10.2026 13:12 Uhr | Lesezeit: 3 min
Jaguar Type 01 (2028) Bildergalerie
Aus dem Stand beschleunigt der Allradler in 3,2 Sekunden auf Tempo 100.
©Foto: Jaguar

Jaguar erfindet sich radikal neu: Der elektrische GT Type 01 wildert ab 2027 mit Allradantrieb und Top-Ausstattung im oberen Luxus-Segment.

Jaguar vollzieht einen radikalen Schnitt: Der neue Type 01 ist das erste Modell der neu ausgerichteten Traditionsmarke. Der elektrisch angetriebene viertürige Grand Tourer markiert den Ausstieg der Briten aus dem volumengetriebenen Premium-Segment. Dort versuchte der Hersteller bislang Konkurrenten wie BMW oder Mercedes Marktanteile abzujagen. Stattdessen positioniert sich Jaguar künftig als reine Luxusmarke im deutlich höherpreisigen Umfeld, in dem Stückzahlen zugunsten von hohen Margen in den Hintergrund rücken. Der Geschäftsführer Rawdon Glover geht davon aus, dass die USA der wichtigste und größte Einzelmarkt für das Modell werden – weshalb dessen pompös inszenierte Weltpremiere in New York stattfand.


Jaguar Type 01

Mit dem Type 01 positioniert sich Jaguar künftig als reine Luxusmarke im deutlich höherpreisigen Umfeld, in dem Stückzahlen zugunsten von hohen Margen in den Hintergrund rücken. Bildergalerie

Die Auslieferungen in Deutschland sollen Mitte 2027 starten. Der Einstiegspreis wird bei rund 160.000 Euro liegen. Damit verdoppelt Jaguar sein bisheriges Preisniveau in etwa. Mit dem Type 01 zielt der Hersteller auf wohlhabende Käufer, die bislang performante Luxus-Stromer vom Schlag eines Porsche Taycan oder Lotus Emeya wählten. Zudem nimmt Jaguar künftige elektrische Oberklasse-Modelle wie den angekündigten Bentley Torcal ins Visier. Günstigere Einstiegsvarianten mit kleineren Akkus, abgespeckter Basisausstattung oder schwächeren Antrieben schließt die Marke des JLR-Konzerns (Jaguar Land Rover) von vornherein kategorisch aus.

Jaguar bricht mit bekannten Designkonventionen

Der optische Auftritt des 5,23 Meter langen und 1,40 Meter flachen Fahrzeugs bricht mit bekannten Designkonventionen der Briten. Auffällig ist die gestreckte Silhouette mit extrem kurzem vorderem Überhang, langer Motorhaube und steilem Heckabschluss. Die sogenannte "Luxuslücke" – der Abstand zwischen der Vorderachse und der vorderen Türkante – macht mit fast 90 Zentimetern 17 Prozent der Gesamtlänge aus und soll an den historischen E-Type erinnern. Die Limousine rollt zudem auf gewaltigen Rädern mit Reifen im Format 255/35 R 23 vorn und 295/30 R 24 hinten. Damit nehmen die Räder mehr als die Hälfte der gesamten Fahrzeughöhe ein und füllen die Radkästen massiv aus.

Klassische Embleme treten zudem in den Hintergrund. So findet sich etwa das Markenemblem der springenden Raubkatze nur noch als Lasergravur auf einer seitlichen Metallleiste. Trotz der steilen Frontpartie erreicht der Type 01 einen Luftwiderstandsbeiwert von 0,23. Verdeckte Lüftungsklappen öffnen sich nur bei akutem Kühlbedarf. Die flachen LED-Scheinwerfer verfügen über je 17.000 Pixel. Die Karosserieflanken sind mit hohem Aufwand nahtlos gestaltet. Das hintere Seitenteil wird beispielsweise unter 2.500 Tonnen Druck in sechs Stufen kaltgepresst. Rahmenlose Türen gehen ohne sichtbare Fensterdichtungen direkt ins Blech über. Am Heck fehlt eine Glasscheibe; stattdessen sitzt dort eine massive Klappe mit ausfahrbarem Spoiler.

Die technische Basis bildet die neue JEA-Plattform (Jaguar Electric Architecture) mit 850 Volt Spannung, die ausschließlich für batterieelektrische Fahrzeuge entwickelt wurde. Der darauf aufgebaute Type 01 besteht zu 73 Prozent aus Aluminium und soll dennoch eine hohe Torsionssteifigkeit bieten. Um im flachen Fahrzeugboden ausreichend Bauraum für den großen Energiespeicher zu gewinnen, entwarfen die Entwickler eine spezielle dreieckige Crashstruktur in der Frontpartie. Diese Konstruktion ermöglicht es, einen Teil des Batteriepakets bereits weit vor der eigentlichen Fahrgastzelle unterzubringen, ohne die niedrige Gesamthöhe des Fahrzeugs oder den Fußraum für die Insassen einzuschränken.

Jaguar Type 01 mit über 1.000 PS Leistung

Für den Vortrieb sorgen drei Elektromotoren: Eine 260 kW / 354 PS starke Maschine an der Vorderachse sowie zwei Motoren mit jeweils 310 kW / 421 PS hinten. Die Systemleistung summiert sich auf 757 kW / 1.030 PS, das maximale Drehmoment auf 1.365 Newtonmeter. Aus dem Stand beschleunigt der Allradler in 3,2 Sekunden auf Tempo 100, der Zwischensprint von 100 auf 180 km/h ist in 4 Sekunden erledigt. Siliziumkarbid-Wechselrichter steuern die radselektive Antriebsmomentverteilung im Millisekundentakt. Ein Fahrwerk mit aktiven Doppelventil-Dämpfern, Luftfedern und einer Allradlenkung soll für Komfort und Handlichkeit sorgen. Bei niedrigem Tempo schlagen die Hinterräder bis zu sechs Grad ein, was weniger Arbeit am Lenkrad bedeutet.

Als Stromspeicher dient eine Lithium-Ionen-Batterie mit 118 kWh nutzbarer Kapazität. Nach WLTP-Norm peilt Jaguar eine Reichweite von bis zu 720 Kilometern an; bei konstant 120 km/h auf der Autobahn sollen 515 Kilometer verbleiben. Dank der 850-Volt-Technik lädt der Akku mit bis zu 350 kW Gleichstrom. Ein Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent dauert rund 22 Minuten; Strom für 321 Kilometer fließt in 13 Minuten nach. Die Thermomanagement-Software nutzt Abwärme der Motoren, um Heizleistung bereitzustellen. Duale AC-Ladeanschlüsse auf beiden Seiten erleichtern zudem das Wechselstromladen mit bis zu 22 kW.


Jaguar - Neue Corporate Identity

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Das Laden bindet Jaguar – wie andere Hersteller auch – in ein eigenes digitales Ökosystem ein. Über die Jaguar-App lassen sich Routen inklusive Ladestopps planen und freie Säulen in Echtzeit lokalisieren. Ein einziges Konto soll die Abrechnung für diverse europäische Ladenetze monatlich bündeln. Für die heimische Garage bieten die Briten eine vernetzte Wallbox mit fest integriertem 7,5-Meter-Kabel, die per App gesteuert wird. Die Vorkonditionierung stellt sicher, dass der Akku vor Fahrtantritt oder vor dem Ladestopp bereits vortemperiert ist. Im Cockpit lässt sich der Ladevorgang auch über den Touchscreen regeln.

Den Innenraum teilt eine massive Mittelachse, die vier separate Sitzbereiche schafft. Auch wenn das Auto nominell als Viersitzer ausgelegt ist, stoßen 1,80 Meter große Personen im Fond fast an den Dachhimmel, was der stark abfallenden Silhouette geschuldet ist. Da die Heckscheibe komplett fehlt, blickt der Fahrer über einen digitalen Kameraspiegel nach hinten, der in einer durchgehenden Soundbar unter der Windschutzscheibe sitzt. Herkömmliche Türlautsprecher entfallen. Stattdessen sorgen 38 Meridian-Lautsprecher, die teils direkt in die Sitze integriert sind, für den Raumklang. Bezogen ist das Interieur wahlweise mit Leder oder Wollgeweben.

Jaguar Type 01 bietet riesiges Display

Das Cockpit prägt ein geschwungenes 24-Zoll-OLED-Display für Instrumente und Infotainment, ergänzt um zwei Sieben-Zoll-Touchscreens für Klimatisierung und Komfortfunktionen. Der zentrale Rechner von Nvidia soll zehnmal schneller als bisherige Systeme arbeiten. Der Sprachassistent soll auch komplexe, mehrstufige Befehle in 18 Sprachen verstehen. Over-the-Air-Updates halten die Software aktuell. Zehn Kameras, fünf Radare und zwölf Ultraschallsensoren liefern die Daten für die Fahrassistenten – damit die Raubkatze im neuen Revier möglichst sicher und souverän unterwegs ist.


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