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Neuer Skoda Deutschland-Chef im Interview: "Der Kontakt zu den Händlern muss gepflegt werden"

Libor Myska ist der erste Tscheche an der Spitze von Skoda Auto Deutschland.
© Foto: Skoda

Die Außenbedingungen sind auch für Skoda derzeit eine große Herausforderung. Der neue Deutschlandchef Libor Myska erklärt, wie die Marke gemeinsam mit den Vertriebspartnern weiter erfolgreich sein will.


Datum:
01.04.2022
Autor:
Ralph M. Meunzel
Lesezeit: 
6 min
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AUTOHAUS: Herr Myska, der deutsche Handel hat sehr positiv auf Ihre Ernennung reagiert. Worauf führen Sie die hohen Sympathiewerte zurück?

Libor Myska: Das freut mich sehr. Mein erster Austausch fand im vergangenen Jahr auf der Händlerversammlung in Berlin statt. Ich bin den ganzen Abend geblieben und wurde sehr gut aufgenommen. Ich kenne die Vorstandsmitglieder des Händlerverbands bereits durch zahlreiche Termine in Prag. Darüber hinaus gibt es persönliche Beziehungen durch den Radsport. Der Kontakt zu unseren Händlern ist für Skoda immens wichtig und muss gut gepflegt werden. Ich habe das Gefühl, dass dies bisher der Fall war. Wir haben mit 530 Standorten und 330 Investoren eine sehr große Organisation. Ich habe mir vorgenommen alle einmal zu besuchen. Das ist zahlenmäßig eine große Herausforderung. Es ist mir aber sehr wichtig. Drei Touren habe ich bereits absolviert. Ich spreche mit unseren Händlern sehr offen über die Themen und schätze deren Meinung sehr.

AH: Nun sind Sie der erste Tscheche, der die Rolle des Sprechers der deutschen Geschäftsführung übernommen hat und ein Škoda-Eigengewächs. Ist das eine besondere Wertschätzung für Sie?

L. Myska: Absolut. Vertriebs- und Marketingvorstand Martin Jahn hatte mich gefragt, ob ich bereit wäre, diese Position zu übernehmen. Schon nach kurzem Überlegen war mir klar, dass ich diese Herausforderung annehmen und den Erfolg von Skoda auf dem deutschen Markt in Zukunft selbst mitgestalten möchte. Was kann man sich mehr wünschen?

AH: Was verbindet Sie mit dem Vertrieb?

L. Myska: Die Hälfte meiner Karriere war ich im Finanzbereich vor allem im Bereich Vertriebscontrolling tätig. In Polen war ich fünf Jahre als Finanzvorstand für die nationale Importgesellschaft verantwortlich. Die andere Hälfte war ich im Vertrieb beschäftigt, so habe ich seinerzeit von Holger Santel die Vertriebssteuerung bei Skoda übernommen und war für das Teile- und Zubehörgeschäft weltweit verantwortlich.

AH: Was verbindet Sie mit Skoda?

L. Myska: Mein ganzes berufliches Leben. Die Marke Skoda genießt in Tschechien eine sehr hohe Wertschätzung. Ich wollte als Berufseinsteiger ursprünglich beim Lkw-Hersteller Liaz in meiner Heimatstadt starten. Damals lief der Privatisierungsprozess. Liaz ging in Folge in die Insolvenz, während Skoda in den Volkswagen-Konzern integriert wurde und sich zur Erfolgsgeschichte entwickelt hat. Ich bin am 1. April 1994, also vor genau 28 Jahren, nach Mladá Boleslav gekommen.

AH: Sie starten unter schwierigen Marktbedingungen. Wie bewerten Sie die aktuellen Themen?

L. Myska: Die Außenbedingungen sind schwierig. Andererseits haben alle in der Automobilindustrie die gleichen Probleme. Es liegt also am Management, die Situation so zu meistern, dass Schaden für die Händler und die Marke vermieden wird. Wir sind seit zwei Jahren dabei, auch unter widrigen Umständen unsere Erfolgsgeschichte fortzuschreiben. Wir sind von der Pandemie und der Halbleiterkrise und dem Krieg in der Ukraine mit seinen dramatischen und traurigen Auswirkungen betroffen. In der Ukraine sind zahlreiche Lieferanten von uns tätig, die vor allem Kabelbäume produzieren, deren Herstellung aufgrund des Krieges drastisch eingeschränkt werden musste.

AH: Das hat vor allem Ihr Elektromodell getroffen?

L. Myska: Die Ausfälle haben zu einem Produktionsstopp des Enyaq iV geführt. Wir arbeiten daran, die Produktion vollständig wiederherzustellen. Um nicht etwas zu versprechen, was wir nicht liefern können, haben wir gerade die 50er und 60er Batterievarianten sowie den Allradler Enyaq iV 80x bis auf Weiteres aus dem Bestellprogramm genommen. Derzeit sind nur die 80er Variante des Enyaq iV und das Enyaq Coupé iV bestellbar. Der Enyaq iV 80 ist unsere Volumenvariante und wird von 70 Prozent der Kunden geordert. Wir bekommen also genau die Autos, die auf dem deutschen Markt sehr begehrt sind.

AH: Woher kommt der Zuspruch der Kunden zu diesem Auto?

L. Myska: Der Enyaq iV ist sehr gelungen. Design, Raumangebot und Preis überzeugen unsere Kunden. Es ist gerade bei den Fahrern von Dienstwagen sehr beliebt, weil er eben alles bietet. Der Enyaq iV kann Familie - und das wollen unsere Kunden. Wir befinden uns in einem dynamischen Wandel zur Elektromobilität. Für uns ist es sehr wichtig, dass wir mit dem ersten Modell Erfolg haben. Damit legen wir den Grundstein für die weiteren Modelle.

AH: Eine Schwalbe macht aber noch keinen Frühling. Muss jetzt nicht sehr schnell ein weiteres BEV folgen?

L. Myska: Skoda-Vorstandsvorsitzender Thomas Schäfer hat für die kommenden Jahre mindestens drei neue Elektromodelle unterhalb des Enyaq iV angekündigt.

AH: Bis wann werden sich die Preise für Verbrenner und BEV angleichen, damit auf eine Förderung von staatlicher Seite verzichtet werden kann?

L. Myska: Ich rechne in wenigen Jahren damit. Fakt ist aber, dass Mobilität insgesamt teurer wird.

AH: Wie sieht es mit den aktuellen Lieferzeiten bei den Elektro-Modellen aus?

L. Myska: Wir haben klare Signale, dass die Produktion vom Enyaq iV in wenigen Wochen wieder anlaufen wird. Wir werden Autos bauen und liefern. Die ukrainischen Lieferanten beliefern uns teilweise noch. Diese Leistung der Menschen vor Ort kann man nicht hoch genug würdigen. Es gibt allerdings einen vorläufigen Bestellstopp für Octavia iV und Superb iV. Die Produktionsvolumen für die iV-Varianten sind bereits bis weit in das Jahr 2023 hinein ausgeschöpft. Gründe hierfür sind eine weltweit sehr hohe Nachfrage nach diesem Modell, der negative Einfluss der jüngsten geopolitischen Entwicklungen auf die Lieferketten sowie andauernde Lieferengpässe von Halbleitern. Mit dieser Maßnahme stellen wir sicher, dass alle vorliegenden Bestellungen produziert und ausgeliefert werden können. Es kann allerdings sein, dass sich die Situation in Deutschland aufgrund von Verschiebungen in anderen Ländern noch ändert.

AH: Handel und Kunden sind definitiv nicht erfreut über diese Entwicklungen. Wie hat sich die Rendite Ihrer Partner im ersten Quartal entwickelt?

L. Myska: Wir sehen, dass in den ersten beiden Monaten das Ergebnis auf Vorjahresniveau weiterhin sehr gut ist. Der Handel verdient Geld. Ich habe keine Bedenken, dass Händler in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten könnten. Die kurzfristigen Lieferengpässe sind sehr ärgerlich, werden aber das wirtschaftliche Fundament unserer Partner nicht schwächen. Skoda Auto Deutschland und die Händler sind wie eine gut geschmierte Maschine, die weiterhin erfolgreich läuft.

AH: Skoda hat prozentual deutlich weniger Fahrzeuge in 2021 zugelassen (minus 17 Prozent) als die anderen Konzernmarken. Man hat den Eindruck, dass dies gesteuert wurde?

L. Myska: Fakt ist, dass wir aufgrund der Corona-Maßnahmen im ersten Halbjahr in Tschechien sehr viele Fahrzeuge nicht herstellen konnten. Darüber hinaus werden in Deutschland insbesondere die großen Modelle und Konfigurationen mit einem hohen Ausstattungsniveau benötigt, die aufgrund der Halbleiterknappheit überproportional betroffen sind. Nach dem ersten Halbjahr haben sich die Verluste bei jeder Marke ähnlich entwickelt. Ab November konnten wir in Deutschland wieder Gas gegeben und unsere Positionierung im Ranking der KBA-Zulassungen wieder verbessern. In diesem Jahr stehen wir im Marken-Ranking mittlerweile auf Platz fünf. Das zeigt die wahre Stärke unserer Marke und Händler.

AH: Mit welchem Potenzial rechnen Sie in 2022? Die Nachfrage ist groß. Derzeit sind Sie mit über sechs Prozent im Plus.

L. Myska: Wir steigern unseren Marktanteil und stärken weiterhin unsere Position in den profitablen Verkaufskanälen. Unser Fokus bleibt auf profitablen Geschäften.

AH: Sie kennen Skoda auch von innen heraus sehr gut. Ist das in einer derartigen Situation nützlich?

L. Myska: Nützlich ist das sicher. Kurze Wege sind in der Regel förderlich. Gleichwohl wissen die Kollegen in Tschechien sehr gut, welchen Beitrag Skoda Auto Deutschland und seine Händler zum Gesamtergebnis leisten.

AH: Wird es in Kürze ein Auto-Abo-Modell geben?

L. Myska: Wir sehen momentan für uns keinen Bedarf. Die Raten sind zu hoch. Leasingangebote sind für den Kunden derzeit vorteilhafter.

AH: Sie müssen jetzt auch den Vertrieb in Richtung Agenturgeschäft umbauen. Wie laufen die Verhandlungen mit dem Verband? Vor allem die Höhe der Marge dürfte für Diskussion sorgen.

L. Myska: Wir befinden uns mit dem Händlerverband hierzu in konstruktiven Gesprächen. Da diese Gespräche aber noch nicht beendet sind, wollen wir uns in Abstimmung mit dem Verband aktuell noch nicht öffentlich hierzu im Detail äußern. Da halten wir uns an die Abmachungen. Wir sind aber auf einem guten Weg. Es geht einmal um niedrigere Vertriebskosten und darum für Preisstabilität zu sorgen. Wir benötigen künftig eine transparente Preissituation. Davon wird auch der Handel profitieren.

AH: Der Handel hat immer argumentiert, baut weniger Autos, dann reduzieren sich die Rabatte. Dass dies funktioniert, beweist sich gerade am Markt.

L. Myska: Das stimmt für den allgemeinen Markt. Es stellt sich jedoch bei Skoda anders dar. Uns fehlen eher die Kapazitäten für zusätzliche Fahrzeuge.

AH: Wie geht’s mit dem Radsport weiter? Derzeit wird überall gespart.

L. Myska: Skoda hat mit der Wahl des Engagements im Radsport die richtige Entscheidung getroffen, das verbindet uns auch mit unserer Unternehmensgeschichte. Wir transportieren mit der Förderung des Radsports hervorragend unsere Unternehmenswerte, dazu zählen Familie, Sport für jedermann und auch das Bewusstsein für unsere Umwelt und Mitmenschen. Wie man das bei Skoda Auto Deutschland gemacht hat, ist vorbildlich. Kontinuität ist hier sehr wichtig. Wir wollen dies auf jeden Fall weitermachen.

AH: Herr Myska, herzlichen Dank für das Gespräch.

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