Es sind an seinem Ehrentag sage und schreibe 33 Jahre her, als Harald Wulff 1993 nach 15 erfolgreichen Jahren als Nissan‑Geschäftsführer Deutschland (1978 bis 1993) in den Ruhestand verabschiedet wurde. Es war in den 70er‑Jahren, als die japanischen Automarken in Deutschland mit ihrem Markteintritt zum Wettbewerb bliesen – Nissan bis 1982 unter dem Markennamen Datsun.
Wulff legte mit seinem Team quasi die Wurzeln für das "Neue", das es aus der strukturellen Zersplitterung der Vertriebsrechte zu größerer Einheit zusammenzufügen galt. Über die lange gemeinsame Wegstrecke mit dem Handel kannte er dann jeden Händler persönlich – nach Möglichkeit auch dessen Betriebsstätte. Als unermüdlicher Macher hatte Wulff ein untrügliches Gespür dafür, wer als Händler engagiert auf der gemeinsamen Nissan‑Reise dabei ist und wer weniger. Offene Klartextsprache war Wulffs Kommunikationsstil. Schaut man sich im Rückspiegel die Ergebnisse an, so stand Nissan damals mit drei Prozent Marktanteil vor Toyota auf der MA‑Treppe.
Und eine weitere wichtige kaufmännische Tugend konnte man ebenso von Wulff lernen: Augenmaß! Nicht nur bei der Einführung neuer Margensysteme, sondern auch sein stetig klarer Blick auf die Kosten. Keine pompösen Veranstaltungen, sondern angemessene "Feierplätze"! Der Jubilar hatte große Wertschätzung für seine Händler und deren wichtige Leistungen im Arbeitsalltag. Über sein glaubwürdiges Wirken erarbeitete er sich im Handel eine auffällig positive Vertrauensebene. Für die Ausgewogenheit von Leistung und Gegenleistung war ihm ein sensibles Sensorium eigen.
Zu gerne erinnere ich mich an besondere Einzelstationen mit persönlichen Begegnungen – besonders an das jährliche Ritual im Rahmen des unvergesslichen Genfer Automobilsalons. Ein echter Branchendialog! Wulff fungierte nicht nur als Vizepräsident im VDIK oder als Verwaltungsrat bei der DAT und beim RWTÜV, sondern auch beim IfA in Geislingen und bei der BFC in Calw, wo wir uns regelmäßig persönlich begegnet sind.
Passionierter Pfeifenraucher
Das sei heute zu seinem runden Ehrentag besonders hervorgehoben. Wir haben unsere herzliche Kontaktebene von seinem Ausscheiden 1993 bis heute zu verschiedenen Anlässen kultiviert. Auch telefonisch. Meine obligatorische Frage: "Harald, was macht deine Kultur des Pfeifenrauchens?" Er: "Hannes, diese kultiviere ich nach wie vor jeden Tag mit erbaulichen Gedanken!" Wie da wohl seine Zunge zum 90. Geburtstag gratulieren wird? Ja, das wahre Pfeifengeheimnis muss wohl tief heimatlich im schlesischen Waldenburg verortet sein, wo er 1936 geboren wurde.
Der Jubilar berichtete mir aktuell von seniorengerechtem Wohlaufsein. Klar: Jammern war alles andere als eine Wulff‑Vokabel. So senden wir einem großartigen Manager und seiner Frau nach Neuss die besten Glückwünsche und sagen dem menschlichen Wegbegleiter für diesen einmaligen Treuebund von Herzen Dank! Eine derartige Branchenfreundschaft nennt man schwäbisch: gutes Glück! Ein Geschenk der Branche.