Zwischen den Hallen der IAA Transportation (noch bis 20.September) zeigt der Stellantis-Konzern einen elektrisch und autonom fahrende Kubus. Box-on-Wheels (BOW) heißt dieser Ausblick auf eine nicht mehr allzu ferne Zukunft der Last-Mile-Logistik in Europa.
Anhand der Silhouette ist kaum auszumachen, wo beim BOW vorne und hinten ist. Eine Art Frontscheibe, in die auch Scheinwerfer und ein großes Display integriert sind, weist auf den vorderen Teil hin, während ein Rolltor für die große Ladeöffnung am Heck den Abschluss markiert. Der BOW fährt maximal 45 km/h schnell, was eine Zulassung in der L6e-Kategorie wahrscheinlich macht. Technische Daten zu Leistung, Batteriegröße oder Reichweite nennt Stellantis bislang nicht.
Entstanden ist das Konzept in Zusammenarbeit mit UQI Robotics aus China und der Stellantis-Nutzfahrzeugsparte Pro One. Gemeinsam wollen die Partner untersuchen, wie sich autonomes Fahren, Elektrifizierung, Vernetzung und Dienstleistungen zu einem Logistiksystem verbinden lassen. Im Fokus steht zunächst die letzte Meile in Städten, insbesondere in Bereichen mit Zufahrtsbeschränkungen oder Umweltzonen. Denkbar sind aber auch Einsätze auf abgegrenzten Arealen wie Fabrikgeländen oder Flughäfen.
Stellantis BOW
Das Projekt ist bereits konkreter als das Showcar vermuten lässt. In China sind autonome Lieferfahrzeuge dieser Art bereits im Einsatz. Stellantis-Pro-One-Chef Eric Laforge rechnet damit, dass dort allein in diesem Jahr rund 150.000 solcher Fahrzeuge verkauft werden. Sollten die europäischen Vorschriften künftig ihren Einsatz erlauben, erwartet er, dass vor allem chinesische Anbieter auf dem hiesigen Markt drängen werden. Darauf wolle Stellantis vorbereitet sein. Zudem sieht Laforge in den fahrerlosen Lieferboxen eine mögliche Antwort auf den Personalmangel in der Logistik.
Marktstart offen
Bis der BOW tatsächlich selbstständig Pakete durch europäische Städte fährt, dürfte noch einige Jahre vergehen. Zwar gibt es in der EU bereits einen Rechtsrahmen für die Zulassung vollautomatisierter Fahrzeuge, bislang ist ihr Einsatz jedoch an definierte Anwendungsfälle und Einsatzbereiche gebunden. Zunächst muss auch der BOW an die hiesigen Vorschriften und Anforderungen angepasst werden. Einen Termin für einen Marktstart oder erste Pilotprojekte nennt Stellantis noch nicht.
Technologiepartner UQI Robotics wurde 2020 als Gemeinschaftsunternehmen von UBTECH und Miracle Automation gegründet. Das chinesische Unternehmen beschäftigt sich mit autonomen Systemen, Software und Wahrnehmungstechnologien und hat nach eigenen Angaben bislang mehr als 7.000 Roboter in 66 Städten und Regionen im Einsatz. Stellantis wiederum soll seine Erfahrung mit Nutzfahrzeugen und den Anforderungen gewerblicher Kunden in das neue Gemeinschaftsprojekt einbringen.