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Umfrage: Mehrheit für Vier-Tage-Woche

Für Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth kommt eine Vier-Tage-Woche mit Lohnausgleich nicht in Frage.
© Foto: picture alliance/Tom Weller/dpa

In der Bevölkerung findet der Vorschlag einer Vier-Tage-Woche viel Unterstützung. Gerade zum Thema Lohnausgleich gibt es aber auch Kritik.


Datum:
19.08.2020
8 Kommentare

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Eine Mehrheit der Deutschen (61 Prozent) steht laut einer Umfrage einer Vier-Tage-Woche zum Schutz von Arbeitsplätzen in der Corona-Krise offen gegenüber. 21 Prozent der Befragten stimmen dem von der Gewerkschaft IG Metall vorgeschlagenen Modell voll und ganz zu, weitere 40 Prozent unterstützen es eher, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov ergeben hat.

Bei Anhängern der Grünen ist die Unterstützung demnach mit 71 Prozent am höchsten. Ähnlich fällt sie bei Wählern der SPD (68 Prozent) aus. Von den Wählern der Linken unterstützen 63 Prozent die Vier-Tage-Woche, bei der FDP und der Union jeweils 62 Prozent. Am geringsten ist die Zustimmung bei den AfD-Anhängern (53 Prozent).

Die IG Metall hatte die Vier-Tage-Woche ins Gespräch gebracht, um Jobs in der Metall- und Elektroindustrie zu retten. "Die Vier-Tage-Woche wäre die Antwort auf den Strukturwandel in Branchen wie der Autoindustrie. Damit lassen sich Industriejobs halten, statt sie abzuschreiben", sagte der Erste Vorsitzende der Gewerkschaft, Jörg Hofmann. Er sprach von "einem gewissen Lohnausgleich für die Beschäftigten, damit es sich die Mitarbeiter leisten können". Aus dem Lager der Metallarbeitgeber kam allerdings schon deutlicher Widerspruch.

Daimler gegen Vier-Tage-Woche mit Lohnausgleich

Auch für den Autobauer Daimler kommt das Modell nicht in Frage. "Eine Vier-Tage-Woche mit Lohnausgleich, wie von der IG Metall gefordert, ist angesichts der Situation in der Automobilindustrie weder zielführend, noch wirtschaftlich darstellbar", sagte Personalvorstand Wilfried Porth am Mittwoch.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) bezeichnete eine verringerte Arbeitszeit als möglicherweise geeignetes Mittel in der Krise. "Reduzierte Arbeitszeit bei teilweisem Lohnausgleich kann eine geeignete Maßnahme sein, wenn sich die Sozialpartner darauf verständigen", sagte Heil den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwoch). Unterstützung kam vom SPD-Vorsitzenden Norbert Walter-Borjans. "Die Wirtschaft darf die Krise nicht nutzen, um sich von Arbeitskosten zu befreien, sondern muss erkennen, wie wertvoll gute Löhne zur Ankurbelung der Konjunktur und für wirtschaftlichen Fortschritt sind", sagte er der 'Neuen Osnabrücker Zeitung'.

Auch die stellvertretende Linken-Fraktionsvorsitzende Susanne Ferschl signalisierte Zustimmung. "Die Beschäftigten dürfen nicht alleine die Kosten der Corona-Krise und für die verfehlten Managemententscheidungen in der Industrie bezahlen", sagte sie.

Vier-Tage-Woche bei Verzicht auf vollen Lohnausgleich machbar

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, sagte, er halte die Einführung einer Vier-Tage-Woche zwar für machbar - allerdings nur bei Verzicht auf vollen Lohnausgleich.

Kritik kam ebenfalls aus den Reihen der Mittelstands- und Wirtschaftsunion der CDU/CSU. "Je länger die Coronakrise andauert, umso mehr müssen wir kluge Lösungen entwickeln, die über das bloße Verteilen von Lohnersatz und Zuschüssen hinausgehen", sagte deren Vorsitzender Carsten Linnemann der "Wirtschaftswoche". Johannes Vogel, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, mahnte, die Politik und insbesondere Bundesarbeitsminister Heil sollten sich aus den Einigungen der Tarifpartner heraushalten. (dpa)

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KOMMENTARE


Henry

19.08.2020 - 17:05 Uhr

Natürlich, die Leute, die das fordern, waren mit Sicherheit noch nie selbstständig. Am besten die „0 -Tage -Woche“ bei vollem Lohnausgleich. Glaubt irgendjemand, selbst bei allen Linken nebst Gewerkschaften (die, die letztendlich alle Industrien, die es bei uns nicht mehr gibt, auf dem Gewissen haben und nie etwas anders geschaffen haben außer Inflation), dass ein Dachdecker das in 4 Tagen schafft, wofür er bisher 5 brauchte? Ich kann doch nur das verteilen, was erarbeitet wurde. So viel Ignoranz und Dummheit ist mittlerweile kaum noch auszuhalten. Schafft uns lieber diesen völlig überbordenden Staatsapparat (über 60% Staatsquote mit staatsnahen „Wohlfahrtsindustrien“) vom Hals und gebt uns goldgedecktes Geld. Dann ist Schluss mit diesen neuen Inflationsphantasien. Ich zahle in meinem Restaurant um die Ecke, wo ich zu DM Zeiten 16,80 DM für den Rostbraten bezahlt habe, jetzt 25,80€ (Über 50 DM), also das Dreifache von meinem Ersparten, das in € zwangsumgetauscht und danach zinslos gestellt wurde.


Konrad Weßner

19.08.2020 - 17:37 Uhr

Wenn schon in der Frage unterstellt wird, dass die 4-Tage-Woche Arbeitsplätze schützt, kommen halt erwartbare Zustimmungsergebnisse raus.


Christoph Nolte

19.08.2020 - 20:26 Uhr

Bin für die Acht-Tage-Woche. Mir fehlt immer mindestens ein Tag.


NJ

20.08.2020 - 08:04 Uhr

Die Beschäftigten dürfen nicht alleine die Kosten der Corona-Krise und für die verfehlten Managemententscheidungen in der Industrie bezahlen. Leider wird dies in einigen Konzernen bereits seit März praktiziert. Traurig aber wahr, wenn sich Unternehmen auf Kosten der Pandemie sanieren und es dann auch noch so aussehen lassen, als hätten sie keine Staatshilfen nötig.


Michael

20.08.2020 - 10:53 Uhr

Also in den Niederlanden arbeitet man in der Regel wesentlich weniger Stunden die Woche bei wesentlich weniger Gehalt. Wir haben in Deutschland mittlerweile unterdurchschnittliche Gehälter, bei vielen Überstunden und Höchststeuern.


Dietmar Seyerle

20.08.2020 - 13:56 Uhr

Die Mehrheit der Menschen wissen doch heute schon nichts mehr mit ihrer Freizeit anzufangen. Wenn bald die Hälfte der Lebensarbeitszeit zur Freizeit wird, dann brauchen wir noch mehr profane Vergnügungsparks, Spaßbäder, Shopping Malls und werbefinanziertes Fernsehen oder gebührenfinanzierte Wiederholungen. Die Campingplätze und Autobahnen sind heute schon unter der Woche voll von nicht arbeitenden Menschen. - Ich wundere mich als Rentner nach 45 Arbeitsjahren heute schon über die auffällig vielen nicht arbeitenden Menschen werktags (oder ist dieses Wort schon obsolet?), die sich großteils mehr leisten als meine Generation - wer soll´s denn bezahlen? Die Windkraft u. Sonnenenergie wohl kaum.


Overborst

20.08.2020 - 14:12 Uhr

@Michael: Ich gehe mal davon aus, dass Sie mehr Gehalt in den Niederlanden meinen. Da ich nun seit ca. 1,5 Jahren hier lebe, kann ich allerdings nicht bestätigen, dass weniger gearbeitet wird. Häufig sehe ich Jobs mit den klassischen und völlig überholten 40 Stunden. Die Steuer mal an einem Beispiel. 3.000 € brutto sind in Deutschland bei Steuerklasse 1 ca. 1.930 € netto, in den Niederlanden ca. 2.350 netto. Miete ist in den Ballungszentren in Südholland horrend, Lebensmittel ca. 10% teurer, aber qualitativ besser (persönliche Meinung) und Auto fahren ist RICHTIG viel teurer. Golf Benziner ca. 600€ Steuern im Jahr, als Diesel 1.200€, Benzin aktuell 1,52 und damit vergleichsweise günstig. Die 4-Tage-Woche zur vollen Bezahlung ist der einzige Schritt zu einer sozialen und umweltverträglichen Gesellschaft, da die Automatisierung immer mehr Jobs kosten wird und die Konsummentalität schon lange nicht mehr haltbar ist.


Alter Zausel

20.08.2020 - 14:57 Uhr

Aber die Schlaumeier, die nach einer 4-Tage-Woche - bei vollem Lohnausgleich - rufen, würden sicher selbst gerne 7 Tage die Woche einkaufen gehen. Und kommen dann auch gerne 5 Min. vor Ladenschluss, um sich anschließend über unfreundliches Verkaufspersonal aufzuregen. Ach so, hatte ich vergessen, die Läden sollten ja 24 Std. geöffnet sein. Man muss sich ja schließlich kostenlos beraten u. informieren können - bevor man im Netz bestellt. Es gibt übrigens eine hohe Anzahl von Beschäftigten, die schaffen bis Freitag oftmals 50 Std. u. haben samstags dann noch Ladendienst. Ohne Freizeitausgleich oder zus. Bezahlung - so z. B. als Automobilverkäufer auf Provisionsbasis. Und wie würde man sich freuen, wenn der Handwerker einem am Donnerstag "TSCHÜSS bis Montag" zuruft.


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