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BFC-Macher im Interview: "Talentpool ist nicht größer geworden"

BFC-Macher im Interview
"Talentpool ist nicht größer geworden"
Sylvia Gerl und Helmut Peter kritisieren die Einstellung einiger BFC-Studenten des Jahrgangs 2018/19.
© Foto: Prof. Hannes Brachat/AUTOHAUS

Viele Fehlzeiten, mangelnder Leistungswillen: Die BFC-Verantwortlichen Sylvia Gerl und Helmut Peter stellen dem aktuellen Studienjahrgang kein gutes Zeugnis aus.

Ende Juni endet der 56. Studienjahrgang an der Bundesfachschule für Betriebswirtschaft im Kraftfahrzeuggewerbe (BFC) in Northeim. AUTOHAUS-Herausgeber Prof. Hannes Brachat sprach über das auslaufende Studienjahr mit den BFC-Verantwortlichen Sylvia Gerl (Geschäftsführerin) und Helmut Peter (Vorstandsvorsitzender). Es ist wie beim Wein: Nicht jeder Jahrgang verdient die Auszeichnung "Prädikatsjahr"!

AH: Das aktuelle BFC-Studienjahr 2018/2019 geht im Juni zu Ende. Was lässt sich im Vergleich zu früheren Jahren sagen?

Sylvia Gerl: Im Zuge meiner 22-jährigen Tätigkeit an der BFC habe ich einen guten Überblick und Vergleich. Vieles hat sich verändert. In diesem Jahr war der Anteil an Söhnen und Töchtern aus Autohäusern besonders hoch. Das war in der Vergangenheit anders. Auch Teilnehmer, die eine vertragliche Bindung zu ihrem Arbeitgeber haben, für die BFC-Zeit beurlaubt werden und danach in diese Betriebe zurückkehren, wächst stetig.

Sorge bereitet mir allerdings die Tatsache, dass die BFCler in diesem Studienjahr – unabhängig von ihrer betrieblichen Herkunft – die BFC "anders" besuchen. Sie kennen vielfach erfolgreiche Absolventen früherer Jahrgänge und gehen davon aus, dass die BFC ein Selbstläufer mit Diplom sei und gute Ergebnisse automatisch vom Himmel fielen. Dem ist gewiss nicht so! Von nichts kommt nichts.

Tacheles reden!

AH: Herr Peter, Sie sind als Vorstandsvorsitzender der BFC regelmäßig vor Ort und legen großen Wert auf das persönliche Gespräch mit den Studierenden und den Studiensprechern. Wie sehen Sie die aktuelle Situation?

Helmut Peter: In unserer Unternehmensgruppe sind viele BFCler beschäftigt, die wir auch als Leistungsträger identifiziert haben. In Gesprächen mit meinen Markenkollegen wird mir immer bestätigt, dass es eine gute Entscheidung war, sich bei der Personalwahl für einen BFC-Absolventen zu entscheiden. Allerdings stelle auch ich für dieses Studienjahr mit einigem Befremden fest, mit welcher Einstellung da manche die BFC besuchen, sofern sie überhaupt mit Anwesenheit "glänzen". Es gibt Kandidaten mit sehr großdimensionierten Fehlzeiten. Das wird zur Folge haben, dass da einige mangels erheblicher fachlicher Lücken absehbar durchrasseln werden. Es reicht definitiv nicht, nur angemeldet zu sein. Bitte, auf verschiedenen Schlüssel- wie Führungspositionen der Branche sitzen sowohl im Handel als auch auf der Herstellerseite wirkliche "Perlen", ehemalige Absolventen der BFC. Die qualifizierte Ausbildung unseres zukünftigen Führungsnachwuchses in der Branche ist und bleibt unser Anspruch. Dem versuchen wir jeden Tag vor Ort gerecht zu werden. Und das erfordert von allen ein aktives Miteinander.

Fernstudienprogramm

AH: Sie haben Ihr Programm in den letzten Jahren massiv weiterentwickelt und bieten Mitarbeitern in Autohäusern eine Option an, von dem BFC-Wissen zu partizipieren, denen eine betriebliche Abwesenheit über ein knappes Jahr nicht möglich ist. Wie wird diese berufsbegleitende Offerte in der Branche angenommen?

S. Gerl: Wir sind ganz stolz auf unser Fernstudienprogramm. Innerhalb von fünf Jahren hat sich dieses "Pflänzchen" sehr positiv entwickelt. Aus qualitativen Gründen haben wir die Anzahl der Plätze limitiert und sind zu jedem Starttermin ausgebucht. Bei den Fernstudenten ist festzustellen, dass sie die richtige Einstellung mitbringen. Sie wollen! Neben dem Job die Lernbriefe und Einsendeaufgaben aufzuarbeiten, die Präsenzphasen wahrzunehmen und auch die Modulprüfungen zu absolvieren, ist kein Spaziergang. Aber die Teilnehmer sind so engagiert, wissbegierig und machen unserem Dozententeam viel Freude.

AH: Haben Sie über ihr Unternehmen auch Berührung zum Fernstudium?

H. Peter: Ja, denn zurzeit absolviert ein sehr talentierter Großkundenverkäufer das Fernstudien-Programm. Das fördern wir auch, da wir mit ihm noch mehr vorhaben. Also, aktive Personalentwicklung. In unserem Haus ist es Usus, dass wir unsere Eigengewächse weiterentwickeln, ob es eine Meisterprüfung ist, der Kfz-Betriebswirt oder auch andere automobile Qualifizierungsprogramme. Wir finanzieren diese Wege und stellen Mitarbeiter auch dafür frei. Das gilt auch für den Weg in Richtung BFC.

Das Wichtigste ist Wollen!

AH: Ich möchte nochmals nachfassen: So ich Frau Gerl richtig verstanden habe, ist sie nur eingeschränkt begeistert von dem Engagement des aktuellen BFC-Durchgangs. Wie sehen Sie das aus unternehmerischer Perspektive?

H. Peter: Die BFC war mir auch vor der Übernahme des Amtes als Vorstandsvorsitzender gut bekannt und ich kenne viele Nachfolger, die diesen Studienort besucht haben. Für mich ist es nicht nachvollziehbar, wie wenig diese jungen Menschen aktiv von den Angeboten der BFC Gebrauch machen. Wer mich kennt weiß, dass Netzwerken eine Spezialität von mir ist. Die BFC ist eine fantastische Plattform zum Netzwerken. Wenn ich dann beispielsweise sehe, dass gerade die Söhne und Töchter an den Karrieretagen fehlen, wo viele Kontakte für die Zukunft geknüpft werden könnten, bin ich doch sehr verwundert.

Die Projektarbeiten sind an der BFC nicht nur ein Prüfungsbestandteil, sondern ermöglichen es den Absolventen, in fremde Unternehmen einzutauchen, das Erlernte anzuwenden und mit eigenen Ideen in den Betrieben zu brillieren. Auch hier sind viele Oberflächlichkeiten, mangelndes Engagement wie Interesse an der Tagesordnung. Wir wollen ja als praxisorientiertes Studium an der BFC nicht nur Wissen vermitteln. Die Studentinnen und Studenten sollen auch etwas können! Im Klartext: Vielen fehlt es am Wollen!

Methodische Wandlungen

AH: In Studien zur Berufsbildung ist nachzulesen, dass die jungen Menschen von heute anders lernen und sich informieren, digital, am Tablet oder Smartphone. Gilt das nicht auch für BFC-Studenten?

S. Gerl: Wir verfügen an der BFC über eine IT-Struktur, die es erlaubt mit den neuen digitalen Medien, ePaper, AUTOHAUS next u.a. zu arbeiten. Lassen sie mich einen Kontrapunkt setzen. Wir haben nach wie vor auch echte Talente bei uns, an denen wir uns im gesamten BFC-Team jeden Tag erfreuen. Sie sind interessiert, neugierig, aktiv dabei und werden auch nach dem Studium in der Branche eindeutige Spuren setzen. Ich spreche nicht von Bremsspuren, ganz im Gegenteil! Der Talentpool ist leider nur nicht größer geworden. Ich habe aber die Hoffnung, dass sich das schon im nächsten Studienjahr ändert. Jedes Studienjahr fällt anders aus. Entscheidend für ein gutes Gelingen ist immer, dass die Mehrheit guten Willens ist und die Anderen mitzieht und positiv ansteckt. Viele Ehemalige stehen mit uns noch heute in Kontakt und bestätigen, dass ihr Studium an der BFC die beste Entscheidung war, um vieles im Tagesgeschäft richtig(er) zu machen, in der Vielfalt zu optimieren. Wir können mit Freude ankündigen, dass wir bereits über 100 Anmeldungen für 2019/2020 haben. Der große BFC-Branchenabend findet am 26. Juni, die offizielle Absolventenfeier des 56. Studienjahrs am 27. Juni 2019 in Northeim statt.

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