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Fahrbericht VW Touareg III: Nach oben

Fahrbericht VW Touareg III
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VW hat für die dritte Generation des Touareg alle Register gezogen.
© Foto: VW

Der VW Touareg ist nach dem Aus des Phaeton das einzig verbliebene Luxus-Auto der Wolfsburger. Für dritte Generation des großen SUV hat der Hersteller daher alle Register gezogen. Herausgekommen ist ein Fahrzeug eher für die große Reise als fürs Grobe.

Von Peter Eck/SP-X

Seit Einführung des Touareg hat Volkswagen rund eine Million Einheiten des SUV verkauft. Konnte man an der ersten Generation noch viel Geländewagen finden, war die zweite schon deutlich stärker auf Komfort ausgelegt. Diesen Weg geht die ab 23. Juni erhältliche dritte Generation des in Bratislava gebauten Fünftürers nun weiter. Zum Antrieb steht zunächst ein Sechszylinder-Diesel mit drei Litern Hubraum zur Verfügung, der in zwei Leistungsstufen mit 170 kW / 231 PS und mit 210 kW / 286 PS angeboten wird. Beide Varianten erfüllen zwangsläufig die neueste Abgasnorm Euro 6d temp und sollten damit in Sachen Stickoxid auch in der Praxis sauber sein.

VW hat bislang nur den Preis für die Variante mit dem stärkeren Diesel bekanntgegeben, er liegt bei 60.675 Euro, der schwächere Selbstzünder dürfte rund 3.000 Euro günstiger kommen. Nur die stärkere Version stand uns nun für erste Testfahrten zur Verfügung. Auf sie wird in Deutschland wahrscheinlich auch der größte Teil der Bestellungen entfallen.

Zunächst fällt auf, dass der Touareg um weitere acht Zentimeter auf 4,88 Meter in der Länge gewachsen ist. Kein Wunder, gibt es doch seit einigen Wochen auch einen Tiguan Allspace, der – über dem normalen Tiguan (4,49 Meter) angesiedelt – immerhin bereits 4,70 Meter misst. Auffallend beim Touareg ist vor allem die mächtige Frontpartie, mit ihrem massiven Grill, der mit den Scheinwerfereinheiten zu verschmelzen scheint. Das wirkt fast schon ein wenig zu selbstbewusst. Durch die breiten Schultern und die großen Räder (18 bis 21 Zoll) kommt dem Betrachter der Aufbau darüber nahezu zierlich vor. Da das SUV nicht nur in der Länge, sondern auch in der Breite (plus 4,4 cm auf 1,98 Meter) zugelegt hat, gleichzeitig aber sieben Zentimeter flacher baut, wirkt der Touareg deutlich dynamischer als sein Vorgänger.

Penibel eingerichteter Innenraum

Beim Eintritt erwartet Fahrer und Passagiere ein penibel eingerichteter Innenraum, bei dem kaum Fragen offen bleiben. Der Fahrer blickt durchs Lenkrad auf einen 7-Zoll-Bildschirm sowie in der Mittelkonsole auf einen 9,2-Zoll-Touchscreen. Für den gesalzenen Aufpreis von 3.500 Euro gibt es das sogenannte "Innovision-Cockpit". Es umfasst nochmals größere Bildschirme: Zwölf Zoll vor dem Fahrer und ein 15-Zoll-Touchscreen, beide nur durch eine schmale Naht voneinander getrennt, so dass der Eindruck einer durchgängigen Fläche entsteht. Zudem gehört auch das höherwertige Navi "Discover Premium" dazu ("Discover Pro" ist Serie).

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VW Touareg (2019)
VW Touareg (2019)VW Touareg (2019)VW Touareg (2019)

Die spektakulären Bildschirme sind nur der Auftakt einer scheinbar endlosen Serie an Ausstattungsmöglichkeiten. Eine Auswahl: Luftfederung und Allradlenkung (2.850 Euro), Parkassistent und Rückfahrkamera (1.350 Euro), Metallic-Lack (ab 990 Euro), LED-Matrix-Scheinwerfer (1.870 Euro), Head-Up-Display (1.300 Euro), schlüsselloser Zugang (1.480 Euro) sowie das große Fahrerassistenz-Paket u.a. mit automatischer Distanzregelung, Kreuzungs-, Stau-, Spurhalte- und Spurwechselassistent (2.300 Euro). Hinzu kommen wahlweise Ausstattungspakete, die mit unterschiedlichen Dekoreinlagen bzw Hölzern und Beleuchtungen, den Fahrzeugen einen eigenen Charakter geben sollen. Hier wären zu nennen das eher technisch-kühle "Elegance"- und das eher heimelige "Atmosphere"-Paket (je 1.950 Euro) sowie die besonders sportliche R-Line-Ausstattung (3.300 Euro). Wir haben es ausprobiert: Es ist gar kein Problem, den Grundpreis von 61.000 Euro auf 90.000 Euro zu steigern. Und dazu muss man noch nicht mal jedes mögliche Kreuzchen in der Liste setzen.

Auch damit wird nochmals klarer, was VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann mit seiner Einordnung "Der Touareg ist nicht nahe an der Oberklasse, er ist in der Oberklasse" meinte. VW will mit seinem Flaggschiff vor allem den BMW X5 herausfordern, wird aber wohl oder übel auch den großen Qs von Audi und dem Porsche Cayenne aus dem eigenen Haus Konkurrenz machen. Denn das Fahrzeug ist wie diese auf Komfort abgestimmt und wirkt eher wie eine Reiselimousine vom Schlag eines 5er BMW oder eines Audi A6, weniger wie ein SUV. Nur bei schneller Kurvenfahrt merkt man dem Touareg seine zwei Tonnen Leergewicht an, da nutzen auch die rund 106 Kilo Gewichtsersparnis im Vergleich zu Generation zwei und der aktive Wankausgleich wenig.

Höchstes Reiseniveau

Der durchzugsstarke, im Innenraum kaum zu hörende Diesel, die fein arbeitende Achtgang-Automatik, die exakte Lenkung sowie die bei Bedarf fest zupackenden Bremsen sorgen für höchstes Reiseniveau. Und seien wir ehrlich: Das ist doch, was sich der Fahrer eines Luxus-SUV vor allem wünscht. Erhalten bleiben die 3,5 Tonnen Anhängelast, wichtig für jene laut Volkswagen 60 Prozent aller deutschen Touareg-Besitzer, die das Fahrzeug auch als Zugwagen nutzen. Nutzenorientierten Fahrern wird auch gefallen, dass der Kofferraum nun 810 Liter und damit über 100 Liter mehr fasst als bislang.

Wobei der Nutzwert beim Käufer wohl eher eine untergeordnete Rolle spielen wird. Auf dem Weg nach oben in die Premium-Liga ist der Touareg vielmehr zum Reiseauto mit viel Platz, höchstem Komfort und nur bei Bedarf auch mit Zug- oder Kletterqualitäten geworden. Man darf gespannt sein, wie schnell sich Technik und Designansatz in weiteren neuen Modellen niederschlagen werden. Denn hier gibt der Touareg innerhalb der Marke VW die Richtung für die nächsten Jahre vor.

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