Erste Fahrt im Kia Seltos: Entspannt auf Erfolgskurs

13.07.2026 15:27 Uhr | Lesezeit: 4 min
Weltweit zählt der Seltos zu den wichtigsten Modellen von Kia.
© Foto: Kia

Weltweit zählt der Seltos zu den wichtigsten Modellen von Kia. In Europa war er bislang jedoch nur Zaungast. Mit der zweiten Generation ändert sich das nun. Der kompakte SUV verbindet viel Platz und eine großzügige Ausstattung mit einem äußerst entspannten Charakter.

Manchmal ist die wichtigste News eines Herstellers kein neues Auto, sondern eine Erkenntnis. Wie in diesem Fall, in dem Kia einsieht, dass man ein Erfolgs-Modell den europäischen Kunden viel zu lange vorenthalten hat. Jahrelang war der Seltos ein gefeierter Weltenbummler und heimlicher Held im Kia-Kosmos. Nur nicht bei uns. Während das Kompakt-SUV in den USA, Indien oder Südkorea zu den tragenden Säulen der Marke zählt und sich intern global nur dem Sportage geschlagen geben muss, blieb Europa bislang außen vor. Ein mutiger Verzicht. Schließlich gibt es derzeit kaum ein Segment, das erfolgreicher ist. Genau dort mischt die zweite Generation des Seltos künftig auch bei uns mit – zwischen VW T-Roc, Nissan Qashqai oder Skoda Karoq. Ein Haifischbecken, in dem nur überlebt, wer mehr kann als gut aussehen.

Zumindest beim ersten Eindruck dürfte der Plan aufgehen. Zwischen Xceed und Sportage haben die Designer dem in Korea gebauten Seltos den Auftritt eines Elektroautos verpasst - obwohl unter dem Blech zunächst ausschließlich ein klassischer Verbrenner sitzt. Was ja fast schon rebellisch anmutet. Dabei zitieren die schmalen Leuchten mit der markentypischen Star-Map-Grafik, die kantigen Flächen und das breite Heck mit dem durchgehenden Leuchtenband unverkennbar die elektrische EV-Familie. Das wirkt modern, ohne angestrengt futuristisch erscheinen zu wollen. Der Kia Seltos bleibt optisch angenehm und unaufdringlich, will nicht provozieren, sondern gefallen.

Bekanntes Interieur

Auch im Innenraum geht der "Sohn des Herkules", auf den der Name Seltos zurückgeht, nicht auf Konfrontationskurs. Alles wirkt so, wie es vermutlich viele Autofahrer selbst einrichten würden. Das 31,2 Zentimeter breite, dreigeteilte Panoramadisplay, das wir schon aus anderen Kia-Modellen kennen, spannt sich über das Cockpit und vermittelt jene digitale Bühne, die heute fast schon zum guten Ton gehört. Links Instrumente, mittig Klima, rechts Infotainment. Alles ist übersichtlich und einfach zu bedienen. So weit, so breit, so bekannt. Doch darüber hinaus verlieren die Koreaner aber nicht den gesunden Menschenverstand. Wo andere Hersteller aktuell jede Funktion liebend gerne hinter Untermenüs verstecken, bleiben im Seltos wichtige Schalter dort, wo sie seit Jahrzehnten hingehören – griffbereit unter dem Bildschirm. Lautstärke, Klimatisierung oder Direktzugriffe lassen sich intuitiv bedienen, ohne zuvor Informatik studiert zu haben. Fragezeichen haben Sendepause. Das klingt banal, ist im Jahr 2026 aber schon mehr als eine Randnotiz wert.

Überhaupt wirkt der Innenraum wie von einem guten Kumpel eingerichtet. Ohne modischen Firlefanz oder Chichi. Einfach, praktisch. Fahrer und Beifahrer sitzen angenehm hoch, die Übersicht stimmt. Die Premium Relaxation Sitze aus den EV-Modellen ziehen mit ein und machen den Seltos in kurzen Pausen zum gemütlichen Liegewagen, selbst große Menschen finden auf der Rückbank überraschend viel Platz. Die hintere, neigungsverstellbare Lehne erhöht den Reisekomfort zusätzlich. Während viele coupéartige SUV ihre Passagiere im Fond mit schmalen Fensterflächen und knapper Kopffreiheit bestrafen, bleibt der Seltos auch hier vernünftig. Mit 536 Litern Gepäckraumvolumen gehört er zudem zu den geräumigsten Fahrzeugen seiner Klasse. Klappt die Rückbank um, entstehen über 1.511 Liter Ladevolumen. Hinzu kommen zahlreiche Ablagen, clevere Verzurrmöglichkeiten und praktische Details, die man meist erst dann vermisst, wenn sie fehlen.

Natürlich ist auch der Seltos nicht gänzlich frei von Schwächen. Einige Hartplastikflächen wirken einfacher, als es der ansonsten hochwertige Eindruck erwarten lässt. Die Sitze könnten bei schneller Kurvenfahrt mehr Seitenhalt bieten, und der vergleichsweise hohe Ladeboden kostet bei sperrigem Gepäck etwas Praktikabilität. Meckern auf gutem Niveau.

Zwei Hybridversionen mit 110 kW/154 PS und 131 kW/178 Allrad-PS folgen Ende des Jahres
Zwei Hybridversionen mit 110 kW / 154 PS und 131 kW / 178 Allrad-PS folgen Ende des Jahres.
© Foto: Kia

Hoher Einstiegspreis - viel Ausstattung

Bei der Ausstattung zeigt sich Kia großzügig und packt gleich ordentlich ein. Das erklärt auch den selbstbewussten Einstiegspreis von gut 34.190 Euro. Bereits die Einstiegsversion Vision bringt LED-Licht, elektrische Sitzverstellung, Sitz- und Lenkradheizung, Rückfahrkamera, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, einen Ki-Sprachassistenten sowie ein umfangreiches Paket an Sicherheits-Assistenzsystemen serienmäßig mit. Spirit, GT-Line und X-Line haben noch Head-up-Display, Harman/Kardon-Soundsystem, Sitzbelüftung, Panorama-Glasdach oder digitale Fahrzeugschlüssel im Gepäck.

Wenn Bewegung in den Alltag kommt, gibt sich der Seltos bewusst konservativ. Auch, wenn vieles auf einen aktuellen Stromer hindeutet, arbeitet unter der Haube ein handelsüblicher 1,6-Liter-Turbobenziner mit 132 kW / 180 PS. Wahlweise gekoppelt an Front- oder Allradantrieb - und noch komplett ohne elektrische Unterstützung. Zwei Hybridversionen mit 110 kW / 154 PS und 131 kW / 178 Allrad-PS folgen Ende des Jahres. Gerade in einem Markt, in dem elektrifizierte Antriebe zunehmend an Bedeutung gewinnen, dürfte da so mancher Interessent lieber noch einige Monate warten. Zumal diese per Vehicle-load-Funktion (V2L) externe Geräte wie E-Fahrräder oder Staubsauger mit Strom versorgen können. Ein Novum bei Mild-Hybriden.

Bis dahin erfreuen wir uns an einem Antrieb, der seinen Job mit großer Selbstverständlichkeit erledigt. Unspektakulär und leise. Der Vierzylinder arbeitet kultiviert und meldet sich nur bei aktiverem Leistungseinsatz mal zu Wort. Das maximale Drehmoment ist früh am Start, der Verbrenner versteht sich ziemlich gut mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, es geht voran, nicht unbedingt sportiv aber angenehm mühelos. Ohne Frage würde die Unterstützung eines E-Motors den Seltos zu noch mehr Souveränität verhelfen und die ein oder andere Atempause beim Beschleunigen kaschieren. Vernünftig motorisiert trifft es wohl am besten. Das 4,43 Meter-SUV will niemanden beeindrucken, sondern möglichst viel richtig machen.

Bis zu 1.511 Liter passen in den Gepäckraum
Bis zu 1.511 Liter passen in den Gepäckraum.
© Foto: Kia

Das gilt auch für das Fahrwerk. Die Federung arbeitet erwartungsgemäß komfortabel, das Handling ist tadellos, auch weil der Seltos mit seinen nur 1,6 Tonnen ziemlich befreit aufspielen kann. Schnell merkt man allerdings, dass Dynamik nicht oberste Priorität hatte. Statt messerscharfer Einlenkmanöver serviert der Seltos Gelassenheit. Schlaglöcher verschwinden souverän unter den Rädern und selbst auf schlechteren Straßen bleibt der Aufbau überraschend ruhig. Die Lenkung arbeitet präzise genug, ohne den Fahrer mit übertriebener Sportlichkeit zu nerven. Wer täglich pendelt, die Familie transportiert oder lange Urlaubsfahrten absolviert, wird genau diese entspannte (Ab)Stimmung zu schätzen wissen.

Kia betont, dass sie viel Entwicklungsarbeit eigens für Europa betrieben haben. Während die Fronttriebler überwiegend in Korea abgestimmt wurden, kümmerten sich die Ingenieure in Rüsselsheim vor allem um die Allradversionen. Die Lenkung erhielt in Spanien ihren Feinschliff. So fährt der Seltos nicht wie ein spontaner Gast aus Übersee, sondern wie von Anfang an für Europas Straßen gemacht.

Am Ende des ersten Speed-Datings hinterlässt der Seltos eine angenehme Mischung aus Selbstverständlichkeit und Sympathie. Er verzichtet auf technische Showeffekte, ohne altmodisch zu wirken. Er will kein Held für den Stammtisch sein, sondern ein Buddy für jeden Tag. Beste Voraussetzungen also, um auch in Europa ganz entspannt auf Erfolgskurs zu gehen.


Technische Daten Kia Seltos 1.6 TGDI 2WD

  • Viertüriges, fünftüriges SUV der Kompaktklasse
  • Länge: 4.43 Meter
  • Breite: 1.83 Meter
  • Höhe: 1.61 Meter
  • Radstand: 2,69 Meter
  • Kofferraumvolumen: 536 – 1.511 Liter
  • 1-6-Liter-Vierzylinder-Benziner
  • 132 kW/180 PS
  • maximales Drehmoment: 265 Nm
  • 0-100 km/h: 9,2 s Vmax: 200 km/h
  • Kraftstoffverbrauch (kombiniert, WLTP): 6,9 l/100 km
  • CO2-Ausstoß (kombiniert, WLTP): 156 g/km
  • Preis: ab 34.190 Euro



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