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Kommentare () Kommentare (0) 08.04.2014

Karmann-Insolvenz

Volkswagen hat sich in Osnabrück etabliert

Karmann-Insolvenz
Volkswagen hat sich in Osnabrück etabliert
VW-Werk in Osnabrück
Vor fünf Jahren meldete der Karosseriebauer Karmann Insolvenz an. Inzwischen produziert der Volkswagen-Konzern in Osnabrück.
© Foto: VW

Vor fünf Jahren meldete der Karosseriebauer Karmann Insolvenz an. Inzwischen produziert der Volkswagen-Konzern in den Hallen des einst größten Cabrioherstellers Europas.

Vor fünf Jahren, auf dem Höhepunkt der weltweiten Autokrise, kam das harte Aus: Am 8. April 2009 musste die Geschäftsführung des traditionsreichen Osnabrücker Autoherstellers Karmann beim Amtsgericht den Insolvenzantrag stellen. Das war das Ende für ein relativ kleines, aber bekanntes Unternehmen der deutschen Autoindustrie und des einst größten Cabrio-Herstellers Europas. Inzwischen werden in Osnabrück wieder Autos gebaut, vom früheren Karmann-Kunden Volkswagen. Autofans können sogar wieder einen "Karmann" kaufen - es ist der Name einer Sonderedition des Golf-Cabrios, die in Osnabrück vom Band läuft.

"Das Osnabrücker Volkswagenwerk hat sich etabliert", sagt Stephan Soldanski von der örtlichen IG Metall. Ende 2009 willigte der größte europäische Autokonzern ein, wesentliche Teile des insolventen Unternehmens zu übernehmen. Nicht nur der Fahrzeugbau kam unter das Dach der Wolfsburger, auch der Werkzeugbau und die technische Entwicklung. Heute arbeiten bei der VW-Stammbelegschaft 2050 Kollegen, 80 Prozent davon waren vorher "Karmänner".

Es war keine Betriebsübernahme, sondern die Neugründung der Volkswagen Osnabrück GmbH, wie ein Sprecher von Insolvenzverwalter Ottmar Hermann erläutert. Die Beschäftigten mussten sich neu bewerben und eine Kröte schlucken: Bislang verzichten sie auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld und auf fünf Prozent des Grundentgelts. Erst zum 1. Januar 2015 gelte für sie der Flächentarifvertrag, sagt Betriebsratsvorsitzender Wolfram Smolinski: "Das haben alle als Eintrittskarte in die VW-Welt akzeptiert. Da gab es nie Kritik dran."

Von 8.000 auf 2.000 Mitarbeiter

Smolinksi war auch Betriebsratsvorsitzender bei Karmann, als das Unternehmen Insolvenz anmeldete. Seit 2004 habe er 17 oder sogar 18 Sozialpläne mitverhandelt, sagt Smolinksi. Der Untergang der Traditionsmarke habe sich also schon Jahre vorher angekündigt. Eine Zahl macht das deutlich: Beim 100-jährigen Bestehen 2001 beschäftigte die Gruppe weltweit noch 8.000 Mitarbeiter. Bei Volkswagen Osnabrück sind es besagte rund 2.000. Es gebe aber viele frühere Karmann-Mitarbeiter, die inzwischen Hartz-IV-Empfänger seien, sagt IG-Metall-Mann Soldanski. Wie viele, kann er nicht sagen. Auch die Agentur für Arbeit Osnabrück ist überfragt, was mit dem Großteil der früheren Karmann-Beschäftigten geworden ist. "Nach zwei Jahren wird das nicht mehr statistisch erfasst", sagt Behördensprecher Peter Schröder.

Im VW-Konzern sei Osnabrück das Werk für Klein- und Kleinstserien, heißt es aus der Wolfsburger Zentrale. Aktuell läuft an dem Traditionsstandort für VW das Cabrio-Modell des Golf vom Band. Für Porsche baut das Werk den Boxster, bis Ende des Jahres. Außerdem wird die Coupé-Version Cayman gebaut. Daneben entsteht in dem Werk der Technologieträger XL 1, ein Super-Leichtbau Hybrid-Auto. "Wenn wir damit fertig sind, werden wir davon 250 Stück gebaut haben", sagt Smolinksi.

Die Osnabrücker VW-Mitarbeiter blicken optimistisch in die Zukunft, trotz einer momentanen Absatz-Flaute für Cabrios. Der Konzern habe immerhin in den vergangenen Jahren mehr als 300 Millionen Euro in den Standort investiert, betont Smolinski. Der Wunsch des Betriebsrats und der Gewerkschaft an die Konzernleitung ist ein weiteres Modell, damit das Osnabrücker Werk über das Jahr gesehen kontinuierlicher ausgelastet ist. Damit hätten vor allem die gut 200 bei der VW-Tochter AutoVision beschäftigten Zeitarbeitskollegen eine bessere Chance auf Übernahme, sagt Soldanski.

Abschied von der Auftragsfertigung

Bleibt die Frage, ob Karmann wirklich scheitern musste. Schon ein halbes Jahr vor der Insolvenz gab die Unternehmensleitung den Ausstieg aus der Auftragsfertigung bekannt, weil es keine Neuaufträge gab. Das sei ein Fehler gewesen, sagt Smolinksi. "Man sieht ja, dass andere Auftragsfertiger noch im Geschäft sind", so der Betriebsratsvorsitzende. Autoexperte Stefan Bratzel ist der Ansicht, dass das Geschäft mit der Auftragsfertigung zwar kein Massenphänomen geworden sei, die Dienstleister aber nach wie vor eine gesunde Perspektive hätten. Für nicht wenige laufe es daher gut. Andererseits gebe es eine Gegenbewegung, die den Auftragsfertigern das Leben erschwere: Die Modularisierung der Produktion. Gemeint sind damit Baukastensysteme, die möglichst viele identische Teile in viele unterschiedliche Modelle bringt. Das hilft beim Kostensparen. (dpa)

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