Klimaschutz: Gabriel will Autoherstellern an den Kragen

15.01.2007 11:55 Uhr
Umweltminister Gabriel hat gesetzliche Vorgaben zur Senkung des Spritverbrauchs bei Neuwagen angekündigt.

Umweltminister kündigt gesetzliche Vorgaben zur Senkung des Spritverbrauchs bei Neuwagen an / Experte: Industrie verfehlt Ziele

Die europäische Automobilindustrie muss sich auf gesetzliche Vorgaben zur Senkung des Spritverbrauchs ihrer Neuwagen einstellen. Das kündigte Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) in einem Interview mit der "Welt am Sonntag" an. Hintergrund ist die nach wie vor hohe Klimabelastung durch den Straßenverkehr. "Alle Automobilhersteller in Europa müssen runter mit dem Spritverbrauch", sagte Gabriel der Zeitung. Denkbar seien verschiedene Instrumente, sowohl ordnungsrechtlicher als auch ökonomischer Art. "Etwa die Festlegung von Verbrauchsobergrenzen, ein Emissionshandelssystem für den Verkehrssektor, eine Kennzeichnungspflicht über den Spritverbrauch oder ein Mix aus mehreren Instrumenten", sagte Gabriel. Als mögliche Obergrenzen nannte der Umweltminister die ursprünglich von der europäischen Automobilindustrie ausgesprochene Selbstverpflichtung. Danach wollten die Konzerne freiwillig bis zum Jahr 2008 den Ausstoß von Kohlendioxid bei Neuwagen auf 140 Gramm pro Kilometer begrenzen. Das entspräche etwa einem Verbrauch von 5,8 Litern bei Benzin- und 5,1 Litern bei Dieselfahrzeugen. Dieses Ziel wird nach Einschätzung von Experten jedoch verfehlt. So kommt der Autofachmann Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen in einer Analyse für das Wirtschaftsmagazin "Capital" zu dem Ergebnis, dass die Emissionen zuletzt bei 161 Gramm lagen. "Das Ziel ist in diesem Jahr nicht mehr zu erreichen", sagte Dudenhöffer. "Das Einsparpotenzial durch Dieselfahrzeuge ist beinahe ausgereizt und Verbesserungen in der Motorentechnologie werden durch den Trend zu höheren PS-Zahlen und mehr Gewicht wieder wett gemacht", so Dudenhöffer. Ein Verbrauch von 5,8 Litern bei Benzin- und 5,1 Litern bei Dieselautos könne die erste Obergrenze sein, sagte Gabriel. "Der nächste Schritt wären dann 120 Gramm, deren Einhaltung ja die Autoindustrie bis 2012 angekündigt hat. Das entspräche einem Diesel-Verbrauch von deutlich unter fünf Litern", so der Umweltminister. Deutsche Hersteller stehen schlecht da Nach den Berechnungen Dudenhöffers liegt die Schuld für das Verfehlen der Eigenverpflichtung vor allem bei den deutschen Herstellern. So lägen die CO2-Emissionen in Europa bei den Fahrzeugen des VW-Konzerns in Schnitt bei 163, bei DaimlerChrysler bei 184, bei BMW bei 190 und bei Porsche sogar bei knapp 300 Gramm pro Kilometer. Im Vergleich dazu stünden die Autogruppe Fiat mit Alfa-Romeo und Lancia sowie die PSA-Gruppe mit Citroën und Peugeot sowie Renault mit gut 150 Gramm recht gut da. (dpa)

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