Mit rund 250 Fachbesuchern aus den Bereichen Versicherung, Sachverständigenwesen, Instandsetzung und Technologie war die Veranstaltung am 23. April vollständig ausgebucht. Unterstützt durch Partner wie die DAT und Audatex AUTOonline etabliert sich der BVAT Scanner-Benchmark zunehmend als wichtiges Branchenformat für Transparenz, technologische Vergleichbarkeit und Qualitätssicherung in der digitalen Hagelschadenanalyse.
Neue Benchmark-Methodik mit erschwerten Testbedingungen
Im Unterschied zum ersten Benchmark in 2025 (wir berichteten mehrfach) wurden die Schäden beim zweiten BVAT Scanner-Test bewusst und kontrolliert durch die Expertenjury erzeugt. Ziel war es, eine maximale Vergleichbarkeit der Bedingungen zwischen den einzelnen Systemen sicherzustellen.
Diese standardisierte Vorgehensweise stellte laut BVAT-Präsident Lars Rottmann gleichzeitig eine neue technologische Herausforderung dar: KI-basierte Scansysteme sind primär auf reale Hagelschadenmuster trainiert. Die künstlich gesetzten Vergleichsschäden erzeugten daher teilweise abweichende Interpretationen in der Schadenklassifizierung – insbesondere bei Größenbewertung, Rundungsverfahren und Bauteilzuordnung. Gerade diese kontrollierten und reproduzierbaren Bedingungen lieferten jedoch einen außergewöhnlich hohen Erkenntnisgewinn für Hersteller, Sachverständige und den BVAT. Die Systeme konnten somit unter identischen Rahmenbedingungen analysiert, verglichen und hinsichtlich ihrer technologischen Weiterentwicklung bewertet werden.
DEKRA Lausitzring als optimale Testumgebung
Als Hauptsponsor und Gastgeber stellte die DEKRA am Lausitzring die infrastrukturelle Basis für das komplexe Test- und Vergleichsszenario bereit. Die Kombination aus neutraler Prüfumgebung, standardisierten Abläufen und unabhängiger Dokumentation ermöglichte nach Ansicht der Juroren einen "belastbaren Vergleich der Systeme unter praxisnahen Bedingungen". Getestet wurden mehrere Fahrzeuge mit unterschiedlichen Lackierungen und Oberflächencharakteristika – darunter Silber-, Grau-, Weiß- und Blaulackierungen –, um unterschiedliche Reflexions- und Erkennungsbedingungen abzubilden.
Expertenjury sichert Neutralität und Vergleichbarkeit
Um eine objektive und revisionssichere Bewertung sicherzustellen, wurde der Benchmark von einer zehnköpfigen Fachjury aus den Bereichen Versicherung, Sachverständigenwesen und Technik begleitet. Die Jury überwachte sowohl die kontrollierte Präparation der Testfahrzeuge, als auch die standardisierte Durchführung und Dokumentation der Ergebnisse.
Der Jury gehörten an (siehe auch vorstehende Bild-Übersicht):
- Natalja Schramm (DEKRA)
- Almin Bektic (Hagel-Team)
- Maik Erler (carexpert)
- Thomas Koob (Zurich)
- Robert Wagner (Dellen Zentrum)
- Zemir Kadiric (Zemir Kadiric (LADOK Lackier u. Hagelschaden Zentrum)
- Matthias Deppert (Württembergische)
- Ramsi Mekkioui (Provinzial) und
- Edwin Eichert (Fuchs SV).
Führende Scanner-Systeme im direkten Vergleich
Im Zentrum des Benchmarks standen die technologischen Lösungen der marktführenden Hersteller für KI-gestützte Hagelschadenerfassung.
Folgende Systeme nahmen am Benchmark teil:
- ADI (Drive’n’Scan)
- Autoscan (Autoscan)
- HaSt (BUHDA X-press)
- NTA (Elscope Vision)
Jedes System absolvierte zwei vollständige Durchläufe unter identischen Bedingungen. Neben der reinen Detektionsgenauigkeit lag der Fokus insbesondere auf der Reproduzierbarkeit der Ergebnisse – einer entscheidenden Voraussetzung für die zukünftige Akzeptanz digitaler Schadenprozesse durch Versicherungen, Sachverständige und Flottenbetreiber.
Hohe Reproduzierbarkeit erreicht
Die Ergebnisse des zweiten BVAT Scanner-Benchmarks lieferten ein differenziertes und technologisch äußerst wertvolles Gesamtbild. Besonders positiv fiel die hohe Reproduzierbarkeit der Ergebnisse auf. Trotz der bewusst erschwerten und hochstandardisierten Testbedingungen lagen die Systeme in zentralen Bewertungsbereichen bemerkenswert nah beieinander. Die Jury bewertete dies als wichtigen Schritt hin zu einer belastbaren Standardisierung digitaler Hagelschadenerfassung.
Die anspruchsvollen Referenzbedingungen machten gleichzeitig sichtbar, in welchen Bereichen KI-gestützte Schadenbewertung künftig weiter verfeinert werden kann – insbesondere bei speziellen Reflexionsmustern, künstlich erzeugten Vergleichsschäden sowie unterschiedlichen Lack- und Oberflächenstrukturen. Die festgestellten Unterschiede lagen dabei häufig weniger in der eigentlichen Schadenerkennung als vielmehr in unterschiedlichen Bewertungs-, Rundungs- und Klassifizierungslogiken der Systeme.
Kommentare der Hersteller
ADI: "ADI GmbH ist ein erfolgreiches, international tätiges deutsches Unternehmen mit Sitz im Raum München. Das Unternehmen hat sich auf die Digitalisierung von Fahrzeugschadenprozessen spezialisiert und ist weltweit in verschiedenen Märkten aktiv. Mit seinen in Deutschland entwickelten Lösungen steht ADI für Qualität, Zuverlässigkeit und Innovationskraft ,Made in Germany'.
ADI unterstützt Versicherungen, Leasinggesellschaften und Flottenbetreiber dabei, ihre Schadenprozesse effizienter, transparenter und skalierbar zu gestalten. Durch seine zunehmende internationale Präsenz und erfolgreiche Marktentwicklung hat sich ADI als relevanter Partner in der globalen Automobil- und Versicherungsbranche etabliert. Die Teilnahme an internationalen Brancheninitiativen und unabhängigen Benchmarks unterstreicht zudem die aktive Rolle des Unternehmens bei der Weiterentwicklung von Standards und der Förderung moderner, digitaler Schadenprozesse. Wir freuen uns schon jetzt darauf, auch im nächsten Jahr wieder teilzunehmen."
Autoscan: "Autoscan hat in diesem Jahr erneut am Hagelscanner-Benchmark von BVAT und DEKRA teilgenommen. Solche unabhängigen Vergleichstests sind für uns ein wichtiger Startpunkt, um Systeme unter definierten Bedingungen zu vergleichen – auch wenn solche Ergebnisse nicht in jedem Punkt die Performance und Ergebnisse im realen Tagesbetrieb, mit realen Schäden widerspiegeln.
Der Benchmark bestätigt aus unserer Sicht vor allem eines: Die Anforderungen an automatisierte Schadenbewertung entwickeln sich kontinuierlich weiter und müssen regelmäßig unter realistischen Bedingungen überprüft werden. Genau dafür ist das Format von BVAT und DEKRA wertvoll – als transparenter Referenzrahmen für die gesamte Branche. Wir nehmen die Erkenntnisse aus dem diesjährigen Benchmark sehr konkret mit und überführen sie in unsere laufenden Optimierungen. Unser Fokus bleibt klar: eine robuste, skalierbare Lösung, die Prozesse standardisiert, Zeit spart und Schäden zuverlässig dokumentiert. Wir bedanken uns bei BVAT und DEKRA sowie allen Beteiligten für die professionelle Durchführung und den konstruktiven Austausch.“
Elscope Vision/NTA: "Für NTA steht der Benchmark für einen wichtigen Schritt hin zu mehr Transparenz und Akzeptanz digitaler Hagelschadenerfassung. Entscheidend ist aus unserer Sicht nicht allein die reine Detektion, sondern ein schlanker, praxistauglicher Scanprozess, der unter realen Bedingungen reproduzierbare und belastbare Ergebnisse liefert. Genau diese Kombination aus Geschwindigkeit, Prozesssicherheit und technischer Präzision schafft Mehrwert für Versicherer, Sachverständige und Reparaturbetriebe. Der direkte Vergleich zeigt, wo moderne Systeme heute stehen und wo wir die Entwicklung konsequent weiter vorantreiben.“
HaSt: "Wir danken allen Beteiligten und Sponsoren für die Organisation und Durchführung. Als HaSt möchten wir das Ergebnis einordnen: Unsere Analysesysteme sind konsequent auf reale Hageldellen trainiert – mit über hunderttausend erfolgreichen Praxiseinsätzen als Grundlage. Echte Hageldellen besitzen spezifische Merkmale, die für das menschliche Auge nicht sichtbar, für unsere Systeme jedoch eindeutig erkennbar sind. Künstlich geschlagene Dellen weichen teilweise davon ab – und werden von unseren Analysen entsprechend bewertet.
Wir sehen darin die Stärke unserer Technologie und würden uns freuen, wenn künftige Benchmarks auf realen Hagelschadenfahrzeugen basieren. Intern werden wir gleichwohl diskutieren, ob wir unsere Systeme künftig um die gezielte Erkennung von Nicht-Hageldellen erweitern – auch mit Blick auf kommende Benchmarks. Dennoch freuen wir uns sehr, dass unsere Technologie in diesem Benchmark am Ende das beste Ergebnis erzielen konnte.“
Hoher Erkenntnisgewinn für Hersteller und Branche
Der Benchmark zeigte nach Überzeugung des Bundesverbands Ausbeultechnik und Hagelinstandsetzung e.V. (BVAT) und der Benchmark-Jury "eindrucksvoll, wie dynamisch sich die Technologie im Bereich KI-basierter Hagelschadenerfassung weiterentwickelt".
Sowohl die Hersteller, als auch der BVAT als unabhängiger Durchführer des Formats konnten nach jeweils eigenem Bekunden wertvolle Erkenntnisse gewinnen, um die Vergleichbarkeit, Standardisierung und technologische Reife der Systeme weiterzuentwickeln. Besonders der frühe und offene Austausch zwischen Herstellern, Versicherungen, Sachverständigen und Reparaturbetrieben erwies sich als zentraler Erfolgsfaktor der Veranstaltung. Der BVAT Scanner-Benchmark entwickelt sich damit zunehmend zu einem relevanten Branchenformat für Transparenz, Vergleichbarkeit und technologische Qualitätssicherung in der digitalen Schadenbewertung.
Expertenprogramm und Networking
Parallel zum Praxistest bot ein umfangreiches Fachprogramm vertiefende Einblicke in die Digitalisierung des Schadenmanagements. Experten der DAT, Audatex AUTOonline, aspaara und Tomago referierten über aktuelle Entwicklungen im Bereich KI-gestützter Prozessoptimierung – von automatisierter Spracherkennung bis hin zu digitalen Workflow-Lösungen. Ergänzt wurde das Programm durch praxisorientierte Best-Practice-Vorträge der Systemdienstleister Car Solutions International, HZ-DATA, WinValue sowie des Hagelschaden Zentrum Deutschland (HZD).
Ein besonderes Highlight bildete zudem die Live-Demonstration des PDR-Vize-Meisters Waldemar Meier, der die handwerklichen Möglichkeiten und Grenzen moderner sanfter Instandsetzung eindrucksvoll demonstrierte. Durch das Tagesprogramm führte erneut Axel Krüger (DAT), der die Veranstaltung mit fachlicher Expertise moderierte.
Veranstaltungs-Fazit
Das Gesamtfazit des zweiten BVAT Scanner-Benchmarks fällt aus Verbandssicht "ausgesprochen positiv" aus: Unter den bewusst erschwerten und hochstandardisierten Testbedingungen erzielten alle teilnehmenden Systeme belastbare und in weiten Teilen reproduzierbare Ergebnisse. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass sich KI-gestützte Scansysteme technologisch auf einem hohen Entwicklungsstand befinden und die Branche wichtige Fortschritte bei Transparenz, Vergleichbarkeit und Standardisierung erzielt hat. Gleichzeitig wurde sichtbar, in welchen Bereichen zukünftige Optimierungen und gemeinsame Branchenstandards sinnvoll sein werden. Für Hersteller, Sachverständige, Versicherungen und den BVAT entstand dadurch ein außergewöhnlich hoher methodischer und technologischer Erkenntnisgewinn. Der Benchmark bestätigt damit nicht nur den technologischen Fortschritt der Branche, sondern auch die hohe Relevanz unabhängiger Vergleichsformate zur Weiterentwicklung digitaler Schadenprozesse.
Ausblick
Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse und des großen Interesses plant der BVAT bereits die Weiterentwicklung des Formats. Ziel ist es, den Scanner-Benchmark künftig noch umfassender, internationaler und technologisch differenzierter auszurichten. Eine Fortsetzung im kommenden Jahr wird derzeit gemeinsam mit Herstellern, Versicherungen, Sachverständigen und weiteren Branchenpartnern geprüft.