Der 64. Deutsche Verkehrsgerichtstag war seine letzte offizielle Mission für seinen längsten Arbeitgeber Allianz Versicherungs-AG, der er das letzte Vierteljahrhundert angehört hatte. Und Jens Opitz, in der gesamten Dienstleisterbranche hoch geschätzter Verhandlungspartner aus dem Fachstab Schaden, nutzte noch einmal die große Bühne in Goslar, um sich von möglichst vielen Geschäftspartnern, Unternehmen und auch Freunden ganz persönlich zu verabschieden.
Berufsstart vor 43 Jahren im Autohandel
Seine berufliche Laufbahn begann Opitz 1983 im Automobilhandel bei VW-, Audi- und Porsche-Betrieben. Nach sechs Jahren im Teile- und After-Sales-Geschäft, zuletzt als Leiter After Sales im Ersatzteilvertrieb, wechselte er 1989 in die ADAC-Zentrale München und war dort bis 1995 im weltweiten Notruf im 3-Schicht Betrieb tätig.
Steile Karriere im Assistance-Geschäft
1995 übernahm er bei der Mercur Assistance zunächst das Netzmanagement und später als Leiter der Service- und Notrufzentrale die operative Verantwortung im Inland sowie als Primus inter pares die fachliche Vertretung der Kraft-Geschäftsleitung in deren Abwesenheit.
Unter seiner Mitwirkung entwickelte sich das Unternehmen bis zum Verkauf an die Münchener Rück zur größten Assistance-Gesellschaft Deutschlands. Er verantwortete mit eigenem Team und umfangreichen Vertretungsstrukturen den operativen Betrieb für namhafte Versicherer wie Allianz, Württembergische, Signal Iduna und weitere.
Allround-Könner im Schadenmanagement
Ab 2001 war Jens Opitz in der Hauptverwaltung der Allianz Versicherungs-AG tätig. Zunächst im Fachstab Schaden als betriebswirtschaftlicher Referent für Kosten-, Budget- und AK-Planung sowie im Controlling der Mondial Assistance, später als Six-Sigma-Black-Belt-Projektleiter mit Schwerpunkt Prozessoptimierung. Als Handlungsbevollmächtigter im Dienstleistermanagement verantwortete er die Neuausrichtung und weitgehende Automatisierung der Autoglas-Schadenbearbeitung sowie die Entwicklung spezialisierter Prüfprozesse, unter anderem für Abschlepp-, Mietwagen- und weitere schadenspezifische Rechnungen. Er erstellte fachliche Leitfäden, führte bundesweite Schulungen durch und gestaltete die Prozessstrategie in Zusammenarbeit mit Anwaltskanzleien. Viele dieser Prüfungsansätze sind heute in über 40 Versicherungen Standard. Intern trägt er daher den Spitznahmen "Abschlepp-/ Mietwagen Papst".
Als Leitender Handlungsbevollmächtigter verantwortete Opitz zusätzlich die fachliche Steuerung der Vertragssachverständigen und Hageldienstleister in enger Abstimmung mit dem Schadenaußendienst. Zudem vertrat er die Allianz ab 2024 als Chefsachverständiger im Rahmen des Dienstleistermanagements gegenüber der DEKRA.
Experte bei SPN und in vielen Arbeitskreisen
Im SPN-Projekt (Werkstatt Management) verantwortete er die neue Einführung der KV-Cloud-Lösung mit DAT, Audatex und Werkstattpartnern. Darüber hinaus vertrat er verschiedene Allianz-Gesellschaften in Arbeitskreisen des GDV, führte Ausschreibungen durch, verhandelte Dienstleister- und Mietwagenverträge und fungierte als fachliche Schnittstelle zwischen Hauptverwaltung und operativen Einheiten.
In den letzten Jahren seines Berufslebens lag sein Fokus verstärkt auf strukturierten Daten, Schnittstellenarchitekturen sowie regulatorischen Anforderungen, insbesondere im Kontext von Datenschutz und DORA.
Gedanken an den Ex-Kollegen Seyfferth
Im Gespräch mit unserer Redaktion blickte Jens Opitz auf eine gute Zeit zurück, die "nicht immer einfach und ohne Robert Seyfferth auch eine andere Welt" geworden war. Wie Opitz, so lebte auch der von ihm angesprochene Seyfferth die "Passion" Allianz. Beide leiteten zusammen viele Projekte von branchenweiter Bedeutung, koordinierten das komplette Schadenmanagement der Allianz und arbeiteten direkt dem damaligen Kraftschadenchef Michael Wagner sowie dem seinerzeitigen Kraft-Vorstand Dr. Karl-Walter Gutberlet zu. Am 28. Oktober 2017 verlor Jens Opitz seinen kongenialen Partner Robert Seyfferth durch dessen viel zu frühen Tod im Alter von gerademal 54 Jahren (wir berichteten am 31.10.2017 an gleicher Stelle).
Namens der AUTOHAUS SchadenBusiness-Redaktion danke ich Jens Opitz sehr gerne auch von unserer Seite für einen jederzeit vertrauensvollen fachlichen Austausch, der ein gutes Vierteljahrhundert andauerte und in dem er uns ebenfalls zum guten Freund wurde. Alles Gute, lieber Jens, in Deinem verdienten Ruhestand! Walter K. Pfauntsch