Sturm, Hagel, Starkregen: Zwei von fünf Wohngebäuden weiter ohne Elementarschutz

08.06.2026 10:12 Uhr | Lesezeit: 6 min
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Hochwasser-Katastrophen wie 2021 im Ahrtal (Foto) werden statistisch aufgrund des Klimawandels wahrscheinlicher. Trotz der inzwischen hinlänglich bekannten Ausmaße haben in Deutschland weiterhin vier von zehn Wohnungseigentümer keine Elementarschaden-Versicherung abgeschlossen.
© Foto: Peter Joester, DEVK

Nach den schweren Gewittern und örtlichen Böenwalzen in den vergangenen Tagen bleibt die Wetterlage in Teilen Deutschlands angespannt. Der Deutsche Wetterdienst rechnet weiterhin mit Schauern und teils kräftigen Gewittern, örtlich sind Starkregen, Hagel und Sturmböen möglich. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherer weist deshalb darauf hin, dass immer noch 41 Prozent aller Wohnimmobilien keine Elementarschadendeckung besitzen.

Trotz der immensen Hochwasser- und Überschwemmungsschäden alleine in den vergangenen 25 Jahren ist Deutschland noch ein gutes Stück weit von einem flächendeckenden Versicherungsschutz gegen Naturgefahren entfernt. Die Ahrtal-Katastrophe im Jahr 2021 brachte kurzzeitig Bewegung in Sachen Elementarschutz, der Zugewinn bis heute lag aber im Bereich von gerademal rund zehn Prozent. 

"Zu große Schutzlücke"

Für Gebäudeeigentümer ist eine wesentliche Unterscheidung wichtig: Schäden durch Sturm und Hagel sind in der Wohngebäudeversicherung in der Regel enthalten – eine solche sollte absolute Selbstverständlichkeit bei Immobilienbesitzern sein. Schäden durch Starkregen, Überschwemmung oder Rückstau sind dagegen nur mit einer zusätzlichen Elementarschadenversicherung abgesichert. Viele Menschen denken dabei heute an Erdbeben oder gehen davon aus, dass sie selbst bislang noch nicht durch eine Naturkatastrophe zu Schaden gekommen sind. Warum also sollte es in Zukunft anders sein? 

"Zwar steigt die Versicherungsdichte, dennoch haben rund 41 Prozent der Wohngebäude weiterhin keinen Elementarschutz", sagt in diesem Zusammenhang auch Anja Käfer-Rohrbach, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Diese Schutzlücke sei aber zu groß, führt sie weiter aus, denn Starkregen könne "grundsätzlich überall auftreten“.

Im Schnitt 2 Mrd. Euro Elementarschäden pro Jahr

Naturgefahren verursachten 2025 in der Sachversicherung rund 1,4 Milliarden Euro Schaden. Davon entfielen rund eine Milliarde Euro auf Sturm und Hagel und rund 400 Millionen Euro auf Elementargefahren. Seit Beginn der GDV-Messungen 2002 verursachen allein Elementarschäden durchschnittlich rund 2 Milliarden Euro pro Jahr. 

Jeder Elementarschaden kostet rund 4.700 Euro

Viele Eigentümer unterschätzen nach Ansicht von Käfer-Rohrbach ihr Risiko, wenn sie nicht direkt an einem Fluss wohnen. "Doch Starkregen kann jeden treffen. Wenn innerhalb kurzer Zeit große Wassermengen fallen, können Kanalisationen überlastet werden und Wasser über Lichtschächte, Türen und Rückstau ins Gebäude eindringen."

Elementarschäden sind im Einzelfall häufig besonders teuer. 2025 lag der durchschnittliche versicherte Elementarschaden bundesweit bei rund 4.700 Euro. Bei Sturm und Hagel waren es etwa 2.100 Euro. 

Der GDV empfiehlt allen Eigentümern, ihre Police zu prüfen und gegebenenfalls zu erweitern. Auch Mieter sollten schauen, ob ihre Hausratversicherung Elementarschäden einschließt. Die Wohngebäudeversicherung schützt das Gebäude selbst, die Hausratversicherung schützt bewegliche Sachen im Haushalt, etwa Möbel, Kleidung oder Elektrogeräte. 

Risikobeurteilung mittels Hochwassercheck

Wer sein Risiko besser einschätzen will, kann den Hochwassercheck des GDV nutzen. Das digitale Angebot zeigt, wie stark ein Standort durch Flusshochwasser und Starkregen gefährdet ist. Das bietet Verbrauchern eine erste Orientierung für Versicherungsschutz und Vorsorge, konstatiert Käfer-Rohrbach. 

Auch eigenständige Präventionsmaßnahmen könnten Schäden deutlich reduzieren. Dazu gehören beispielsweise Rückstausicherungen, gesicherte Kellerfenster und Lichtschächte, wasserdichte Türen in gefährdeten Bereichen und der Verzicht darauf, wertvolle Gegenstände direkt auf dem Kellerboden zu lagern. 

Elementar Re soll Schutzlücke schließen 

Aus Sicht der Versicherungswirtschaft braucht Deutschland eine Lösung, die deutlich mehr Menschen gegen Naturgefahren absichert und gleichzeitig langfristig bezahlbar bleibt. Dafür hat der GDV mit Elementar Re einen konkreten Vorschlag vorgelegt (wir berichteten). 

Durch das Modell Elementar Re würde Elementarschutz zum Regelfall. Wer eine Wohngebäudeversicherung abschließt, erhält automatisch auch Schutz gegen Naturgefahren, kann diesen aber aktiv abwählen. Die Schäden werden zunächst von Versicherern und Rückversicherern getragen, erst bei außergewöhnlichen Extremkatastrophen mit mehr als 30 Milliarden Euro Schadensumme greift ein staatlicher Stop-Loss-Mechanismus. 

Frankreich kann nicht als Blaupause dienen

Eine reine Versicherungspflicht löst das Problem aus Sicht des GDV nicht. Sie erhöhe zwar die Zahl der versicherten Gebäude, verhindere aber keine Schäden und setze ohne wirksame Prävention sowie risikobezogene Anreize keine ausreichenden Signale zur Schadenvermeidung. 

Der Blick nach Frankreich zeige: "Eine hohe Versicherungsdichte allein reicht nicht aus. Das französische CatNat-System erreicht zwar eine sehr breite Absicherung, beruht aber auf einem stark staatlich geprägten System mit einheitlichen Zuschlägen und Rückversicherung über die Caisse Centrale de Réassurance. Zugleich steht das System wegen steigender Klimarisiken in der Kritik und unter erheblichem Finanzierungsdruck." Ein Untersuchungsbericht der französischen Regierung ("Rapport de mission Langreney") beziffere allein den zusätzlichen Finanzierungsbedarf auf rund 1,3 Milliarden Euro. 

Entscheidend sei deshalb ein System, das Versicherungsschutz, Prävention und Risikoreduzierung verbindet. Je besser Schäden durch Vorsorge begrenzt werden, desto eher bleibe Elementarschutz langfristig bezahlbar.

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