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Testfahrt mit dem Opel Corsa F: Der neue Markenbooster

Testfahrt mit dem Opel Corsa F
Der neue Markenbooster
Der neue Opel Corsa F will wieder vorne mitfahren.
© Foto: Michael Blumenstein

Es war 1982 als Opel den Kleinwagenmarkt aufmischte. Mit dem Corsa A begann die Reise des Mini-Hessen, die ihren Höhepunkt bereits 1993 erreichte. Jetzt schreiben wir 2020, und der neue Opel Corsa F will wieder vorne mitfahren.

Von Michael Blumenstein/Autoflotte

Zweitürer, Viertürer, Stufenheck, Kombi, Pick-up und sogar Hochdachkombi und Cabrio. All das gab es vom Opel Corsa B. Ob als Opel, Chevrolet, Buick oder Holden, der kleine Rüsselsheimer war in fast jeder Ecke der Welt als Corsa, Barina, Sail oder Vita von Mittel- bis Südamerika über Afrika, Europa, Asien und Australien zu finden. Und noch immer sieht man die bis zirka 2005 produzierten Opel-Entwicklungen herumfahren. Unkaputtbar oder stets reparierbar lauten die Aussagen. Konträr zum Image in Deutschland, wo die Hessen sich ihren Ruf zu jener Zeit ruinierten und ihn bis heute bei vielen nicht aufpolieren konnte.

Nummer sechs muss cool werden

Dabei entspricht das Image meist nicht dem objektiven Empfinden. Deswegen wird es auch für Corsa Nummer sechs (Opel Corsa F), der zum Jahreswechsel ausgeliefert wird, schwierig, ins Lifestyle-Segment emporzusteigen. Aber genau das müsste er. Denn Opels Markenbooster Adam ist tot. Der Corsa ist wieder das kleinste Modell aus Rüsselsheim, und muss auch die Klientel einfangen, die sich 2012 in den Adam verliebte.

"Auf der Benzinerseite rechnen wir beim 1,2-Liter-Direct-Injection-Turbo mit 100 PS aufgrund seiner starken Fahrleistungen in Kombination mit hoher Laufruhe und niedrigen Verbrauchswerten mit den besten Absatzchancen", sagt Opels Großkunden-Chef Wolfgang Stahl auf Nachfrage. Dann schnappen wir uns doch genau diesen Antrieb, den es ab 19.530 Euro gibt. Aufgepeppt wurde der 4,06 Meter (plus vier Zentimeter) lange Spanier (Produktion in Saragossa) mit der Ausstattungslinie Elegance. Wie bei Mercedes glitzern im Kühlergrill kleine Elemente, die einen hochwertigeren Eindruck vermitteln sollen. In Quarz-Silber und mit 17-Zoll-Rädern steht er gut da, die Zweifarb-Lackierung gehört zum guten Ton und vielleicht auch zum guten Geschmack.

Innen bietet Opel wieder Ledersitze an, die das Interieur tatsächlich aufmöbeln. Clever gelöst ist die Massage-Funktion auf dem bequemen und breiten Fahrersitz. Dabei handelt es sich um eine gepimpte Vier-Wege-Lordosenstütze. Wer will, nutzt sie als gut justierbare Lendenwirbelstütze. Oder er lässt den Luftbalg auf Knopfdruck von oben nach unten und ­wieder zurückwandern, was einer Rudimentär-Massage gleichkommt. Für 1.450 Euro inklusive Leder sowie Sitz- und Lenkradheizung ein Schnäppchen. Auch sonst macht der neue Corsa einen soliden Eindruck. Sowohl außen, als auch innen passen Verarbeitung und Materialien. Und das, obwohl der Kleinwagen rund 100 Kilogramm abspeckte und damit hier und da auch etwas subjektive Solidität eingebüßt hat – das Tür- und Kofferraumschließen ploppt beim Corsa E einfach satter.

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Opel Corsa (2020)
Opel Corsa (2020)Opel Corsa (2020)Opel Corsa (2020)

Nach wie vor gutes Platzangebot

Ebenfalls subjektiv hat sich am Platzangebot nichts verändert. Wenngleich es im Corsa bislang bereits geräumig zuging. Auf der Rückbank fühlen sich Personen bis zirka 1,80 Meter wohl, wenn ähnlich lange in Reihe eins sitzen. Hinten engt der Türausschnitt und die damit verbundene Sitzkonfiguration etwas den Beckenbereich ein. Das Ein- und Aussteigen gelingt nicht so geschmeidig wie im höheren Vorgänger. Dafür passen 25 Liter mehr ins 309 Liter große Ladeabteil, dessen Deckel mittels vernünftigem Innengriff zugezogen wird.

Die Bedienung ist recht einfach zu durchschauen, das Multimedia-Navi Pro eher für Teckis interessant. Und verärgert diese gleichzeitig mit einer wenig zufriedenstellenden Sprachbedienung. Ab Werk sind beim Elegance Digitalradio, USB-Anschlüsse und selbstverständlich Smartphone-Spiegelung an Bord. Das Kombiinstrument des Testwagens ist zwar digital (bestellbar ab Anfang 2020). So richtig schlüssig und optisch ansprechend ist es jedoch nicht. Es wirkt eher reingefriemelt. Trotz vorhandenem Platz fehlen Außentemperaturanzeige und Uhrzeit in diesem Umfeld. Nach wie vor sind die Angaben lediglich im Infotainment-Display, das nachts oft abgeschaltet wird - und dann fehlen diese Infos. Ein Head-up-Display gibt es nicht.

Auffallend laut ist die Lüftung der in unserem Fall manuellen Klimaanlage – selbst in Stellung eins. Übertönen im Wortsinn kann das jedoch die durchaus gelungene Audioanlage. Die Hochtöner in den A-Säulen sind ideal platziert. Weniger gelungen sind hingegen die um die Mittellage recht gefühllose Lenkung und die Software des Lenkassistenten. Letzterer greift früh und rigoros ein, und das sogar in Baustellen. Eine Orange-Weiss-Sehschwäche kann nicht ausgeschlossen werden. Zu übersehen ist der Corsa hingegen kaum, wenn starke Bremsmanöver mit der giftig ansprechenden Bremsanlage durchgeführt werden. Sofort blinkt hektisch die Warnblinkanlage - und zwar bevor das ABS eingreift. Damit eher selten stark gebremst werden muss, haben die Rüsselsheimer dem Corsa F ein in Richtung Dynamik ausgelegtes Fahrwerk spendiert. Es hoppelt zwar in Verbindung mit der 17-Zoll-Bereifung dezent und verleiht dem Unterbau oft eine latente Unruhe, dafür zirkelt der Kleine aber sicher und gelassen um die Ecken und lässt den Hessen sehr leichtfüßig wirken. Eine Stucker-Tendenz an der Vorderachse ist segmentüblich. Kommen wir zu den 100 PS. Hört sich nicht viel an, beschleunigt aber bereits ab Standgas und bis 160 km/h durchaus sportiv. Begleitet wird der Spurt von einem Trommeln, das den Dreizylinder sympathisch wirken lässt. Sympathiepunkte heimst der Euro-6d-Motor auch beim Verbrauch ein.

Nicht zu viel versprochen

Der sehr lang übersetzte, dennoch passende sechste Gang lässt den WLTP-Spritverbrauch spielend Realität werden. Da hat Wolfgang Stahl also nicht übertreiben. Wer mehr als sechs Liter benötigt, ist mehr als nur flott unterwegs. Schaltfaulheit wird doppelt belohnt. Denn wirklich geschmeidig lassen sich die sechs Gänge nicht durchwühlen. Eine Achtgang-Automatik gibt es beim 100-PS-Benziner für 1.480 Euro, beim 130-PS-Pendant ist sie Standard.

So sind zumindest die Parameter für den Erfolg des neuen Corsa, den es auch als reine E-Version geben wird, richtig justiert. "Der neue Corsa wird erneut ein Flottenbestseller werden. Aktuell macht er rund ein Viertel des gesamten Fahrzeugvolumens aus und ist somit unser absatzstärkstes Fahrzeug", betont Stahl.

Ob damit der Erfolg des Corsa B annähernd erreicht wird, bleibt zu bezweifeln. Wenngleich man heutzutage ehrlicherweise den anders aussehenden aber technisch identischen Peugeot 208 mit in die Gesamtrechnung einbeziehen müsste. Das ist nämlich jetzt der zweieiige Zwilling des Corsa F. Und so schließt sich der Kreis.

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