Opel-Chef Huettl: "Wir sind wieder auf dem Weg nach oben"

29.01.2026 16:32 Uhr | Lesezeit: 5 min
Florian Huettl Opel
Brüssel Motor Show: Opel-Chef Florian Huettl mit dem neuen Modelljahrgang des Astra.
© Foto: Opel via Autoren-Union Mobilität

Der Chef von Opel und Stellantis Deutschland sieht die Regulierungen aus Brüssel kritisch. Vor allem im Kleinwagenbereich verhindern die EU-Vorschriften bezahlbare Modelle, meint Florian Huettl. Für Opel blickt er aber optimistisch in die Zukunft.

Mit den Modellen Frontera und Grandland plant Opel, in einem stagnierenden Gesamtmarkt zu wachsen. Walther Wuttke von der Autoren-Union Mobilität sprach auf der Brüssel Motor Show mit Florian Huettl.

In den vergangenen Jahren sind einige einstmals bedeutende Automessen verschwunden. In Brüssel ist Stellantis wieder mit allen Marken vertreten. Kommen die großen Messen wieder zurück?

F. Huettl: Automessen kommen wieder, weil die Menschen das Automobil erleben wollen, und es ist erstaunlich, wie sich die Messe in Brüssel entwickelt hat. Die Motor Show in Brüssel gibt es ja schon seit vielen Jahren, sie hatte sich aber vor allem als lokale Verkaufsmesse definiert. In den vergangenen Jahren hat Brüssel einen festen Platz im Kalender der Hersteller gefunden. Die Messe ist leicht zu erreichen und hat eine überschaubare Größe. Der Termin im Januar ist auch gut gewählt, um am Anfang des Jahres zusammenzukommen und zurück und nach vorne zu blicken. Wir spüren ein großes Interesse, und ich bin froh, hier zu sein und unseren neuen Astra vorzustellen.

Stichwort Rückblick. Wie ist das vergangene Jahr für Opel gelaufen?

F. Huettl: Wir haben im vergangenen Jahr viel erreicht. Wir haben drei neue Modelle eingeführt. Erstens das Update des Mokka, bei dem wir das Modell deutlich aufgewertet haben und mit dem GSE ein Statement für sportliche Elektrofahrzeuge gesetzt haben. Zweitens den Frontera, der sich auf Anhieb als echter Verkaufsschlager erwiesen hat. Er bedient ein für uns wichtiges Segment, nämlich das der bezahlbaren und vielseitigen Familienautos mit Hybrid- und Elektroantrieben. Wir verzeichnen für den Frontera eine sehr gute Nachfrage, die deutlich das Volumen überschreitet, das wir früher in diesem Segment erzielen konnten. Besonders wichtig war drittens die Einführung des Grandland, den wir in Rüsselsheim designed und entwickelt haben und in Eisenach herstellen. Mit unserem neuen Flaggschiff sind wir in einem Segment präsent, in dem Opel bisher nicht vertreten war. Der Vorgänger war wesentlich kleiner, und mit dem neuen Grandland haben wir nun ein Angebot mit allen Antrieben und erobern den Platz im C-Segment, den Opel erwartet und braucht.


Opel Frontera 110-PS-Hybrid

Stehend vor einer Wand von vorn fotografierter Opel Frontera in Kanyon Orange lackiert Bildergalerie

Und wie sieht das Ergebnis für 2025 in konkreten Zahlen aus?

F. Huettl: Wir sind wieder auf dem Weg nach oben. Das Übergangsjahr 2025 ist abgeschlossen. Es liegen noch nicht alle Zahlen vor, aber wir haben im vergangenen Jahr rund 600.000 Fahrzeuge abgesetzt. Im ersten Halbjahr lag unser Marktanteil in Deutschland bei 4,8 Prozent, wir werden aber dank eines starken zweiten Halbjahrs einen Marktanteil von mehr als fünf Prozent erreichen. Das Jahr 2026 steht für uns unter guten Vorzeichen. Wir rechnen für den Gesamtmarkt nicht mit einem Wachstum, aber mit einem weiter wachsenden Elektroanteil. Mit dem neuen Frontera und Grandland hat Opel jetzt das volle Angebot. Der Frontera ist das perfekte Familienauto – beim Grandland sehen wir ein zunehmendes Interesse im Flottenmarkt. Der Corsa hält sein hohes Niveau und hat im vergangenen Jahr noch einmal zugelegt, ist in Deutschland und Großbritannien der beliebteste Kleinwagen. Wir werden in diesem Jahr in Europa und in anderen Märkten wachsen.

Opel war in der Vergangenheit mit Modellen wie Rekord und Omega in der Mittelklasse stark unterwegs. Der Nachfolger des Insignia war einmal als Elektromodell geplant. Warum hat Opel dieses Segment verlassen? 

F. Huettl: Das klassische Limousinen-Segment ist in den vergangenen Jahren sehr klein geworden. Wir sind auch nicht die einzigen, die sich aus dieser Klasse zurückgezogen haben. Wir haben den Insignia im Jahr 2022 eingestellt. Und wir haben entschieden, uns auf die Volumenmodelle Corsa und Astra sowie das höhere SUV-Segment im Bereich zwischen 4,40 und 4,70 Metern zu konzentrieren. Wir müssen im C-SUV-Segment noch weiter aufholen.

Wie sieht es mit einem Modell im Kleinwagenbereich aus? Auch aus diesem Segment haben sich die meisten Hersteller wegen der hohen Regulierungsauflagen aus Brüssel zurückgezogen. Können Sie sich vorstellen, in dieser Klasse wieder Modelle wie den Adam oder Karl anzubieten?

F. Huettl: Das Thema in dieser Klasse ist die Bezahlbarkeit. Deshalb begrüßen wir die Initiative, die nach einem sehr langen Dialog aus der Europäischen Kommission kommt. Wir freuen uns über die Ankündigung einer potenziellen Kleinwagenkategorie. Dieses Thema liegt mir und Stellantis sehr am Herzen. Autos und vor allem die Kleinwagen sind aus unserer Sicht aktuell generell überreguliert. Ein Viertel unserer Ingenieure macht nichts anderes, als die Regulierungen umzusetzen. Seit 2019 haben wir bei den Corsa-Stückkosten einen hohen Betrag allein für die verpflichtenden Fahrassistenzsysteme zu schultern. Das gipfelt jetzt in der Fahrerüberwachungskamera. Der europäische Markt hat im Vergleich zu den Jahren vor Covid drei Millionen Zulassungen in Europa verloren, die Hälfte davon sind Kleinwagen, sodass man heute kaum noch ein Automobil für weniger als 15.000 Euro bekommt. Im Jahr 2019 waren es noch 50 Modelle in dieser Kategorie.

Wie ist das Verhältnis bei Opel von Elektromodellen gegenüber Verbrenner-Fahrzeugen, und wie flexibel können Sie auf die verschiedenen Märkte reagieren?

F. Huettl: Unsere Flexibilität in der Produktion liegt bei fast 100 Prozent. Im Gesamtjahr 2025 lag unser Elektroanteil bei rund 14 Prozent mit stark steigender Tendenz: Im vierten Quartal lagen wir bei 17 und im Dezember bereits bei 19 Prozent. Die Steigerung liegt vor allem an der erfolgreichen Einführung von Frontera und Grandland, bei denen der E-Anteil in Deutschland zuletzt jeweils bei mehr als 30 Prozent liegt. Deutschland ist wieder mit Abstand der größte Elektromarkt in Europa. Wir sehen übrigens keine Verunsicherung bei den Kunden durch die Diskussionen über das Verbrenner-Aus.


Opel Grandland Electric Ultimate AWD

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Die europäische Automobilindustrie ist bei der Elektromobilität extrem von asiatischen Lieferanten abhängig. Wäre es nicht eine gute Idee, wenn sich die großen europäischen Hersteller nach dem Vorbild von Airbus zusammenschließen, um so vor allem bei der Batterieproduktion unabhängiger zu werden?

F. Huettl: Die europäische Automobilindustrie hat bei dieser Transformation in der Tat einen großen Nachholbedarf, wenn es um die Beherrschung der neuen Wertschöpfungsketten bei Batterietechnik, Antriebstechnik und E-Architektur geht. Wir haben erste Schritte gemacht und arbeiten bereits mit Daimler-Benz und der Total-Energies-Tochter Saft im Joint Venture ACC zusammen. Der Grandland hat bereits Batterien Made in Europe. Wir haben zudem in den vergangenen Jahren die Produktion der E-Motoren internalisiert und bauen unsere eigenen E-Motoren. Wir machen das gleiche bei der elektrischen Architektur, die das Herz der Fahrzeuge von morgen darstellt. Der neue Corsa Electric, den wir zurzeit entwickeln, steht bereits auf einer neuen Plattform. Aber wir müssen auf dem Weg in die Mobilität von morgen mehr eigenständige Wertschöpfung erreichen, als das heute der Fall ist. Das ist eine unserer großen Herausforderungen.

Welche Rolle spielt Opel im Stellantis-Konzern?

F. Huettl: Wir sind die deutsche Marke im Konzern und bearbeiten federführend die Märkte im Norden und Osten Europas. Wir sind dort die mit Abstand erfolgreichste Stellantis-Marke. Als Chef von Stellantis Deutschland ist es zudem meine Aufgabe, Opel so in den Dienst des Konzerns zu stellen, dass alle Marken davon profitieren können.

Die Brennstoffzelle spielte bei Opel eine große Rolle vor allem bei den leichten Nutzfahrzeugen. Nun hat Opel diese Entwicklung eingestellt. Warum?

F. Huettl: Wir haben die Arbeit eingestellt, weil wir in absehbarer Zeit kein profitables Geschäftsmodell in diesem Segment außerhalb von Nischenbetrieben sehen konnten." Wo sehen Sie Opel in fünf Jahren? "In fünf Jahren sehen wir uns auf einem klaren Wachstumspfad im Vergleich zu heute. Wir streben mittelfristig ein Absatzvolumen von rund 700.000 Fahrzeugen an, damit wir nachhaltig wirtschaften können und auf den Märkten relevant sind. Da sind wir auf einem guten Weg. Opel wird im Stellantis-Konzern die Marke sein, die dem Konzern hilft, sich in Europa breit aufzustellen. Ich sehe zudem Opel als Treiber bei der Elektromobilität, und außerdem wird Opel emotionaler als heute sein. Ich sehe Opel weiterhin als moderne und optimistische Marke, die ausdrückt, dass es nach vorne geht.


Brussels Motor Show 2026

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KOMMENTARE

Jürgen Mayerhöffer

30.01.2026 - 19:16 Uhr

Opel Qualität? Dass ich nicht lache? haben aktuell einen Corsa F Elektro EZ 11/2020 mit nun 58tkm drauf. In 5 Jahren erst der 11KW OBC defekt, Fahrzeug war 3 Wochen nicht fahrbereit in der Werkstatt. Dann nächster Defekt an der Isolationsleitung des Klimakompressor, Fahrzeug wieder 3 1/2 Wochen nicht fahrbereit in der Werkstatt und nun am 20.12.2025 war der 11KW OBC (Mahle Serienfehler) wieder defekt! Fahrzeug war dann bis letzten Dienstag 27.01.2026 nicht fahrbereit in der Werkstatt. Der erste OBC Ausfall wurde von Opel übernommen (über 3500€) der Ausfall des Klimakompressor übernahm die Cargarantie (über 6000€) und nun hat Opel die Übernahme des erneuten OBC Ausfall abgelehnt, da das Fahrzeug im November 5 Jahre alt geworden ist und das bei einem Serienfehler! Ich habe nun 30 Jahre Opel gefahren, aber nach dieser Erfahrung muss ich sagen: NIE WIEDER OPEL!!!!


Claude van Dall

01.02.2026 - 19:22 Uhr

Ja klar, wie seit 2017 durch die PSA Übernahme, die Frage ist nur was die eigentlich meinen? Wenn der stetige Verkust von Qualität und Marktanteile sowie Markenidentität gemeint sind, dann führen die fast schon. Manager-Geschwurbel in Reinkultur. P.S. Einschichtbetrieb in der Produktion war schon immer ein Garant für ein erfolgreiches Geschäftsmodel in der Rebadging-Insdustie ;)


Bernd Wollny

03.02.2026 - 10:41 Uhr

Ein kurzer Faktenscheck zu diesem ja nennen wir das mal Marketing Interwiew: Absatz-Mythos: Huettl spricht von „Aufwärtstrend“, meldet für 2025 aber ca. 600.000 Autos. Zum Vergleich: Im Jahr der Übernahme (2017) lag Opel noch bei über 1,1 Millionen Fahrzeugen. Der Absatz hat sich unter Stellantis-Regie also fast halbiert. Von einem „aufsteigenden Ast“ kann man seit 2017 also absolut nicht reden, außer man dreht den Bildschirm mit der Verkaufskurve. Marktanteil-Schwund: Die gefeierten „über 5 %“ in Deutschland sind ein historisches Tief. Vor der Übernahme kämpfte Opel noch um die 7–8 %. Huettl verkauft hier das Ende des freien Falls als Erfolg. Und 4,9% Marktanteil sind bitte unter den gesteckten Zielen. Modellpolitik & Marge: Opel hat unter Stellantis viele Volumenmodelle (Insignia, Adam, Karl, Cascada) geopfert. Das bringt zwar mehr Gewinn pro Auto (Rendite), führt aber dazu, dass die Marke aus ganzen Segmenten verschwindet und Marktanteile kampflos abgibt. „Multi-Energy“ als Codewort für Scheitern: Huettl spricht jetzt von der „Multi-Energy-Strategie“ und „fast 100 % Flexibilität“. Auf Deutsch heißt das: Wir verkaufen doch weiter Verbrenner und Hybride, weil wir die Elektroautos nicht in den geplanten Mengen loswerden. Die Strategie, alles auf eine Karte zu setzen, ist krachend an der Marktrealität gescheitert und dafür trägt er übrigens auch Verantwortung! Huettl feiert 14 % Elektroanteil im Jahr 2025. Wenn man aber bedenkt, dass man in zwei Jahren (2028) eigentlich bei 100 % sein wollte, ist das ein Desaster. 86 % der Opel-Kunden kaufen also immer noch Autos mit Auspuff. Der "Weg nach oben", den er beschreibt, findet beim E-Auto eher im Schneckentempo statt und wird auch noch durch Eigenzulassungen der Händlerschaft gepusht. 2027 wird Opel unter 4% sein, 40% der Händler sind weg und dank professionellem Rebadging (Peugeot/Citroen Kopien), schlechter Hardware, schlechter Verarbeitung, schlechte Software, miesen Motoren, ewigen Rückrufen da kauft doch keiner mehr die französischen Vehikel.


René

04.02.2026 - 01:48 Uhr

Willst du Opel oben sehen musst du die Statistik umgedreht auf den Tisch legen. Opel ist dort wo es hingehört: In der Marginalisierung.


erhard schaich

06.02.2026 - 14:05 Uhr

verbauen Sie in dn Grandland einen Verbrenner und der verkauf verdoppelt sich !


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