Bei gebrauchten Elektrofahrzeugen wird der Zustand der Batterie zur entscheidenden Vertrauensfrage. Genau deshalb gewinnen professionelle Prüfverfahren an Bedeutung. Sie sollen helfen, den Gesundheitszustand des Akkus nachvollziehbar einzuordnen. Transparenz für Hereinnahme, Preisfindung und Verkauf wird so geschaffen.
Der Akku wird zur Schlüsselinformation
Im Gebrauchtwagengeschäft mit Elektroautos reicht der Blick auf Laufleistung und Wartungshistorie allein nicht mehr aus. Für viele Kunden zählt vor allem eine andere Frage: Wie gut ist die Batterie noch? Damit wird der Akku im Verkaufsgespräch, bei der Inzahlungnahme und in der Bestandsbewertung zu einer zentralen Größe.
In einem Videokurs auf AUTOHAUS next ordnet Michael Tziatzios, Leiter Gebrauchtwagenmanagement bei Dekra Automobil, den sogenannten State of Health (SoH) als Maß für den Gesundheitszustand der Batterie ein. Er beschreibt das Verhältnis zwischen der Kapazität im Neuzustand und der Restkapazität zum Zeitpunkt der Prüfung.
Warum die Einordnung so schwierig ist
Der Batteriezustand lässt sich nicht einfach über einen einzelnen Herstellerwert zuverlässig und markenübergreifend vergleichen. Dekra nennt dafür mehrere Gründe: unterschiedliche Brutto- und Nettokapazitäten, verschiedene Batteriepuffer sowie individuelle Einflüsse wie Fahrprofil, Ladezyklen, Temperatur und Umgebung. Auch historische Diagnosedaten sind nicht standardisiert. Für Autohäuser heißt das: Wer E-Gebrauchtwagen professionell bewerten will, braucht mehr als nur einen ausgelesenen Wert.
Messen oder auslesen?
In Praxis existieren verschiedene Messmethoden. Auf AUTOHAUS next beschreibt die Prüforganisation unterschiedliche Wege.
Zum einen eine Messmethode über den Batterieinnenwiderstand. Sie wird als objektiv, nachvollziehbar und herstellerunabhängig eingeordnet und soll innerhalb von rund 15 Minuten ein Ergebnis liefern.
Zum anderen die Auslesemethode. Dabei werden historische Herstellerdaten übernommen. Das geht schneller und kostengünstiger, bleibt aber stärker von Herstellerlogik und Fahrprofil abhängig.
Relevanz für Hereinnahme und Verkauf
Gerade bei Inzahlungnahmen, Leasingrückläufern und Bestandsfahrzeugen steigt der Bedarf an einer belastbaren Batterieaussage. Eine nachvollziehbare Prüfung kann helfen,
- den Fahrzeugzustand besser einzuordnen, Preisargumente zu stützen, Unsicherheiten im Kundengespräch zu reduzieren.
- Die Batterieprüfung verkauft das Fahrzeug allerdings nicht selbst, schafft jedoch eine fundierte Grundlage für die Bewertung von Zustand und Wert.
Auch der Bestand wird wichtiger
Um Kunden auch Bestandsfahrzeuge mit dem bestmöglichen Batteriezustand bieten zu können, rät die Dekra zu einem strukturierten Lademanagement.Denn der Batteriezustand hängt nicht nur von der bisherigen Nutzung ab, sondern auch davon, wie Fahrzeuge auf dem Hof behandelt werden. Unterschieden wird zwischen kalendarischer Alterung durch Zeit und zyklischer Alterung durch Nutzung. Beides reduziert langfristig die verfügbare Kapazität.
Besonders praxisrelevant sind die Empfehlungen zum Ladezustand:
- 20 bis 80 Prozent bei täglicher Nutzung
- 20 bis 50 Prozent bei längeren Standzeiten
Ladezustandsmanagement wird damit Teil einer professioneller Bestandsführung.
Drei Folgen für das Autohaus
- Der Batteriezustand wird Teil der Preisargumentation. Je nachvollziehbarer der Akku bewertet werden kann, desto belastbarer wird das Kundengespräch.
- Batterieprüfung wird prozessrelevant. Vor allem bei Rückläufern und Inzahlungnahmen steigt der Bedarf an schnellen, nachvollziehbaren Verfahren.
- Der Bestand braucht neue Routinen. E-Fahrzeuge brauchen ein bewussteres Ladezustandsmanagement, um die Akkukapazität zu erhalten. als klassische Verbrenner.