Prüfmittelüberwachung: Eine Frage der Organisation
TÜV SÜD Trend Check fragt die Branche in Folge 10, wie Autohäuser und Werkstätten das Pflichtthema Prüfmittelüberwachung organisieren, womit sie die meiste Arbeit haben und was sie von einem externen Dienstleister erwarten. Das Ergebnis: 79 % der Betriebe setzen bereits auf externe Unterstützung. Gefragt sind vor allem Leistungen vor Ort und Services aus einer Hand.
Rund 275 Kfz-Betriebe aus dem AUTOHAUS Panel beantworteten im Juni 2026 Fragen zur Organisation der Prüfmittelüberwachung: Was verursacht im Alltag den größten Aufwand? Wer setzt bereits auf externe Dienstleister – und mit welchen Erwartungen? Das Spektrum der Teilnehmer reichte von kleinen Händlern und markenunabhängigen Werkstätten bis zu sehr großen Autohausgruppen. Die Ergebnisse zeigen nicht nur, wie die Branche heute aufgestellt ist, sondern auch, wo der Schuh drückt.
Das lesen Sie im folgenden Artikel:
Bürokratie bindet Ressourcen
Auf die Frage nach dem größten Aufwand bei der Prüfmittelüberwachung landet der Punkt Dokumentation und Nachweisführung – etwa für Kalibrierscheine oder Prüfberichte – mit 45 % klar auf Platz eins (siehe Balkendiagramm). Dahinter folgen die Terminverfolgung und Fristenverwaltung bei wiederkehrenden Prüfungen mit 35 %. Den Überblick zu behalten, insbesondere bei mehreren Standorten, nennt jeder fünfte Betrieb (20 %), die Beauftragung und Koordination eines geeigneten Dienstleisters 19 %.
Das Ergebnis ist deutlich: Nicht das Prüfen selbst, sondern die Bürokratie und die Verwaltung drumherum binden in den Betrieben die meisten Ressourcen.
Gründe für wachsenden Kümmerer-Aufwand
Die Gründe liegen auf der Hand. Autohäuser und Werkstätten arbeiten mit einer Vielzahl prüfpflichtiger Messmittel und Geräte: Drehmomentschlüssel, Bremsprüfstände, Achsmessanlagen, Klimaservicegeräte, Abgasmessgeräte und Diagnosetechnik müssen in wiederkehrenden Intervallen kalibriert bzw. geprüft und lückenlos dokumentiert werden. Hinzu kommen mit wachsendem BEV-Anteil im Werkstattbetrieb zusätzliche Prüfmittel wie Isolationsmessgeräte für Hochvoltsysteme. Jedes Gerät bringt eigene Fristen, eigene Nachweise und eigene Zuständigkeiten mit – ein Kümmerer-Aufwand, der parallel zum Tagesgeschäft bewältigt werden will.
Teilgruppenanalyse zum Aufwand bei der Prüfmittelüberwachung
Der Blick in die Teilgruppen zeigt, wer den Aufwand rund um die Prüfmittelüberwachung besonders hoch einstuft:
Markengebunden versus markenunabhängig: Freie Betriebe nennen die Dokumentation mit 52 % und die Terminverfolgung mit 44 % noch häufiger als der Branchenschnitt, der hier bei 45 % bzw. 35 % liegt.
Ein- versus Mehrmarkenbetriebe: Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Einmarkenbetrieben (Dokumentation 52 %, Terminverfolgung 40 %). Mehrmarkenbetriebe haben dagegen doppelt so oft Mühe, den Überblick zu behalten (31 % gegenüber 15 %) – naheliegend bei mehreren Standorten und Fabrikaten.
Markenportfolio: Nach Herstellern aufgeschlüsselt drückt der Dokumentationsaufwand besonders die Händler deutscher Premiumhersteller (53 %), die Terminverfolgung vor allem die Händler deutscher Volumenhersteller (47 %).
Externe Dienstleister sind längst gesetzt
Wie gehen die Betriebe mit diesem Aufwand um? Die Antwort fällt eindeutig aus, wie die oben stehende Grafik zeigt: 79 % der befragten Händler geben an, bei der Prüfmittelüberwachung auf einen externen Dienstleister zu setzen. Nur 21 % verzichten komplett darauf. Externe Unterstützung ist damit schon heute das Mittel der Wahl im deutschen Autohandel.
Die Erwartungen an den Partner sind klar umrissen: Ganz vorne liegt der Vor-Ort-Service, bei dem kein Einschicken der Geräte notwendig ist (49 %), dicht gefolgt vom Komplettangebot aus einer Hand mit Prüfung, Kalibrierung und Dokumentation (48 %). Eine zuverlässige Terminplanung nennen 29 %, die DAkkS-Akkreditierung des Dienstleisters 10 %, die bundesweite Verfügbarkeit 4 %.
Das Muster gleicht dem, das der TÜV SÜD Trend Check bereits beim Thema Arbeitssicherheit beobachtet hat: Händler wollen Pflichtthemen nicht in Teilen managen, sondern möglichst komplett abgeben – ohne Betriebsunterbrechung und ohne eigene Verwaltungsschleifen. Der Wunsch nach einem Rundum-Paket bei der Prüfmittelüberwachung ist bei Händlern deutscher Hersteller mit 71 % besonders ausgeprägt. Auch Mehrmarkenbetrieben ist das mit 59 % überdurchschnittlich wichtig.
Blick ins Detail: Markenbetriebe vorn, freie Werkstätten zurückhaltend
Bemerkenswert ist der Unterschied nach Betriebstyp: Während nur 18 % der Markenbetriebe ohne externen Dienstleister arbeiten, sind es bei den markenunabhängigen Betrieben 40 % – und das, obwohl gerade diese Gruppe den Aufwand für Dokumentation und Fristen am stärksten spürt.
Auch nach Markenportfolio zeigen sich klare Unterschiede: Händler deutscher Volumenhersteller wünschen sich mit 71 % besonders häufig das Komplettangebot, bei den Händlern deutscher Premiumhersteller steht der Vor-Ort-Service mit 60 % an der Spitze. Händler großer Importfabrikate verzichten dagegen mit 37 % überdurchschnittlich oft ganz auf externe Unterstützung.
Mehrmarkenbetrieben sind mit 59 % Prüfung, Kalibrierung und Dokumentation aus einer Hand überdurchschnittlich wichtig. Dieselbe Gruppe legt zudem deutlich mehr Wert auf eine DAkkS-Akkreditierung des Dienstleisters (17 % gegenüber 5 % bei Einmarkenbetrieben) und auf bundesweite Verfügbarkeit (9 % gegenüber 0 %) – wer mehrere Standorte und Fabrikate steuert, braucht einheitliche Standards.
Fazit: Prüfmittelüberwachung als Organisationsaufgabe
Die Ergebnisse des TÜV SÜD Trend Check zeichnen ein klares Bild. Die Prüfmittelüberwachung ist in den Betrieben weniger ein technisches als ein organisatorisches Thema: Dokumentation, Nachweise und Fristen binden die meisten Ressourcen. Die Branche hat darauf längst reagiert – vier von fünf Betrieben setzen auf externe Dienstleister und erwarten von ihnen vor allem eines: Service vor Ort und Service aus einer Hand, von der Prüfung über die Kalibrierung bis zur lückenlosen Dokumentation.
Wer die Prüfmittelüberwachung heute noch komplett in Eigenregie stemmt, sollte den Aufwand ehrlich bilanzieren – und prüfen, ob ein erfahrener Partner nicht der direktere Weg zu Rechtssicherheit und freien Kapazitäten im Tagesgeschäft ist.
Infos und Kontakt
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