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HB ohne Filter: Anmerkungen zur Bundestagswahl +++ E-Mobilität +++ Sternstunden mit Ulrich Kowalewski +++ VW-Currywurst +++ Holger Bormann

© Foto: Ralph M. Meunzel/AUTOHAUS

Unabhängig, scharfsinnig, auf den Punkt: der aktuelle Wochenkommentar von AUTOHAUS-Herausgeber Prof. Hannes Brachat!

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Datum:
13.08.2021
Lesezeit: 
10 min

3 Kommentare

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Die Top-Themen heute: Wahl zum 20. Deutschen Bundestag - Anmerkungen +++ Die Kontroverse Sicht der Dinge – E-Mobilität +++ Sternstunden mit Ulrich Kowalewski – Direktor MB Vertriebsdirektion Pkw Bayern +++ Ein pikanter Kanzleraufschrei pro VW-Currywurst +++ Unser Bundestagskandidat Holger Bormann - Wolfenbüttel

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Montag, 9. August 2021

Wahl zum 20. Deutschen Bundestag - Anmerkungen

Der Klimawandel und die Pandemiebewältigung beherrschen derzeit fundiert die politische Landschaft. Jeder lebt dennoch in der Hoffnung, dass diese Krise bald vorübergehen möge, ja vorübergeht. Und doch, jeder spürt darüber hinaus, wie unsere Gesellschaft über wichtige Themen mehr und mehr an ihre Grenzen stößt. Rien ne va plus. Nichts geht mehr! Beispiele: Wie lange darf eine Minderheit, die die Freiheit in Sachen Corona für sich reklamiert mit ihrem Verhalten die Freiheit einer großen Mehrheit überlagern? Stimmen die Proportionen, dass eine Mini-Eisenbahner-Gewerkschaft (37.000 Mitglieder namens GDL) den Ferienverkehr lahmlegt und das in einem Unternehmen namens Deutsche Bahn, das mit 32 Milliarden Euro so fürchterlich tief in der Kreide steht? Wir stoßen an Grenzen!

Ursache von Corona?

Seit 19 Monaten wütet weltweit die Corona-Pandemie. Wie will man eine Wiederholung verhindern, wenn man nicht einmal den Mut aufbringt, den Ursprung der Malaise herauszufinden? Angst vor der dominierenden Weltmacht China? Wir stoßen an Grenzen!

Das Parlament

Sie finden hier die aktuellen Entscheidungen über Corona ff. der 16 Ministerpräsidenten vom 10. August 2021 als PDF-Datei. Der Landesverband Baden-Württemberg, Carsten Beuß hat sie zusammengestellt. Stimmt denn dieser Entscheidungsmechanismus? Die Ministerpräsidenten, nicht das Parlament in Berlin, des Volkes Stimme entscheidet? Wo bleibt die offene demokratische parlamentarische Diskussion darüber? Auch die Hochwasserkatastrophe in der Eifel und der Ahr gehörten auf selbige parlamentarische Ebene, der gründlichen parlamentarischen Bearbeitung. Das Parlament ist vom 25. Juni bis 8. November 2021 im "Urlaub"! Wir stoßen an Grenzen!

1.000 Parlamentarier?

Und schon ruft die nächste Grenze! Sowohl Bundestagspräsident Norbert Lammert wie sein Nachfolger Wolfgang Schäuble haben es trotz allem gründlichen Bemühen nicht geschafft, dass sich der Deutsche Bundestag auf das reduziert, was im Grundgesetz ursprünglich vorgesehen ist: auf 598 Abgeordnete. Wenn es am 26. September 2021 eigenartig läuft, sind 1.000 Abgeordnete denkbar. Von den Mehrkosten abgesehen, wer wirkungsvolle Entscheidungen im Parlament will, braucht keine 1.000 Abgeordnete! Das ist keine Belebung der Demokratie, sondern Lähmung pur. Abermals, man stößt an Grenzen!

Digitalisierung der Verwaltung

Seit 2009 spricht die aktuelle Koalition von "Digitalisierung". Nach dem Onlinezugangsgesetz (OZG) sollten bis Ende 2022 575 Verwaltungsleistungen digitalisiert sein. Man darf zur Stunde nicht einmal von Minimalismus-Digitalisierung sprechen. Digitale Transformation sieht aber bei Gott wirklich anders aus. Und doch, wer soll diese Komplexität bei diesem Föderalismus bewältigen? Oder zentral für unser Gewerbe gefragt: Wie lange wird es noch dauern, bis wir im Autohaus Fahrzeugzulassungen einfach digital erledigen können? Ehrlich, sie schaffen es nicht! Sie stehen sich im Verwaltungsapparat selber im Wege und kleben allesamt an ihren Posten. Sie verhindern bewusst Digitalisierung. Ergo: Der Staat in Not! Schon wieder Grenzen.

Bildung und Corona

Schauen wir, welche Wandlungen Corona für die Bildung, für die Familien mit sich gebracht hat. Schülerinnen und Schüler, Studenten fehlen inzwischen 173 Tage Präsenzunterricht. Dabei geht es nicht nur um die neue Art der virtuellen Wissensvermittlung, sondern um ganz wichtige Entwicklungsschritte in der persönlichen Begegnung, für Kinder wie für Studierende. Welch eine soziale Engführung! Es seien für viele die psychischen Belastungen, Gewalterfahrung, Bewegungsmangel aufgerufen. Das Megathema Bildung geht derzeit im öffentlichen Bewusstsein, eben auch im Wahlkampf völlig unter.

Fachkräftemangel!

Vor allem mit dualer Ausbildung. Das Modell "Duale Ausbildung", "Duales Studium" ist eine maßgeblich tragende Säule unserer Wirtschaft. Die Bildungsdebatte wird von Akademikern geführt. Sie tun sich sehr schwer zu verstehen, dass der, der mit den Händen anpackt, nicht weniger gelten sollte, als der vom Staat durchsubventionierte Akademiker. Die Schulen vermitteln Wissen. Wo aber bleibt das Können? Das kann nur dual heranreifen. Eigentlich sollte jeder vor seinem Studium eine Lehre machen. In dieselbe Schublade gehört die Abschaffung der Wehrpflicht bzw. sozialen Jahres. Eine der Fehlentscheidungen der Kanzlerin. Will sich dann endlich ein Jugendlicher selbstständig machen, wird er schon vor lauter Formalismus und weiterer Hürden jeglicher Zuversicht beraubt. Schon wieder unzumutbare Grenzen!

Die Dimension Daten

Das Thema Daten sei aufgerufen. Das GWB-Digitalisierungsgesetz brachte Fortschritte. Die Umsetzung der Datenstrategie der EU steht nun an. Wer hat nun Zugang zu Fahrzeugdaten? Zu technischen und persönlichen Kunden-Daten? Wer vernetzt was mit wem? Dieses Thema bedarf parlamentarisch wie in der Branche dringlich einer grundsätzlichen transparenten Aufbereitung. Auch zwischen Hersteller und Händler. Die GVO 2022/2023 sei in diesem Zusammenhang beispielhaft erwähnt.

Eingeführter Datenschutz - Behinderer des Fortschritts?

Die Datenschutzdimension weist bei aller Wichtigkeit, Vertrauen, eben auch Perversität auf. Wer eine Kfz-Versicherung abschließt, erhält die Rechnung dafür auf zwei Seiten zugestellt. Dem beigefügt sind dann 22 Seiten papierene juristische Absicherungen namens AGB aus der Zentrale des Kfz-Versicherers, die weder einer liest, noch versteht. Regulatorische, bürokratische deutsche Perversion! Wir stoßen schon wieder an Grenzen, an die Verletzung von Vernunft.

Verkehrspolitik

Die nächste Regierung wird das Thema Verkehrspolitik auf eine neue Ebene stellen müssen. Die Nachhaltigkeit im Überbau: Ja! Die zentrale Frage aber wird lauten: Wie schaffen wir eine Reduzierung der Verkehrsmenge!? Vor allem in städtischen Ballungsräumen? Welchen Beitrag kann die Digitalisierung über elektronische Verkehrsschilder, Parkplatzsteuerung und Vernetzung mit öffentlichen streikfreien Verkehrsträgern schaffen? Was kann bzw. muss der Einzelne tun, um seine Mobilitätsansprüche zu reduzieren? Gelingt das auf freiwilliger Basis? Wie gelingt die Verlagerung des Güterverkehrs? Wie lausig sehen da die Fortschritte seit 20 Jahren vor lauter bürokratischer Behinderung bei den Öffentlichen Verkehrsträgern aus? Das ist nur Grenze im Blickfeld.

Prinzip Hoffnung

Huldigen wir der Hoffnung! Und dabei fällt immer wieder eine markante Hoffnungsträgerin auf, VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Sie weiß, wie man Hoffnung prägt und vermittelt. Trotz der markanten politischen VW-Diess-E-Einengung im eigenen Verband. Sie war neulich zu Gast im Autohaus Weeber in Herrenberg. Zusammen mit dem Böblinger CDU-Bundestagsabgeordneten Marc Biadacz. Andreas Weeber, der Geschäftsführer des Autohauses mit mehreren Standorten und 600 Mitarbeitern im Einsatz, offen für E-Mobility meinte in Übereinstimmung mit Hildegard Müller: "Es fehlt beim E-Auto an der Infrastruktur - nicht nur in Deutschland, sondern europaweit." Müller: "Wir müssten pro Woche in Deutschland 2.000 Ladestationen bauen, wir bauen aber nur 300." Und an anderer Stelle Hildegard Müller: "Wir werden noch lange Verbrenner fahren und müssen daher über umweltfreundliche Kraftstoffe reden.“ Andreas Weeber wird uns auf der 30. AUTOHAUS Sommerakdemie darlegen, wie er innerhalb von drei Tagen in der Lage war, Autos komplett digital zu verkaufen.

Lassen wir abschließend den Schwaben Lothar Späth, s’ Cleverle reden: "Ich glaube nicht an Politiker, dafür habe ich zu viel Erfahrung." Wir müssten wirklich mehr dafür tun, um junge Menschen für Politik, für die Demokratie zu begeistern und die Begabtesten für aktives Politikengagement zu gewinnen, fördern. Es ist leider so, dass oft die Begabtesten in der Politik verhindert oder aussondiert werden. Sie haben keine Parteiplakate geklebt und könnten gefährlich werden. Das war unter Helmut Kohl so und unter Angelika Merkel. Wen haben sie alles auf ihrem Weg "aus dem Verkehr" gezogen“? Schon wieder Grenzen! Es ist die Angst, die immer wieder Grenzen setzt! Und doch, es geht wie im wahren Leben immer weiter. WIE? Mit Prinzip Hoffnung! Sie kann aber systematische Zukunftsvernachlässigung nicht ersetzen.

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Dienstag, 10. August 2021

Die kontroverse Sicht der Dinge – E-Mobilität

Professor Jörg Wellnitz von der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI) und Inhaber einer Professur in Melbourne, hat sich eingehend mit allen Aspekten der E-Mobilität beschäftigt. Hier sein Ergebnis.

"Sie kann und wird nie so kommen, wie von Industrie und Politik prognostiziert. In der Volksmeinung ist E-Mobilität eine tolle Sache", sagt der Professor, "aber sie macht überhaupt keinen Sinn, wenn man sich alle Aspekte des Themas einmal vor Augen führt." Für gerade einmal 16 Prozent des klimaschädlichen Kohlendioxidausstoßes ist der Autoverkehr verantwortlich. "Belastender ist da ja schon die Massentierhaltung und die landwirtschaftliche Monostruktur", so Wellnitz. Von den großen Containerschiffen auf den Weltmeeren ganz zu schweigen. 330 dieser Schiffe gebe es aktuell. 15 von ihnen produzierten so viel CO2 wie 750 Millionen Autos zusammen.

Vom Flugverkehr und den großen Kreuzfahrtschiffen ebenso ganz zu schweigen....

"Bis eine Batterie für einen Tesla gebaut ist, kann man acht Jahre lang mit einem Verbrennungsmotor fahren (bzw. 200.000 km), um die gleiche Umweltbelastung zu erzielen", so Wellnitz. Denn seiner Meinung nach ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Strom zum Aufladen der Batterien – der zudem in der Hauptsache alles andere als sauber produziert wird – ebenso besteuert wird wie Benzin oder Diesel.

Und dann lägen die Kosten für ein Elektroauto bei rund 800 Euro pro Monat. Und der hat aufgrund der möglichen Ladezyklen eines Akkus in acht Jahren fast nur noch Schrottwert.

Und das weiß die Autoindustrie nicht?

"Alle wissen es", sagt Jörg Wellnitz, "aber es geht weder um die Umwelt, noch um die Kunden." Warum Hersteller wie Audi, BMW und andere derzeit Milliarden in die neue Technologie investieren, liege ganz wo anders. "Zum einen lassen sich Milliarden an EU-Fördergeldern kassieren. Daneben bewahren E-Autos die großen Hersteller vor Strafzahlungen wegen Nichterreichens der europäischen Klimavorgaben, da sie mit angeblichen Zero-Emissionsmodellen den Flottenmix nach unten drücken.

"Es geht selbstredend auch um das Markenimage, um ein grünes Mäntelchen und um Technologiekontrolle." Man baue die E-Autos im Wissen, dass sie alles andere als die automobile Zukunft seien. "Es zu machen ist billiger, als es nicht zu machen", hat mir mal ein Automanager gesagt! "Es ist sinnlos, aber es kostet weniger."

Und – so ganz nebenbei – geht es natürlich auch darum, noch mehr Autos zu verkaufen. 1,5 Milliarden Fahrzeuge gibt es heute bereits weltweit. 80 Millionen werden pro Jahr produziert. Die E-Autos sind für die Hersteller kein Ersatz für Verbrenner, sondern ein Zusatzgeschäft, um als Zweit- oder Drittfahrzeug noch mehr Autos an den Mann zu bringen.

Doch dieses Zusatzgeschäft stößt an seine Grenzen, wenn es um die benötigen Rohstoffe für den Bau von Akkus geht, deren Abbau in Chile (Lithium) und Zentralafrika (Kobalt) nicht nur extrem umweltunverträglich ist und in weiten Teilen mit unvertretbarer Kinderarbeit einher geht. "Würde Audi den A4 in großer Serie rein elektrisch bauen, müssten sie den halben Weltmarkt an Kobalt leerkaufen."

Bei VW – so Wellnitz– habe man so eine Rechnung schon mal aufgemacht und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass der Konzern für seine Produktion von E-Autos rund 130.000 Tonnen Kobalt benötigen würde. Die Weltproduktion jedoch liegt derzeit bei 123.000 Tonnen!

Und die meisten Schürfrechte liegen in China, was, wie Professor Fritz Indra sagt, der auch mal bei Audi beschäftigt war, "einen veritablen Wirtschaftskrieg auslösen kann". "Die Chinesen haben sich in Afrika weitgehende Schürfrechte gesichert. Kobalt wird zum Beispiel im Kongo teils unter brutalsten Bedingungen von Kindern aus dem Boden gekratzt", so Indra. "Man braucht zudem Graphit, Mangan und Lithium. Bei all diesen Themen begeben wir uns voll in eine chinesische Abhängigkeit, wir müssen das alles von den Chinesen kaufen."

Wie für Professor Jörg Wellnitz liefert auch für "Verbrennerpapst" Indra das Elektroauto "in einer gesamtheitlichen Betrachtung" keinen Beitrag zum Klimaschutz.

Dieselmotor -  der sauberste und umweltfreundlichste Antrieb

Wellnitz, für den der Dieselmotor nach wie vor der sauberste und umweltfreundlichste Antrieb ist, macht noch eine andere bemerkenswerte Rechnung auf: Ein Auto-Akku liefert 100 Wattstunden Leistung pro kg Gewicht, ein Benziner 12.000 Wattstunden und Wasserstoff (für Wellnitz der Treibstoff der Zukunft) 33.000 Wattstunden Leistung pro kg Gewicht.

Würde man eine aufrichtige Ökobilanz aufmachen, basierend auf Preis, Bauraum und Leistung, dann "kommt hinten der Ottomotor raus oder ein kleiner Diesel", sagt Jörgj Wellnitz. Und: "Das Wasserstoffauto wird ganz sicher kommen."

Hören sie sich ferner den Beitrag des WDR zu diesem Thema an. Danach sagen Forscher des Fraunhofer Instituts, dass man bei einer 40 kWh-Batterie 72.000 km fahren müsse, um in umweltfreundliche Kategorie zu kommen. Bei einer 58 kWh-Batterie 100.000 km. Bei der Produktion eines Elektroautos werde doppelt so viel an Umwelt zerstört wie bei einem Verbrenner.

Es geht hier nicht darum, gegen das E-Auto zu sein, sondern um eine offene Aufklärung im Sinne des Klimaschutzes. Vorliegende Texte fordern eines ganz offen: Technikoffenheit für die Zukunft!

Wie die Thematik gegenwärtig in der Presse läuft, sorgt das alles beim interessierten Kunden wie in den eigenen Reihen für Verwirrung. Da heißt es: "Elektromobilität wird günstiger als Verbrenner". "Verbrennungsmotor in der Sackgasse", oder "Warum der Verbrennungsmotor schneller am Ende ist, als viele denken", "Sollte ich mir jetzt noch einen Benziner kaufen?", "Darum setze ich auf E-Fuels" u.a. Und was in zehn Jahren genau sein wird, weiß ohnehin keiner.

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Mittwoch, 11. August 2021

Sternstunden mit Ulrich Kowalewski – Direktor Mercedes-Benz Vertriebsdirektion Pkw Bayern

Ulrich Kowalewski ist der Mister Mercedes von München. Seit 21 Jahren ist der Chef der größten Niederlassung in Deutschland. Sprich, er ließ AUTOHAUS in großer Offenheit an dieser Zeit teilhaben. Er wird mit der IAA in München sein berufliches Finale setzen. Und mein Anliegen war es, mit ihm zu seinem Abschied ein Interview führen zu dürfen. Die Ausführung dafür erfolgt separat. Unsere Begegnung wurde für mich zu Sternstunden. Ulrich Kowalewski schreibt mir als Gesprächsreplik:

"Ich habe noch nie ein Interview von über fünf Stunden Dauer gegeben. Sie haben es geschafft, dass ich Ihnen Einblick in mein automobiles Leben gegeben habe. So ausführlich und intensiv werde ich kein zweites Interview geben.“ Es war gleichermaßen  mein zeitliches Rekordinterview und zugleich das längste Weißwurstfrühstück, das ich je in meinem Leben erleben durfte. Das war so nicht geplant. Das hat sich so ergeben. Wir haben diese Zeit einfach zur besten Zeit gemacht. Und Vertrauen gibt einem Gespräch mehr Stoff als der Geist. Es gab da vieles auszutauschen. Wie engagiert man sich als Mercedes-Benz-Repräsentanz in München, gesellschaftlich, politisch, sportlich, kulturell, wissenschaftlich? Wie lebt man in München Premium-Wettbewerb? Wie steuert man über 1.000 Mitarbeiter? Welche Einflusssphären spielen seitens des Konzerns eine gewichtige Rolle? Welche Menschen, Manager waren wichtige Wegbegleiter? Ich durfte einmal mehr die Erfahrung machen, tiefe Gespräch mit den richtigen Menschen, sind unbezahlbar. Hoch über der Donnersberger Brücke (Neubau oder Sanierung?), an der täglich 170.000 Autos vorbeieilen, unvergessliche Sternstunden. Der Vorzug im Ruhestand, man muss nicht mehr tun, was sich rentiert, sondern kann endlich tun, was sich lohnt. Ulrich Kowalewski, auch von hier aus ganz herzlichen Dank!

Ulrich Kowalewski, Direktor Mercedes-Benz-Vertriebsdirektion Pkw Bayern
© Foto: Prof. Hannes Brachat

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Donnerstag, 12. August 2021

Ein pikanter Kanzleraufschrei pro VW-Currywurst

Es ist so wohltuend, das der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland 1998 – 2005, Gerhard Schröder, als Niedersächsischer Ministerpräsident damals Mitglied im VW-Aufsichtsrat, Tacheles redet. Schröder: "Wenn ich noch im Aufsichtsrat von VW säße, hätte es so etwas nicht gegeben: Eine der Werkskantinen streicht die Currywurst vom Speiseplan und stellt komplett auf fleischfreie Angebote um… Und ob die Beschäftigten bei VW das wirklich wollen? 2019 hat die Volkswagenfleischerei noch sieben Millionen Currywürste hergestellt. Currywurst mit Pommes ist einer der Kraftriegel der Facharbeiterin und des Facharbeiters in der Produktion. Das soll so bleiben. Wenn ich in Berlin bin, führt mich mein erster Weg meist zu einer der hervorragenden Currywurstbuden. Auch in Hannover gibt es exzellente Currywürste. Darauf will ich nicht verzichten, und ich denke: viele andere wollen das in ihren Betriebskantinen auch nicht." Bitte, der Altkanzler macht trotz Currywurst mit 77 Jahren "bella figura".

Den Contrapunkt zur Currywurst setzt Ex-VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann:

"Sehr geehrter Herr Schröder, Volkswagen erfindet sich selbst neu und schiebt nach der Krise fast im Alleingang die deutsche Automobilindustrie als Vorreiter endlich in eine zukunftsorientierte Richtung. Volkswagen wird Leader in Sachen E-Mobilität und "home made" Digitalisierung von Produkt und Diensten. Volkswagen zeigt (endlich) klare Kante und hat eine proaktive verantwortungsvolle Position besonders in der zentralen Frage des Klimawandels. Volkswagen steht ein für eine erfolgreiche Zukunft und moderne Arbeitsplätze in Deutschland. Und Sie sorgen sich als ehemaliger Aufsichtsrat um die Currywurst? Nicht ihr Ernst…" Wir freuen uns auf den 25. August, die 30. AUTOHAUS-Sommerakademie, da haben wir in Telfs/Innsbruck die Chance, mit Jürgen Stackmann nicht nur über Currywürste zu diskutieren.

VW wird jetzt neben der sturen einseitigen Festlegung auf E-Mobilität und Abschied vom Verbrenner auch noch vegan-vegetarisch? Man lasse sich mal von einem fundierten Metzger erklären, wie der Geschmack einer "Vegan-Wurst" herbeigezaubert wird? Da sollte man qualitativ tatsächlich tiefer pflügen. Und das Thema Massentierhaltung oder auch Reduzierung von Fleischkonsum sollte wirklich nicht von VW gelöst werden. Wir werden ja sehen, was VW in der Konsequenz daraus macht. Die VW-Wurst wird als Originalteil vertrieben (siehe Bild) und kann über "Super24" per online abgerufen werden. Und das Original Volkswagen VW Gewürz Ketchup Curry trägt als VW-Originalteil die Nr. 199 398 500 A. Insider meinen, es sei das meistverkaufte Originalteil der VW-Organisation. Konsequent wäre nun, das alles aus dem Programm zu nehmen. Das Audi-Zentrum Ingolstadt, Audi (!) vertreibt das "Ketchup Currry" über seinen virtuellen Zubehörkanal pro Liter für 9,63 Euro. Wer andere Vertriebskanäle vergleicht, erhält den VW-Liter Original Ketchup Curry für 5,98 Euro. Soviel zum Original-Teilepreis-Niveau.

Weil VW so markant sich neu erfindet, sei die Frage an die Herren Diess, Stackmann, Zellmer gerichtet: Weltweit fahren auf den Straßen 1,5 Milliarden Pkw. Es seien ca. 300 Millionen (!) davon mit dem VW-Markenemblem unterwegs. Was tut VW, um diese 300 Millionen VW sauber zu machen? Wo bleibt die VW-Initiative für Bio-Kraftstoffe bis zu E-Fuels? Anders kriegt man die 1,5 Milliarden Pkw nicht sauber! Ab 2022 steht E-Fuels zur Verfügung, so Udo Weber, UNITI-Chef. Dann kann synthetischer Kraftstoff in beliebig hohen Anteilen normalem Benzin oder Diesel beigemischt werden, ohne dass Anpassungen am Fahrzeug vorgenommen werden müssen, so Weber. Zwar kann ein Verbrenner auch zu 100 Prozent mit E-Fuels fahren. Das sei noch zu teuer. Man kann damit aber weiterhin Verbrenner fahren und die bestehende Tank-Infrastruktur nutzen. So macht man den Verbrennungsmotor auf Sicht klimaneutral. Weber: "Wir steuern auf eine gewaltige Lücke bei grünem Strom und damit auf steigende Preise." E-Fuels zu fördern wäre viel, viel, viel wichtiger, als sich um die Klientel zu sorgen, die Currywurst mit Pommes nicht verträgt. Oder schwäbisch formuliert: Sie mögen besser Tachometer bauen, die nicht mehr manipulierbar sind, als sich vegan zu outen.

Letzte Woche fuhr ich abends von der BFC Northeim von Göttingen mit dem ICE nach Würzburg. Die einzige warme Speise die es im ICE gab, war "Currywurst mit Pommes", 7,80 Euro. Und dazu ein Pils! Im Speisewagen wurde ja nicht serviert. Man musste sich also am Bistroschalter anstellen. Man konnte dann im locker besetzten Speisewagen Platz nehmen. Mir gegenüber saß dann ein sympatischer junger Mann. Er meinte: "Ich habe schon zwei Portionen hinter mir. Würden sie mal auf mein Gepäck aufpassen, ich möchte mir noch eine dritte Portion holen, so klasse schmecken die heute." Sein freudiges Lachen, ja gelebte Lebensfreude blieb mir in bester Erinnerung: "Dank drei Portionen Curry-Wurst mit Pommes!"

Audi und das spezielle VW-Gewürz (links) sowie "Super 24" und die VW-Originalteile-Wurst
© Foto: VW

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Freitag, 13. August 2021

Unser Bundestagskandidat Holger Bormann - Wolfenbüttel

Er ist trotz Corona fleißig in seinem künftigen Wahlkreis mit außerordentlichem Engagement unterwegs, von Ort zu Ort. Und das mit dem Holger Bormann-Bulli. Nicht nur auf offenen Plätzen, sondern in zahlreichen Betrieben. Am 16. August tritt er mit David McAllister auf. McAllister war Nachfolger von Christian Wulff als Ministerpräsident von Niedersachsen, ist seit 2014 Abgeordneter der EVP-Fraktion im Europäischen Parlamen und Vizepräsident der Europäischen Volkspartei. Und die erste Frau, die bei Olympia in Tokio Gold im Vielseitigkeitsreiten gewann, Julia Krajewski, traf er in Warendorf.  

Die große Branchenhoffnung für den neuen Bundestag: Holger Bormann, Automobilhändler in Wolfenbüttel
© Foto: Prof. Hannes Brachat

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Spruch der Woche:

"Die Toleranz wird ein solches Niveau erreichen, dass intelligenten Menschen das Denken verboten wird, um Idioten nicht zu beleidigen." (Rudolf Kamp)

© Foto: Sixt

Mit freudigen Urlaubsgrüßen bis zum 10. September 2021

Ihr

Prof. Hannes Brachat
Herausgeber AUTOHAUS
www.brachat.de


Der nächste HB ohne Filter erscheint am 10. September 2021!

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KOMMENTARE


Jan-Christian

13.08.2021 - 20:55 Uhr

Hildegard Müller - „markante Hoffnungsträgerin“? Die von alternativen Kraftstoffen erzählt, wohlwissend (hoffe ich jedenfalls), dass das in der Energiebilanz völliger Humbug ist und auch kein Hersteller darauf setzt? Frau Müller lebt doch irgendwie in einer anderen Welt, hat auch die Ansprüche der Herren Vorstände in den Autokonzernen, zum Teil aus den Augen verloren. Dass Sie sowas vor Autohauspublikum loslässt ist ja verständlich und menschlich, Angst vor Kontroverse. Dem Staat vorzuwerfen er baue zu wenig Ladestationen, sehe ich doch sehr kritisch. Hersteller die das in Eigenregie vornahmen und vornehmen, warfen Sie lange Zeit vor, noch nie Geld verdient zu haben. Die deutsche Autoindustrie, die wieder richtig Geld verdient, schreit nach dem Staat um Ladestationen zu bauen - ist ja okay, aber E-Autoprämie, Förderung privater Ladestationen - reicht es nicht mal irgendwann?


Thomas F.

13.08.2021 - 23:39 Uhr

Vielen Vielen Dank für die Zeilen, leider sind wir Deutschen ein Volk welches zu gerne wegschaut… zu Mo, Di, Mi : alles wissen es, alle reden darüber, aber nur sehr wenige machen ihre Meinung öffentlich. Und keiner !!! macht was. welch kranke Gesellschaft! dem Deutschen geht es zu gut, wir haben noch keine ernsthaften Sorgen. aber die werden kommen ….


Thomas Lein

15.08.2021 - 14:37 Uhr

Mit Abstand einer der Besten HB ohne Filter, den ich - seit langer Zeit - gelesen habe. Mich betrübt die persönliche Ohnmacht, vor allem zum Thema batterieelektrische Antriebe. Man wird angelogen, dass sich die Balken biegen-es interessiert aber niemanden…


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