Digitale Tools für Autohändler: Kundenkontakt über Videocall-Systeme

"Videocall" heißt das Zauberwort, wenn es um die direkte digitale Kundenansprache geht.
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Gerade in Zeiten von Corona ist es für Händler wichtig, die Kommunikation mit den Kunden nicht abbrechen zu lassen. Als besonders effektiv gelten dabei Video-Anwendungen. AUTOHAUS stellt drei Systeme vor.

Der persönliche Kontakt ist die nachhaltigste Methode, um mit dem Kunden in Kontakt zu treten. Das setzt allerdings die lokale Präsenz voraus. Wer ortsunabhängig kommunizieren will, setzt auf die Videokommunikation. "Videocall" heißt das Zauberwort, wenn es um die direkte digitale Kundenansprache geht. Kein anderer digitaler Touchpoint schafft diese Authentizität. In Zeiten von Corona haben damit zahlreiche Menschen im Homeoffice Erfahrungen gesammelt. Es gibt dafür kommerzielle Tools, die als Webkonferenz oder private Videocall-Lösung bereits bekannt sind. Dazu zählen Produkte beispielsweise Teams (Skype), Face Time, WhatsApp, GoToMeeting, Zoom und andere.

Bei all diesen Systemen gilt es allerdings mehr als vorsichtig bezüglich der Nutzung zu sein. Das Thema Datenschutz ist nicht unbedingt gesichert und kann zu unangenehmen Folgen führen, warnen IT-Experten. Diese Systeme setzen außerdem voraus, dass man ein Konto des jeweiligen Anbieters oder einen Zugang besitzt. Auch findet die Kommunikation immer von einem Konto zum nächsten statt. Nicht vorgesehen ist außerdem die Organisation von Kanälen, die aus mehreren Mitarbeitern bestehen. Diese Bedingungen reduzieren damit die Nutzbarkeit für den Autohandel.

Abhilfe schaffen hier spezielle Videocall-Anwendungen. Zu den drei bekannten Anbietern, die sich auf den Automobilhandel spezialisiert haben, zählen mobilApp Face2Face, SellVision und video2sale. Alle drei Anbieter bieten die Möglichkeit, auf Kundenseite ohne Installation einer Software oder eines Logins einen Videocall zu starten.

Die Bildqualität der Gespräche ist bei allen Anbietern gleich gut und hängt von der Internetverbindung beider Anrufer ab. Die Systeme unterscheiden sich primär in der Art, wie Anrufe initiiert und angenommen werden können. Bei video2sale und SellVision werden die Anrufe im Browser gestartet und angenommen. mobilApp Face2Face stellt den Mitarbeitern dafür eine eigene App zur Verfügung.

Dieser Unterschied hat große Auswirkungen: Die Abwicklung über eine reine Browserlösung kommt der Nutzung eines tragbaren Telefons gleich, bei dem der Ton ausgestellt wurde. Man muss permanent schauen, ob jemand anruft. Dieser entscheidende Nachteil fällt bei Face2Face weg, da ein eingehender Videocall über die App ein Klingeln des Mitarbeitertelefons auslöst. Es ist somit nicht nötig, dass ein oder mehrere Mitarbeiter vor einem Endgerät sitzen und auf eingehende Anrufe warten.

Eine weitere Funktion ist die Organisation der Mitarbeiter in Gruppen. So können beispielsweise alle Gebraucht- und Neuwagenverkäufer, Serviceleiter usw. als eigene Gruppen anlegt werden. Darin gilt dann das "First Come, First Serve"-Prinzip: Der Erste, der den Anruf entgegennimmt, führt das Gespräch. Diese Funktion wird von mobilApp Face2Face sowie von SellVision angeboten. Um Mitarbeiter zu animieren, die Systeme zu nutzen, ist es erforderlich, die Prozesse einfach zu halten. Hier hat mobilApp durch bestehende Schnittstellen zu DMS- und CRM-Systemen Vorteile, da Kundendaten über eine Suche abgerufen werden können. (rm)

Hinsichtlich weiterer Details und den Preisen empfiehlt sich ein Blick auf die Websites der Anbieter:

https://www.mobilapp.io/videocall

https://www.sellvision.de/

https://pgc-group.de/video2sale/

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KOMMENTARE


herbie

21.04.2020 - 19:33 Uhr

Schöne neue Zeit. Ich warte seit 3 Tagen auf eine Rückantwort von der Renault AG über eine Renault-Zoe-Probefahrt. Vollmundig werden auf der Renault-Webseite Probefahrten angeboten und nicht gehalten. Schöne neue Welt der Lead-Bearbeitung. Das kann nicht sein und darf in der heutigen Zeit der übergroßen Konkurrenz nicht sein. Ich werde mich für ein anderes Elektro-Fahrzeug entscheiden, wenn sich Renault nicht bemüht.


Gerd Maier

22.04.2020 - 15:42 Uhr

Ich kann das Wort Digitalisierung nicht mehr hören. Online, Apps usw. Wenn das Schule macht, braucht es keine Verkaufsberater mehr. Auto kaufen muss für den Kunden zum Erlebnis bis zur Auslieferung werden, das geht im persönlichen Kontakt, Probefahrten, usw. Was machen die älteren Kunden, welche keinen Laptop geschweige denn eine E-Mail-Adresse zu Hause haben? Es gab ohne Corona-Zeiten auch schon genug Versuche, den Autohandel online zu betreiben und alle sind kläglich gescheitert. Leider sehen das die Hersteller anders, Sixt, Carwow, MeinAuto.de und viele andere machen die Preise kaputt, weil die Hersteller teilweise abenteuerliche Margen anbieten. Nur die Betreuung vor Ort, Gewährleistung und vieles andere darf dann der ortsansässige Händler übernehmen. So macht man die Händlerschaft insolvent, welche teilweise fast 100 Jahre exisitiert hat. Es reicht schon vollauf, wenn wir uns gegen die Konkurrenz der EU-Fahrzeuge wehren müssen, den Herstellern ist es schlussendlich egal, Hauptsache der Absatz stimmt. G.M.


Ferdi

22.04.2020 - 18:50 Uhr

Wäre doch günstiger, wenn man alles nur noch online abwickeln könnte, spart Personalkosten. Hinzu kommt der Großteil der Systeme überhaupt nicht datenschutzkonform ist. Hauptsache nun mit Digitalisierung kommen. Wenn man dann noch sieht, dass ein großer (teurer) Onlinefahrzeugmarkt uns nun auch noch WhatsApp-Videofunktion aufdrücken will, muss man sich doch nur noch wundern. Mit tut die jüngere Generation schon jetzt leid. Hoffen wir mal, dass es der Kunde nicht annimmt. Solange der Großteil der Kunden auch nicht weiß, wie sicher ihr Job ist, wird auch die Neuanschaffung zurückgestellt. Auch wenn es jeder denkt, Auto und Fußball sind nun nicht gerade die größten Sorgen der Menschen.


Hans W

23.04.2020 - 09:50 Uhr

@herbie ... Wie wäre es, wenn Sie sich einfach kurz die Zeit nehmen und direkt beim Händler in Ihrer Nähe anrufen, um die Sache zu vereinbaren. Diese Art der Wertschätzung sollte doch nicht zu viel verlangt sein oder bricht dem Kunde König ein Zacken aus der Krone, wenn er sich aktiv mit seinem Anliegen meldet??!! PS.: Auf die Art Kunden die mit ... wenn sich die nicht kümmern, kaufe ich was anderes ... können sämtliche Händler bestens verzichten. Langeweile herrscht sicher nicht und da muss man die Gratis und Digital Spinner auch mal selektieren, um die potentiellen Kunden, die über Jahre ihr Geld im Haus lassen ohne an der Decke zu schweben, anständig betreuen. In diesem Sinne, bleibt fair, anständig und achtet aufeinander. Gemeinsam und auf Augenhöhe lebt es sich leichter.


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