GWM-Partnerverband: "Jetzt muss es zünden"

02.02.2026 16:30 Uhr | Lesezeit: 4 min
Der GWMPV-Vorstand (v.l.n.r.): Carsten Seitz, Martin Kloos, Mark Winkelmann, Geschäftsführer Andreas Wahl, Boris Mommerskamp, Dennis Herzog und Ulli Bollack.
Der GWMPV-Vorstand (v.l.n.r.): Carsten Seitz, Martin Kloos, Mark Winkelmann, Geschäftsführer Andreas Wahl, Boris Mommerskamp, Dennis Herzog und Ulli Bollack.
© Foto: Stefan Schmid / AUTOHAUS

Gedrückte Stimmung und zahlreiche offene Fragen prägten das erste Treffen der deutschen GWM-Händler. Zugleich lieferte das Treffen eine dringend benötigte Perspektive für die weitere Zusammenarbeit.

Die erste Mitgliederversammlung des Great Wall Motor Partnerverbands (GWMPV) in Flörsheim stand ganz im Zeichen einer kritischen Bestandsaufnahme. Trotz seiner kurzen Historie könne der Verband bereits "auf turbulente Phasen zurückblicken", brachte es Carsten Seitz, zweiter stellvertretender Vorsitzender des Verbandes, am vergangenen Freitag in seiner Begrüßungsrede auf den Punkt. 

Der Markteintritt von GWM entwickelte sich früh zur Belastungsprobe für den Importeur Emil Frey. Als zentrales Problem erwies sich die ambitionierte Premium-Positionierung des Ora Funky Cat, die in einem schwierigen Marktumfeld und bei geringer Markenbekanntheit nicht verfing. Hinzu kam ein ungünstiges Timing. Als Mitte 2023 die Lieferfähigkeit erreicht war, hatte sich das Marktumfeld bereits spürbar eingetrübt. Der notwendige Abverkauf über Sonderaktionen traf auf eine noch nicht stabil funktionierende Organisation. Defizite bei Prämienabwicklung und IT-Prozessen belasteten das Verhältnis zum Handel zusätzlich.

Auch GWMPV-Geschäftsführer Andreas Wahl sprach von einer "verwirrenden Phase", in der Händler und Importeur "viel Lehrgeld bezahlt" hätten. Mit dem Programm „GWM 2.0“ zieht der Importeur nun einen Schlussstrich unter die Fehler der Startphase und setzt auf einen sauberen Neuanfang.

Einheitliche Netzstruktur 

Um die GWM-Maschinerie in Schwung zu bringen, setzt Johannes Brandenburger, Chef der O! Automobile GmbH, auf eine Sommer-Offensive mit marktgerechter eingepreisten Modellen. Parallel dazu verschmilzt das fragmentierte Netz zu einer einheitlichen GWM-Struktur, unter der Ora- Wey- und Haval Partner künftig gemeinsam agieren. Allen Partnern, die diesen Weg der Konsolidierung mitgehen, soll laut Carsten Seitz eine "goldene Brücke" gebaut werden – eine notwendige Geste, da der Erfolg der neuen Produkte ohne ein loyales und stabiles Netz kaum realisierbar sein wird. 

Als Hoffnungsträger debütiert im Juli der Ora 5, dessen Markteinführung jedoch eine operative Gratwanderung bei der Preissteuerung erzwingt: Der Importeur muss den Newcomer so positionieren, dass die teils hohen Ora-Bestände im Handel nicht weiter entwertet werden. Zusätzliche Impulse verspricht die Integration von Haval, deren bereits verfügbarer H6 zwar durch ein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis punktet, aufgrund fehlender EU-Typgenehmigung jedoch das Nadelöhr der aufwendigen Einzelzulassungen passieren muss. Trotz dieser strategischen Krux sieht das Netz in der Marke die Chance, neue Segmente zu besetzen und die Sichtbarkeit durch eine flankierende Marketingoffensive zu forcieren.

Klar ist: Der zweite Anlauf muss sitzen. Der Druck im Netz ist bereits immens und wird sich bis zum Sommer verschärfen, wenn weitere Leasingrückläufer eintreffen und laut Andreas Wahl aufgrund schwacher Restwerte "zusätzlich Geld vernichten". Damit rückt das zentrale Konfliktfeld Restwertrisiko in den Fokus, das bei einer noch nicht etablierten Marke laut dem Verbandsgeschäftsführer einer "Wundertüte" gleicht. Wer dieses Risiko künftig schultert, bleibt das entscheidende Politikum.

Einigkeit herrscht indes darüber, dass die aktuelle Lastenverteilung zuungunsten des Handels keine Dauerlösung sein kann. Zwar signalisierte Brandenburger Bereitschaft zur Korrektur, doch für die Partner bleibt die wirtschaftliche Entlastung beim Bestand die entscheidende Bedingung für den Erfolg: Solange das Restwertrisiko ungelöst auf den Standzeiten lastet, droht die neue Modellwelle die Liquidität eher zu ersticken, als die wirtschaftliche Basis zu festigen. Die Höfe müssen frei werden, bevor der Neustart im Handel physisch und finanziell Platz greifen kann. 


GWM Ora 07 GT

GWM Ora 07 GT in violett schraeg von vorn fotografiert Bildergalerie

Markt braucht Impulse 

Parallel dazu fordert der Handel wettbewerbsfähige Finanzierungsinstrumente, da die aktuelle Konditionslandschaft kaum Spielraum für nennenswerte Volumina lässt. Erschwerend kommt die Rolle der Captive-Bank hinzu: Da auch dort die Höfe mit Fahrzeugen voll stehen, droht deren defizitärer Absteuerungsdruck die Preise im Handel zusätzlich zu torpedieren. Um das Netz bis zum Sommer zu entlasten und Platz für die zweite GWM-Welle zu schaffen, verlangt der Verband daher nach kurzfristig wirksamen Sonderzinsprogrammen, die den Abverkauf stützen, statt die Margen weiter auszuhöhlen.

Zusätzliche Impulse soll die europäische Expansion liefern, von der mittelbar auch der deutsche Markt profitieren dürfte. Der geplante Markteintritt in 13 weitere Länder werde GWM "gut tun" und der Marke in Europa spürbar mehr Gewicht verleihen, so Seitz. In diesem größeren Footprint sieht der Handel die Chance auf den dringend benötigten Rückenwind für die Markenbekanntheit, was die Marktdurchdringung auch hierzulande stützen soll.

Turnaround mit Altlasten 

Der für den Sommer anvisierte Neustart mit neuen Modellen, forcierter Vermarktung und klaren Strukturen stieß zwar auf positive Resonanz, doch die Euphorie bleibt unter Vorbehalt. Die Bedingung für einen echten Turnaround steht fest: Die Altlasten des ersten Anlaufs müssen zeitnah und wirtschaftlich tragfähig abgeräumt werden. Erst wenn diese Hürden gemeinsam genommen sind, entsteht aus der aktuellen Aufbruchstimmung wieder ein kalkulierbares Geschäftsmodell für beide Seiten. Oder wie es ein Händler in Flörsheim zusammenfasste: "Jetzt muss es zünden."


GWM Haval H6 (2026)

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