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Kfz-Gewerbe Hessen: "Den Diesel abschaffen ist Quatsch"

Jürgen Karpinski
© Foto: Ralph Olma Presse + PR Pfauntsch

Deutliche Worte zur aktuellen Dieseldiskussion fand ZDK-Präsident Jürgen Karpinski anlässlich der Jahrespressekonferenz seines Landesverbandes Hessen.

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"Der Diesel ist der sauberste und effizienteste Motor der Welt." Mit diesem derzeit sehr mutigen Satz setzte ZDK-Präsident Jürgen Karpinski auf der Jahrespressekonferenz des Kfz-Gewerbes Hessen am Donnerstag in Frankfurt einen Kontrapunkt zur derzeit beliebten Dieselschelte. "Das ist eine ideologische und unsachliche Diskussion geworden", so der oberste Repräsentant des deutschen Kfz-Gewerbes, der auch Präsident des Landesverbandes Hessen ist. Die Dieseldebatte werde "von einigen Seiten überhitzt und vielfach auch faktenfrei" geführt.

Der ultimative Angriff auf den modernen Diesel sei ein gravierender Fehler. Wann der Elektroantrieb in Sachen Wirtschaftlichkeit, Reichweite, Ladeinfrastruktur und Umweltfreundlichkeit den Verbrennungsmotor überhole, sei eine Frage der Zeit, die heute noch niemand seriös beantworten könne. "Bis zu diesem Zeitpunkt, das ist klar erkennbar, werden wir hochmoderne Verbrennungsmotoren zur Sicherung der Mobilitäts- und Transportbedingungen unbedingt benötigen."

Die Ökobilanz von Elektrofahrzeugen sei derzeit auf dem Niveau von Dieselfahrzeugen, argumentierte Karpinski. Deshalb sei es Quatsch, den Diesel abzuschaffen. Er müsse im Gegenteil verbessert werden. Ohne den Diesel könne die ab 2020 von der EU vorgeschriebene CO2-Vorgabe von 95 Gramm pro Kilometer für Pkw nicht eingehalten werden. Der Verbandschef erneuerte seine Forderung nach einer Nachrüstverordnung für ältere Dieselfahrzeuge mit stickoxidreduzierender Abgasreinigungstechnik. Die neue Bundesregierung sei hier dringend gefordert ebenso wie die Politik auf Landesebene.

Fahrverbote nicht nötig

Fahrverbote müssten auf jeden Fall vermieden werden, betonte Karpinski. "Sie sind der falsche Weg." Er verwies auch auf die am Mittwoch vom "Münchner Merkur" veröffentlichte Kritik an den Abständen von der Straße für die Abgasmessung. Für hessische Städte sah er gute Chancen allein durch organisatorische Maßnahmen die Stickoxidbelastungen weiter zu reduzieren. In der Rangliste der in Deutschland am stärksten belasteten Städte erscheine erst auf Platz neunmit Darmstadt die erste hessische Stadt. Die Belastung liege hier bei 52 Mikrogramm. Angesichts eines Grenzwerts von 40 Mikrogramm "kein dramatischer Wert".

"Moderne Euro 6- oder Elektrobusse im städtischen Linienverkehr, mehr Park-and-Ride-Möglichkeiten an den Stadträndern, grüne Welle statt Stop-and-Go und vieles mehr können als Maßnahmenbündel helfen, die zulässigen Grenzwerte einzuhalten und damit Fahrverbote für Diesel zu verhindern", sagte Karpinski. Aus Sicht des Kfz-Gewerbes würden sofortige Fahrverbote in hessischen Städten bei diesen Erwägungen keinesfalls dem vom Bundesverwaltungsgericht angeführten Verhältnismäßigkeitsgrundsatz entsprechen. Karpinskis Rat an die Autofahrer: "Keine Panik, keine Panikverkäufe." (dp)

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KOMMENTARE


MIchael D.

08.03.2018 - 17:56 Uhr

Unabhängig von der fachlichen Diskussion ist die Dieseltechnologie beim Kunden bereits "beerdigt". TV und Zeitungen sind voll von Leuten, die sich erst letztes oder vorletztes Jahr einen Diesel gekauft haben und diese Fahrzeuge sind jetzt nahezu unverkäuflich und haben enorm an Wert eingebüßt. Egal wie gut, sauber, ökonomisch Diesel sein mag. Die Kunden dafür sind rar geworden. Und das lässt sich auch mit gutem Zureden und dem Verweis auf Technik und Fakten nicht ändern.


Walter Schiel

08.03.2018 - 18:17 Uhr

Kann es sein, dass sich langsam Stimmen der Vernunft bemerkbar machen? Stimmen, die auf Fakten hinweisen statt auf Ideologie? Ich wage es kaum zu glauben.Tatsache ist: Die Dieselmotoren waren noch nie so sauber. Die Luft in unseren Städten war noch nie so gut. Das bestätigen alle Untersuchungen des Umweltbundesamtes. Statt sich über diese Erfolge zu freuen, werden die Grenzwerte immer weiter heruntergesetzt, bis zur physikalischen Schmerzgrenze.


BWL

08.03.2018 - 19:29 Uhr

Respekt, dass endlich jemand den Mut hat, in der momentanen, von einseitigem Dieselbashing geprägten öffentlichen Meinung eine konträre und aus meiner Sicht vollkommen korrekte Sichtweise zu vertreten. Ich arbeite bei einem großen bayerischen KFZ Großhändler. Wir beliefern ausschließlich Autohändler mit Jahres- und Halbjahresfahrzeugen. Das derzeit der Öffentlichkeit vermittelte Untergangszenario zum Thema Diesel deckt sich absolut nicht mit unserer Wahrnehmung. Wir haben zahlreiche Kunden, welche sich nicht von dieser Stimmung haben beeinflussen lassen und bis heute äußerst erfolgreich sowohl Diesel als auch Benziner, in ähnlicher Menge wie vor der Dieseldiskussion verkaufen. Hierzu ist es natürlich notwendig sich dem Thema offen zu stellen und auch den Verkauf entsprechend zu schulen. Nur so ist auch eine zielführende und erfolgreiche Beratung, der momentan zu Recht verunsicherten Kundschaft, notwendig. Gerade in diesem Bereich gibt es einen erheblichen Nachholbedarf. Nur allzu oft wird hier zusammen mit dem Kunden die Lage betrauert, anstatt nach einer für alle Seiten befriedigenden Lösung zu suchen.


carajan

08.03.2018 - 20:04 Uhr

Es gibt Menschen, die auch gar nichts dazu lernen - Sorry! Sicher ist es möglich den Diesel abgastechnisch zu optimieren, aber die Industrie sollte ihre Ressourcen vielmehr auf alternative Antriebe konzentrieren! Stillstand ist hier schnell Rückstand!


Bronco

09.03.2018 - 08:03 Uhr

Wenn die Industrie tatsächlich wollte, wäre eine Umrüstung doch möglich. Ich bin davon überzeugt, dass man die alten Fahrzeuge umrüsten bzw. nachrüsten kann. Ich fahre meinen Diesel so lange wie möglich. Aber dann wäre der Verkauf von neuen Fahrzeugen eingeschränkt. Statt die Eintauschprämien zu zahlen, sollte man das Geld lieber in die Umrüstung stecken. Fazit der ganzen Panikmache : Der Händler ist der Dumme und bleibt auf den "Altwagen" sitzen. Sorry, aber die blöden Sprüche die jeden Abend im TV kommen, kann man bald nicht mehr hören.Ich bin zwar eine Frau aber seit 48 Jahren Händlerin.


Eur4

09.03.2018 - 08:36 Uhr

Der Mann trifft den Nagel auf den Kopf!Bereits vor weit über 10 Jahren wurde ein Wagen gebaut der


Made Ma

09.03.2018 - 10:32 Uhr

Endlich sagt mal einer wie es ist !!! Diese ganze Panik-Macherei der Politik und Medien führt nur zur völligen Verunsicherung und wir im Autogewerbe bekommen es ab !! Wollt ihr eigentlich eure eigene Wirtschaft vernichten?? Fangt doch erst mal an den richtigen Stellen der Umweltverschmutzung an anstatt die Autoindustrie in den Dreck zu ziehen!! USA,China, Indien, die dreckigsten Ländern der Welt....interessiert die das?? Nein, nur wieder scheiß Deutschland ....mein Gott die Welt ist ein gesamter Planet und die Autos sind der geringste Anteil am Klimawandel und Umweltverschmutzung. Wacht doch alle mal auf !!! Stellt den Schiffsverkehr ein, die Fahren auch mit Diesel. Ein Kreuzfahrtschiff haut so viel CO² in die Atmosphäre wie 21 Millionen Passat. Also bitte.......kommt alle mal wieder zur Vernunft.


Prof. P.S.

09.03.2018 - 11:47 Uhr

Herzlichen Glückwunsch H. Karpinski, so ist es; der Hype um den Diesel ist mehr in die populistische Ecke zu stellen, so kann man das Volk auf die falsche Fährte setzen. Chapeau, Sie sind mutig, das so in der Öffentlichkeit zu kommentieren. Die "echten" Experten aus der Wissenschaft haben sich leider schon abgesetzt mit großem Schweigen, gegen Fakes und co kommen die leider auch nicht an.Um es klar zu machen: Manipulation geht nicht. Aber was daraus jetzt gemacht wird , ist schon hanebüchen. Motto: bad news are good news


wallibelli

09.03.2018 - 12:18 Uhr

Ich traute meinen Augen nicht. Gestern abend erscheint gegen 19.00 Uhr folgender Artikel auf der Seite Manager Magazin: "Abgasnorm Euro 6d wirkt offenbar Wunder.Umweltschützer preisen neue Diesel-Autos!" Der Artikel beschreibt wie PSA die Euro 6d-Zertifierung mit Real Drive Emisson-Test für einen 308 SW Blue Hdi, Citroen C3 Blue Hdi und einen DS7 Crossback unter Aufsicht dreier externer französischer Organisationen durchgeführt hat: Dem französischen Umweltschutz-Dachverband FNE, der Zertifizierungsgesellschaft Buerau Veritas und der europäischen Umwelt-Lobbygruppe Transport & Environment (T&E). Ein Peugeot 308SW Diesel kommt auf max 52 Milligramm NOx je Kilometer, ein Citroën C3 Diesel stößt demnach 40 Milligramm NOx auf einem Kilometer aus, ein DS 7 Crossback gar nur 30 Milligramm. Damit unterbieten sie schon die Grenwerte der 2. EURO 6d Stufe ab 2020 (RDE NOx max. 120 mg/km). Diese Autos gehören zu den ersten Wagen, die in Deutschland nach der 1.Stufe Euro 6d-Temp (RDE max. 168mg/km NOx) zertifiziert wurden, für die nun Stickoxid-Messwerte im realen Fahrbetrieb veröffentlicht wurden: "Die Messungen zeigen exzellente Resultate bei Stickoxiden und Anzahl der Feinstaubpartikel", teilte T&E mit. Die Organisation zählt zu einer Reihe von Gruppen, die die Autohersteller seit Jahren scharf für die unzureichende Abgasreinigung und Motor-Manipulationen kritisieren. Der ausführliche Artikel endet in dem Satz: "Sofern sich diese ersten Testergebnisse für neue Diesel bestätigen, löst sich der Grund, warum der Diesel vor zweieinhalb Jahren zum bösen Auto wurde, gerade in Luft auf. Das hilft von Fahrverboten betroffenen Alt-Diesel-Besitzern wenig, der Diesel-Technik selbst aber erheblich.


egonsamu

09.03.2018 - 12:34 Uhr

Leider wird die Diskussion, ja vielmehr die Hetzjagd auf den Diesel mehrheitlich von ideologisch angepassten, ahnungslosen Demagogen und ihren Medienhuren lautstark bestimmt. Umso wohltuender ist für mich die Stimme von Herrn Karpinski, die Vernunft, faktische Realität und umfassendes ökologisches Denken einfordert.Schon der Umweltatlas Berlin zeigt im Bericht über die Langzeitqualität der Luft in Berlin, wie die Luftqualität in den letzten 25 Jahren kontinuierlich und deutlich verbessert wurde. Andere Regionen sind vergleichbar.Die Bürger müssen mit Reizthemen auf Trab gehalten und abgelenkt werden, damit sie ihre Laufende Abschaffung durch aggressive, gesetzwidrige Umvolkung und die Zerstörung Deutschlands nicht merkeln.


CXS

09.03.2018 - 15:17 Uhr

Wer jetzt Diesel Werbung betreibt, hat den Blick auf die Alternativen verloren. Es gibt auch Autohersteller, welche seit Jahrzehnten erfolgreich Hybrid Autos verkaufen. Diese Technologie ist als "Brückentechnik" der sinnvollste und nachhaltigste Weg in die Zukunft des Automobils. Und das auch in einer momentan recht unübersichtlichen Zukunftsaussicht. Nicht umsonst liegen die Werte von gebrauchten Hybriden bereits heute über denen vergleichbarer Benziner oder Diesel. Die Technik funktioniert und ist in der Wartung nicht teurer als ein Auto mit konventioneller Technik. Hybrid ist heute, Diesel ist gestern, was morgen ist wird sich in naher Zukunft herauskristallisieren!


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