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Kfz-Zulassungsstellen in der Corona-Krise: "Situation kaum zu ertragen"

Viele Kfz-Zulassungsstellen haben in der Corona-Krise geschlossen oder bieten nur eingeschränkt Publikumsverkehr.
© Foto: picture alliance / dpa

Viele Zulassungsstellen haben in der Corona-Krise geschlossen oder bieten nur eingeschränkt Publikumsverkehr. Das verschärft die Lage des ohnehin gebeutelten Autohandels noch weiter. Die Branche fordert tragbare Lösungen.


Datum:
25.03.2020
15 Kommentare

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Das Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg fordert in der Corona-Krise eine durchgängige Zulassungsmöglichkeit von Fahrzeugen für Autohändler. "Insgesamt ist die Situation mit gänzlich geschlossenen Zulassungsstellen kaum zu ertragen", sagte Michael Ziegler, Präsident des Landesverbands, am Mittwoch in Stuttgart. Man beraube den Betrieben der derzeit einzigen Möglichkeit, Autos via Internet oder Telefon zu verkaufen. Ziegler: "Wer kauft ein Auto, wenn er es nicht zulassen kann?"

Angesichts der bundesweiten Corona-Beschränkungen schließen immer mehr Zulassungsstellen ihre Pforten. In günstigen Fällen ermöglichen sie eingeschränkt Publikumsverkehr oder eine telefonische Terminabsprache. Folge ist eine unnötige Verschärfung der ohnehin krisenbedingten Liquiditätsengpässe von Autohäusern. Händler liefen dadurch Gefahr, den Zahlungsansprüchen der Hersteller nicht nachkommen zu können, so Ziegler.

Als großes Problem sieht der Branchenvertreter auch in der Vergangenheit verkaufte Fahrzeuge, die jetzt zur Auslieferung anstehen und nicht angemeldet werden können. "Das Kraftfahrzeuggewerbe würde es begrüßen, wenn die Verwaltungen von Landkreisen und Gemeinden unbürokratische Lösungen erarbeiten würden, etwa in Bezug auf Möglichkeiten einer kontaktlosen und damit Corona-freien Übergabe von Dokumenten und Kfz-Schildern", sagte er. Ideen, dies zu realisieren, gebe es genug.

Ziegler nannte etwa die Möglichkeit einer Terminvereinbarung nur für Händler, Mit wenig Publikum in den Zulassungsstellen ließen sich die Abstands- und Hygieneempfehlungen problemlos umsetzen. Ein ähnliches Modell hatte das Kfz-Gewerbe Schleswig-Holstein in der vergangenen Woche mit den Zulassungsstellen des Bundeslandes vereinbart (wir berichteten).

Kroschke informiert über aktuelle Öffnungszeiten

Wie sich die Situation in den einzelnen Zulassungsstellen gestaltet, darüber informiert ab sofort der Zulassungsdienstleister Kroschke auf seiner Internetseite. Unter https://www2.kroschke.de/info/zulassungsstellen können Interessenten eine Liste zum aktuellen Status der Ämter – geschlossen, eingeschränkt geöffnet oder abweichende Öffnungszeiten – abrufen. Die Liste bekommt zwei Mal täglich ein Update (13 und 19 Uhr), alle darin nicht aufgeführten Stellen haben geöffnet. (rp)

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KOMMENTARE


ExVerkäufer

25.03.2020 - 12:49 Uhr

Wäre tatsächlich interessant, ob es eine Behörde auch unbürokratisch kann. Alles andere wurde ja schon in der Vergangenheit versäumt.


Heinz Dietz

25.03.2020 - 13:53 Uhr

Haben bei uns im Raum Nordbayern mit den Behörden ein besonders delikates Problem bzw. müssen uns Kommentare gefallen lassen. O-Ton bei uns in Hassfurt: Ihr wisst doch, dass Ihr geschlossen haben müsstet, folglich keine Zulassung für Handelsbetriebe. Als getarnter Privatmann (systemrelevant) mit Terminierung war es in einzelnen Fällen möglich. Leider ist die digitale Zulassung zwar in Planung, nur noch nicht umgesetzt.


Stefan F

25.03.2020 - 14:01 Uhr

Bei aller berechtigter Angst ist es ein MUSS, hier schnelle praktikable Lösungen umzusetzen. U.a. weil das in diesen Tagen so oft genannte Thema der Liquidität bei den Händlern daran hängt. Es liegen KFZ-Briefe in den Schubladen der Händler, die zwar bei den Banken abgelöst sind, aber kein Geld einbringen können, da keine Rechnungen geschrieben werden, wenn keine Zulassung erfolgen kann. Es muss zügig weitergehen. Natürlich mit anderen (Verhaltens-)Regeln, aber in Schockstarre auf das Ende warten ist keine Alternative ...


Rudi

25.03.2020 - 16:27 Uhr

Bei allem Verständnis für die Gesundheit der Mitarbeiter in den Zulassungsstellen: Gebt wenigstens den Zulassungsdiensten die Möglichkeit, Fahrzeuge zuzulassen! Gerne auch mit Quoten (z. B. pro Zulassungsdienst pro Zulassungsstelle 15-20 Vorgänge). Das hält den individuellen Publikumsverkehr fort, aber die wichtigen Fahrzeuge können zugelassen werden. Es kann nicht sein, dass z. B. Polizisten ihr neues Auto zugelassen bekommen, weil sie systemrelevant sind und das Auto für den Weg zur Arbeit benötigen, während die Kassiererin beim Supermarkt ihr neues (oder gebrauchtes) Auto nicht zulassen kann und nicht mehr zur Arbeit kommt. Ebenso kann es nicht sein, dass Millionen von Menschen ihrer Arbeit so weit es geht weiter nachgehen, aber ausgerechnet die Zulassungsbehörden der Wirtschaft schaden (ich denke dabei nicht nur an den Handel, sondern z. B. auch an die Hersteller und deren Zulieferer und wiederum deren Zulieferer; Zulassungsdienste; Menschen, die auf ihr Auto angewiesen sind, um zu arbeiten oder Angehörige zu versorgen). @Heinz Dietz: Dem Mitarbeiter hätte ich was erzählt! Nur weil wir geschlossen haben müssen, heißt es ja nicht, dass wir nicht verkaufen und ausliefern dürfen! Amazon, Zalando und Co. dürfen das ja auch noch weiterhin, genau wie jeder andere Ladenbetreiber, der online verkauft.


Annotator

25.03.2020 - 16:52 Uhr

Zu den HASSFURTERN: Wer sagt denn, dass ich Autos nicht an den Kunden übergeben darf? Verkauft wurde es ja schon vorher. Amtsschimmel!!! Blödes Bürokratengeschwätz.


Bernd Schoder

25.03.2020 - 18:24 Uhr

Jede Kassiererin bei Aldi, Rewe, Netto usw. ist mehr gefährdet. Bei gutem Willen lässt es sich auf jeder Zulassungsstelle so einrichten, dass die Mitarbeiter durch entsprechenden Abstand ihren Schutz haben können. Alles andere ist gelebte Hysterie.


Hermann

25.03.2020 - 18:59 Uhr

Warum ist es eigentlich nicht möglich, Fahrzeuge in jeder Zulassungsstelle anzumelden? Versicherungsschein u. Steuereinzugsformular liegen doch vor. Eine bundesweite Zulassuungsplakette sollte doch reichen.


Michael Franken

25.03.2020 - 21:13 Uhr

Es muss unbedingt eine praktikable und schnelle Lösung her. Wo ein Wille ist, gibt es auch eine Lösung. Es gibt mittlerweile einige Ämter, die dieses schon erfolgreich praktizieren und Fahrzeuge zulassen. Wie soll denn überhaupt der Rückstau abgearbeitet werden? Zudem habe ich den Eindruck, das sich die Behörden als erstes verpissen.


A. Schömig

26.03.2020 - 09:18 Uhr

Der Kreis Ostholstein (Zulassungsstelle Eutin) hat seit dem 19.03.2020 geschlossen. Termine, die man vorher online gemacht hatte, sind dadurch nicht bearbeitet worden, man wurde zuvor auch nicht darüber informiert, dass der Termin seitens der Zulassungsstelle nicht wahrgenommen wird. Wenn man dann dort anruft, sollte man sich "warm anziehen", es wird einem im barschen Ton erklärt, das geschlossen ist und man auch nicht weiß, wann wieder geöffnet wird ... Klarer Fall von Überheblichkeit des Gesprächspartners am Telefon ... - schönen Dank!


Dieter M. Hölzel

26.03.2020 - 18:51 Uhr

Wie tapfer sind all jene Frauen und Männer in den Supermärkten!!! Sind etwa die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Beamte?) in den Zulassungsstellen weniger wichtig, oder gar ...?????? Aufwachen und Zulassungsstellen öffnen!!!


Peter Kreil

27.03.2020 - 11:34 Uhr

Da haben wir hier im Wetteraukreis/Hessen ja noch Glück bis jetzt. Zulassung für Händler über Zulassungsdienst ohne Zeitverzögerung möglich. DANKE Wetteraukreis


preissucher

27.03.2020 - 15:31 Uhr

Leider ist in dieser Krise zu erkennen, dass Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes es sehr genau nehmen mit den Risiken, welchen sie wohl ausgesetzt sind. Dies sind viele andere auch in unserer Gesellschaft. Es ist natürlich einfacher, bei vollen Bezügen die Krise zu Hause auszusitzen. Auch war zu erkennen, dass genau ab dem Wochenende der Schulschließungen sich Karawanen mit ihren Kindern auf den Weg machten, um schöne Tage an der Nord-oder Ostsee oder anderen schönen Gegenden zu verbringen. Schön, wenn die Ferien so verlängert sind und voll bezahlt werden. Das waren aber keine Krankenschwestern, Polizisten, Feuerwehrleute, Autoverkäufer ... und viele mehr. Bitte nicht falsch verstehen, aber alle in unserer Gesellschaft sollten mal in sich gehen und überlegen, ob sie jetzt in diesem Moment alles richtig machen! Es gibt leider viele schlechte Beispiele, aber zum Glück auch viele gute!!!


E-Fahrer

27.03.2020 - 19:15 Uhr

Die Zulassungsstelle in Kiel hat geschlossen. Danke Kiel. Einmal alle Jubeljahre ist man auf euch angewiesen und prompt verdrückt ihr euch als erstes.


Dirk Habets

29.03.2020 - 15:34 Uhr

Tja in der Corona-Krise zeigt sich das wahre Gesicht der Gesellschaft. Die, die vom System partizipieren, bringen sich in Sicherheit, während die, die das finanzieren, weiter arbeiten dürfen, weil sie in der Regel eben nicht durchgezahlt werden. Es sind ja nicht nur die Straßenverkehrsämter. Die sitzen alle schön mit dem Arsch zu Hause und machen " Homeoffice" . Aber das muss man eben auch sagen. In fast allen Behörden ist das Thema digitalisiertes Arbeiten kaum angekommen. Sich mal der Situation anpassen und anpacken ist für die meisten Beamten gar nicht mehr möglich. Der Schimmel ist bereits bis in den Kopf vorgedrungen. Wer kreative Lösungen hat, wird selbst jetzt noch ausgebremst ... Wie will man denn die Wirtschaft wieder ans laufen bringen? In dem man sich Faxe zuschickt? Ganz, ganz traurig.


Wolfgang Kreuz

27.05.2020 - 12:09 Uhr

Warum sollte die Regierung (also der Staat) dann die Automobilindustrie finanziell fördern (aus unseren Steuermitteln), wenn seine eigene Exekutive dafür verantwortlich zeichnet, dass man mit bereits gekauften Autos dann nicht fahren kann? Wo bleibt da die Digitalisierung?


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