Peugeot: Ersatzteilversorgung im Umbruch

Bas Viveen: "Dass die Verbesserung der Teileversorgung auch Unterschiede in den Einkaufskonditionen nach sich zieht, war zu erwarten."
© Foto: PSA

Eigentlich sollte zum 1. Juli die neue Ersatzteilversorgung für PSA stehen. Sechs Wochen vor dem Termin vermissen die Peugeot-Händler aber noch grundlegende Informationen ihres Importeurs zur Neuordnung. Die Frist wird nochmals verlängert.

Von Doris Plate

Die Peugeot-Händler sind besorgt. Zwar sind sie was Ersatzteilbelieferung angeht einiges gewöhnt, derzeit ist die Unsicherheit aber besonders groß. "Wie und zu welchen Konditionen werden wir ab dem 1. Juli 2017 mit Ersatzteilen versorgt?", wollen sie wissen. Sechs Wochen vor dem Termin gibt es dazu noch keine klare Aussage vom Importeur.

Vor drei Jahren kündigte PSA an, den Ersatzteilvertrieb europaweit neu ordnen zu wollen. Während bei Citroen die meisten Händler gelassen reagierten, sind die Peugeot-Unternehmer in Aufruhr. Für die meisten Citroen-Partner ändert sich nicht viel, weil sie schon bislang überwiegend von Plattformen beliefert wurden. Bei Peugeot dagegen gab es fast 300 Partner mit Ersatzteilverträgen, die sich damit selbst versorgen konnten. Sie verlieren mit der Neuordnung einen wichtigen Deckungsbeitrag. Durch das Einziehen einer zweiten Stufe in der Lieferkette werden die Teile für sie teurer. Gerüchte sprechen von zehn bis 14 Prozent weniger Ersatzteilmarge. Diese Zahl dementiert Bas Viveen, der in der PSA-Zentrale in Köln für die Organisation des Ersatzteilvertriebs der beiden Marken zuständig ist, auf Anfrage von AUTOHAUS nicht. Nur so viel: "Dass die Verbesserung der Teileversorgung auch Unterschiede in den Einkaufskonditionen nach sich zieht, war zu erwarten. Vor allem die qualitativen Aspekte in der Teilelogistik (hoher Servicegrad, schnelle Belieferung und der Support der Servicepartner) stehen hier im Vordergrund, da wir alle gemeinsam den steigenden Kundenansprüchen gerecht werden müssen."

2014 hat Peugeot bereits die Service und Teileverträge der deutschen Partner gekündigt. Als sich abzeichnete, dass bis zum Ablauf der Kündigungsfrist am 30. Juni 2016 keine bessere Lösung für die Ersatzteilversorgung gefunden werden konnte, wurde die bisherige Regelung um ein Jahr verlängert. Jetzt ist das Jahr fast um – und damit drei Jahre nach der Kündigung noch immer nicht hundertprozentig klar, wie es zukünftig laufen wird. "Das war eines der Hauptthemen bei der "Round Table Tour" des Händlerverbandes in den letzten Wochen", teilte der Präsident des Verbandes der Peugeot Partner Deutschlands (VPPD) Albert Schwinn auf Anfrage von AUTOHAUS mit.

15 Teile-Plattformen geplant

Laut Viveen sind 15 Teile-Plattformen geplant. Sie sollen zukünftig 85 Prozent Servicegrad, zwei Belieferungen täglich, professionellen regionalen Außendienst und Innendienst mit Call Center für technische Anfragen bieten. "An die künftigen Teilepartner werden sehr hohe Anforderungen gestellt, die mit hohen Investitionen verbunden sind", teilte der Manager mit. "Daher können und müssen unsere künftigen Teilepartner von uns auch bessere Konditionen erwarten." Dem Vernehmen nach sind unter anderem die Emil Frey Gruppe, Dello, Bleker und BHS in Zwickau für den Ersatzteilvertrieb bei PSA im Gespräch.

Die Plattformen sollen jede Nacht aus dem europäischen Teilelager in Vesoul (etwa 100 Kilometer westlich von Basel in Frankreich gelegen) beliefert werden und dann die bis 17 Uhr am Vortag bei ihnen bestellten Teile möglichst bis acht Uhr morgens zu den Servicebetrieben bringen. Eine zweite Lieferung für bis zehn Uhr bestellte Teile soll um 14 Uhr in den Werkstätten sein. Insider erwarten für die Nachmittagslieferung eine geringe Menge, die die Fahrt unter Kostengesichtspunkten unrentabel machen könnte. Auch bei den zinsfreien Zeiten ist eine Verschlechterung im Gespräch.

Laut dem PSA–Manager stehen die Partner bereits fest. Ein Großteil hiervon habe bereits angefangen, Kunden zu akquirieren und das Konzept sowie Konditionen zu erklären. Fast alle Partner werden zum 1. Juli startbereit sein, heißt es aus Köln. Bei einigen wenigen müssten noch die letzten fehlenden Voraussetzungen wie ausreichende Flächen oder IT-Strukturen geschaffen werden. "Aufgrund dessen werden wir die aktuellen Teileverträge noch einmal für einen kurzen Zeitraum verlängern", so Viveen. Und viele Peugeot-Händler wissen immer noch nicht, von wem und zu welchen Konditionen sie zukünftig ihre Teile beziehen können.

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KOMMENTARE


Peugeot Händler

23.05.2017 - 17:55 Uhr

Keine Fahrzeuge, keine gesicherte Teileversorgung, hunderte verkaufte Fahrzeuge stehen in den PSA Auslieferunglagern und der Konzern schafft es nicht die Händler zu beliefern. In 5 Wochen verlieren rund 300 Peugeot Partner ihren Teilevertrag und bisher gibt es seitens Peugeot Deutschland noch keine verbindliche Auskunft wie und mit wem es ab 01.Juli mit Ersatzteilen weiterlaufen soll. Noch keiner der 15 Kandidaten hat bisher einen ET Vertrag mit PSA unterschrieben , weil PSA noch keinen Vertrag fertig hat und bisher vorlegen konnte. Das ist unglaublich was da gerade in Köln abgeht - der Laden ist gerade führerlos und Frankreich schaut tatenlos zu. Rein gar nichts ist bisher verbindlich geregelt und der Verband tut gerade auch nichts! Keine ausreichende Fahrzeugverfügbsrkeiten, keine Planungssicherheit bei den Teilen aber dem Handel Maßnahmen zur Verbesserung der Kundenzufriedenheit aufs Auge drücken, wie schlecht ist das eigentlich? Geile Autos und dilettantisches Management - wo soll das bloß enden - im Dauerfrust ! Hauptsache Erich Sixt bekommt seine über 1&1 verramschten Autos , das wird natürlich durch PSA sicher gestellt - echt zum Heulen


M. Zimmer

23.05.2017 - 18:07 Uhr

Es war einmal ..... das was PSA in Deutschland/Europa machen will, hat FCA vor Jahren aufgegeben. Die Namen im Bericht gab es auch vor Jahren bei FCA, z.B. EFA. Die erste Information über 3-malige Belieferung ist schon versandet (freie Teile-Händler bringen das - 2x über den Tag und einmal in der Nacht). Und das bei schlechteren Einkaufskonditionen. Abwarten, was am "grünen Tisch" in der Zentrale in France passiert, wenn der Servicegrad sinkt und Werkstattkunden sich über Terminverschiebungen beschweren. Also, abwarten und Tee trinken (Pastis will nicht jeder).


Fehling

23.05.2017 - 19:40 Uhr

Wieder einmal ein Autohersteller der seine Händler (Kunden) im Regen stehen lässt. Der Händlerverband ist untätig und macht nur Sprüche, anstatt den Automobilhersteller mal so richtig in die Schranken zu weisen, damit der PSA Konzern weiß, dass die Händler für den Konzern das Geld verdienen.


Beobachter 2.0

23.05.2017 - 23:45 Uhr

@Peugeot Händler: Besser kann ich die Situation nicht zusammenfassen! Wenn es nicht so traurig wäre, käme man aus dem Lachen gar nicht mehr raus...


D.Damrich

25.05.2017 - 11:00 Uhr

Die angedachte Neuordnung der Teileversorgung bei PSA wird nie funktionieren können!Zum Einen gibt man als Hersteller/Importeur ein so wichtiges Geschäft nicht aus der Hand ... im besten Fall an einen Partner.Der Versuch, das Teilegechäft auf ca. 10 eigenständige Partner (mit ca. 15 Standorten) zu übertragen kann schon deshalb nicht funktionieren, weil jeder dieser ca. 10 Partner, ein eigenständiges Unternehmen ist, welches seine eigene Ertragsoptimierung im Auge haben wird und auch haben muß. Aber auch, weil die diesen Unternehmen aufgebürdeten Aufgaben nicht wirtschaftlich erledigt werden können, bei der vielen "Luft" welche diese dann täglich transportieren (lassen) müssen.Zum Anderen macht eine PSA-eigene Teileversorgung, vor dem Zusammenschluss mit Opel, keinen Sinn mehr. So könnte die bestehende Opel-Teilelogistik, die "paar " PSA-Teile in Deutschland (und ggf. auch in Europa), locker mit übernehmen bzw. ausliefern.Herr Viveen, wollen wir wetten, dass es so kommen wird ...


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