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Risikomanagement in Krisenzeiten: Digitale Flexibilität und analoge Gründlichkeit

EXCON-Geschäftsführerin Bettina Guggemos
© Foto: EXCON Services

Warum die Corona-Krise die EXCON Services GmbH nicht unvorbereitet getroffen hat, erklärt Geschäftsführerin Bettina Guggemos im aktuellen AUTOHAUS-Interview.


Datum:
30.04.2020
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Von AUTOHAUS-Chefredakteur Ralph M. Meunzel

Die Branche der Mobilienfinanzierer steht in Folge der Covid-19-Pandemie unter Druck. Es müssen schnell Antworten gefunden werden – auf Fragen, die noch vor kurzer Zeit kaum denkbar waren. Über Risikomanagement in Krisenzeiten sprachen wir mit Bettina Guggemos, Geschäftsführerin der EXCON Services GmbH.

AUTOHAUS: Sie sind seit 30 Jahren in der Branche aktiv, waren unter anderem bei einer Autobank tätig und leiten die Projekte mit Mobilienherstellern und Mobilienfinanzierern bei EXCON. Haben Sie eine Situation wie die jetzige schon einmal erlebt?

Bettina Guggemos: Die Branche ist schon oft auf die Probe gestellt worden und hat größere und kleinere Marktumwälzungen überstanden. Wir fassen solche Situationen als Herausforderung auf, die wir gemeinsam mit unseren Kunden meistern müssen. Wir sind Risikomanager, in ruhigen wie in unruhigen Zeiten. Deshalb hat uns die Krise trotz aller unvorhersehbaren Entwicklungen nicht unvorbereitet getroffen.

Wie bereitet man sich auf das Unvorhersehbare vor?

B. Guggemos: Der Schlüssel liegt unserer Meinung nach in der Mischung aus digitaler Flexibilität und analoger Gründlichkeit. EXCON bringt 30 Jahre Vor-Ort-Erfahrung mit, wir halten uns aber mit einer eigenen IT-Entwicklungsabteilung und Start-ups als Partnerunternehmen jung. Dazu gehört zum Beispiel das digitale Dokumentenmanagement mit einem eigenen Upload-Tool, das jetzt interessant wird, wenn im Zuge der Corona-Krise die Anträge zur Leistungsverweigerung/Stundung von Leasing- und Finanzierungsverträgen geprüft und Trittbrettfahrer herausgefiltert werden sollen. Da wird diese Software schon bei unserer Versicherungstochter im Bereich Schadensregulierung einsetzen, verfügen wir bereits über die Technik und können entsprechend schnell auf die aktuell dringlichen Anforderungen unserer Kunden reagieren. Fast noch wichtiger ist aber unser langjähriger Erfahrungsschatz im Außendienst. Wenn anhand der eingereichten Dokumente noch Unklarheit besteht, ob sich ein Vertrag für die Stundung bzw. Leistungsverweigerung qualifiziert, begutachten wir die Sachlage europaweit vor Ort.

Die Aussetzung von Leasing- und Finanzierungsraten ist eine von vielen neuen Regelungen und Gesetzen, mit denen sich mobilienfinanzierende Banken und Leasinggesellschaften derzeit konfrontiert sehen. Was raten Sie Ihren Kunden jetzt aus Sicht der Risikobewertung?

B. Guggemos: Unsere Kunden sind aufgrund der unterschiedlichen Regelungen in den verschiedenen europäischen Ländern auf sehr heterogene Weise betroffen. Der Schlüssel wird aber bei allen sein, mit schlanken digitalen Prozessen schnell zu handeln und sich auch für die in den kommenden Monaten eventuell rückläufigen Märkte nicht durch zu spät behandelte Probleme selbst zu behindern.

Haben Sie ein Beispiel?

B. Guggemos: Die Ereignisse überschlagen sich derzeit, die Zahl der eingehenden Stundungs-/Leistungsverweigerungsanträge ist groß. Dennoch ist es gerade jetzt elementar, die in Frage kommenden Verträge genau zu prüfen. Wenn jetzt Anträge oberflächlich durchgewunken werden, ist die Ausfallwahrscheinlichkeit von Leasingverträgen, in denen jetzt vom Leistungsverweigerungsrecht Gebrauch gemacht wird, am Ende umso größer, wenn sich die Raten im ungünstigsten Fall verdoppeln. Auch bei privaten Finanzierungen werden die Ausfallwahrscheinlichkeiten zunehmen. Hier argumentieren wir dafür, die Endkunden beratend durch die Krise zu führen und mögliche neue Zahlungsvereinbarungen durchzugehen, zumal Finanzierer mit sichergestellten Assets aktuell kein Geld verdienen können.

Das Ausfallrisiko betrifft nicht nur die Retail-Seite, auch aus Wholesale-Perspektive hat die Corona-Krise viel Schaden angerichtet.

B. Guggemos: Auch hier setzen wir auf die Mischung aus Digitalkompetenz und Branchen-Know-How. Unsere App für Händler-Self-Checks basiert auf modernen Technologien und erfüllt Sicherheitsstandards auf Banking-Niveau - klar. Die Anfragen für digitale Varianten der Asset-Prüfungen häufen sich im europäischen Kontext in den noch stärker betroffenen Märkten, wie Italien und Spanien. Nach der Krise, wenn man die Auswirkungen eines Self-Checks auch jenseits der reinen Prüfmethodik bewerten wird, wird erst vollumfänglich deutlich werden, welche Vorteile der Self-Check auch für die Liquiditätsbewertung eines Händlers hat: Durch die kürzere Frequenz von Prüfungen werden SOTs deutlich, deren historischer Verlauf wiederum lässt Aussagen hinsichtlich Liquiditätsentwicklung zu, was die Bonitätseinschätzung eines Händlers für die Bank auf der Zeitschiene deutlich nach vorne bringt.

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