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VW-Chef über Batteriezellen: "Erschreckende Abhängigkeit" von Asien

Nach Ansicht von VW-Chef Herbert Diess müssten sich die heimischen und europäischen Autobauer zu einer eigenen Batteriezellen-Entwicklung und -Fertigung durchringen.
© Foto: picture alliance / Wolfgang Kumm/dpa

Die große Marktmacht asiatischer Anbieter bei Batteriezellen für E-Autos ist nach Ansicht von VW-Chef Herbert Diess ein Problem für die deutschen Hersteller. Auch die digitale Transformation sei eine Herausforderung.


Datum:
22.08.2018
6 Kommentare

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Volkswagen-Konzernchef-Chef Herbert Diess sieht in der enormen Marktmacht asiatischer Anbieter bei Batteriezellen für E-Autos eine schwere Belastung für die deutschen Autobauer. Es sei aber noch nicht zu spät, in die Batteriefertigung einzusteigen, sagte der Manager dem "Handelsblatt". "Ich finde es erschreckend, dass wir in diese große Abhängigkeit geraten sind." Bis 2025 geht er von einem potenziellen Umsatz von bis zu 60 Milliarden Euro mit Auto-Akkus aus. "Eine noch größere Herausforderung ist es, das Auto nahtlos mit dem Internet zu verbinden."

Mit dem Elektroantrieb gebe es für die Hersteller weniger Unterscheidungsmöglichkeiten, erklärte Diess. "Eine Differenzierungsmöglichkeit bietet vor allem die Intelligenz des Autos." Software im Auto spiele die entscheidende Rolle: "Doch wenn wir ganz ehrlich sind: Das ist bisher nicht die Domäne der deutschen Autohersteller, das können Konzerne wie Google und Amazon noch deutlich besser." Klar sei aber auch: "Wir müssen die digitale Transformation bewältigen, wenn wir überleben wollen."

Er forderte zusätzliche Anstrengungen - auch mit der Hilfe von Übernahmen oder Partnerschaften mit anderen Unternehmen wolle Volkswagen sich die entsprechenden Fähigkeiten erschließen. Details nannte er nicht, kündigte aber "weitere Ergebnisse" in den kommenden Monaten an. "Wir brauchen hier einen extrem schnellen Kompetenzaufbau", betonte er. "Schwächen darf sich ein Konzern wie Volkswagen nicht erlauben."

Das Auto voll vernetzt wie ein Smartphone

Diess kündigte an, das Auto werde voll vernetzt wie ein Smartphone sein, Software-Updates für neue Funktionen sollten "over the air" - also ohne physische Kabelverbindung und ohne Werkstattbesuch - erfolgen. Das bietet auch bereits der E-Auto-Pionier Tesla. Insgesamt werde sich der Verkehr effizienter steuern lassen. Außerdem müssten die Hersteller bei der Auswertung der Daten besser werden - es gebe immer noch zu viele Autofahrer, die sich unterwegs lieber auf Handy-Informationen statt auf die Navigationsgeräte der Autobauer verließen. Mit der Vernetzung der Autos werde sich die Zeit der Internetnutzung weltweit in etwa verdoppeln, schätzte Diess. "Da entstehen ganz neue Märkte."

Trotz neuer Konkurrenten wie Tesla oder Tech-Unternehmen in den USA gebe es gute Chancen im Wettbewerb, sagte Diess dem Blatt. "Das werden wir auch zeigen, wenn wir in den nächsten zwei Jahren mit unserer Elektrooffensive beginnen."

Diess favorisiert Investitionen von Autozulieferern

Volkswagen setze auf den Elektroantrieb, dennoch warnte Diess vor Euphorie. Der Strom zum Betrieb der Autos und auch zur Produktion der Akkus müsse möglichst kohlendioxidfrei produziert werden, wenn der E-Antrieb sinnvoll sein solle. Er selbst favorisiere Investitionen von Autozulieferern, weniger von den Autobauern selbst, sagte Diess. Für einen rentablen Betrieb komme es auf hohe Stückzahlen an.

Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte eine VW-eigene Produktion von Batteriezellen zuletzt nicht ausgeschlossen. Im Werk Salzgitter wird eine Pilotfertigung von Zellen aufgebaut, um Erfahrungen zu sammeln.

Anfang Juli war außerdem der Vertrag für ein Großprojekt des chinesischen Herstellers CATL in Thüringen unterzeichnet worden. Dort soll eine der größten Batteriezellen-Fabriken für Elektroautos in Europa entstehen - als erster Kunde vergab der VW-Rivale BMW einen Milliarden-Auftrag. Diess sagte dem "Handelsblatt": "Die Chinesen zeigen in Deutschland ja gerade, dass der Einstieg auch mit etwas Verspätung machbar ist." Volkswagen, Daimler und BMW kaufen Zellen bisher in Asien und bauen diese dann selbst zu großen Akkus zusammen. (dpa)

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KOMMENTARE


Beezy

22.08.2018 - 10:32 Uhr

https://www.auto-motor-und-sport.de/news/weltrekordfahrt-mit-elektroauto-600-kilometer-mit-einer-batterieladung/Die Technik für E-Autos bzw Batterien war bereits im eigenen Land, allerdings haben die Hersteller es verpennt und die ganzen Patente nach Asien verkauft. Jetzt wird sich über eine Abhängigkeit von asiatischen Markt beschwert. Danke dafür!


HGS

22.08.2018 - 18:42 Uhr

Toll, das ist ja eine umwerfend neue Erkenntnis von Herrn Diess.Seit Einführung der Hybrid Technik entwickeln die asiatischen Hersteller den kompletten Antrieb incl. Batterien immer weiter und haben auch die entsprechende Fertigung vor Ort.Nur die Deutschen meinten mit Dieselantrieben die Zukunft gestalten zu können.Dies ist nun mal die Rache der späten Einsicht für die deutschen Autobauer, allen voran diesmal VOLKSWAGEN mit allen Töchtern, chapeau!


Jürgen Sangl

22.08.2018 - 19:29 Uhr

Sehr interessant, VW hat überhaupt kein Problem damit 30 Milliarden Euro an Strafen für den Dieselbetrug zu zahlen. Aber jeder Euro an Investition in die Zukunft wie z.B. Batterie Produktion ist zuviel. Das sollen dann die Zuliefere machen.


Rollo

23.08.2018 - 08:43 Uhr

Erst jahrelang an der Abgasnorm vorbei produzieren & dann feststellen, daß man den Anschluß an der Elektromobilität verpennt hat. Huraa VW, Ihr könnt es richtig gut !!!


Frank Fehling

23.08.2018 - 10:41 Uhr

Wenn man den Weltmarkt beherrschen will bzw. möchte, dann muss man wissen wie der Asiatische Markt tickt. Ich glaube die Zukunft der Antriebstechnik wird nicht das E-Auto sein,sondern Wasserstoff,siehe Weltmarktführer TOYOTA. Wer sich auf seine Lorbeeren ausruht wird sehr hart bestraft. Die Reichweiten der E Autos sind sehr mäßig und die Ladezeit ist noch zu lang. Irgendwann werden die notwendigen Rohstoffe fehlen und dann.......???


Autojo

23.08.2018 - 14:11 Uhr

Volkswagen ist in gewisser Hinsicht einer Behörde näher, als einem schlagkräftigen und innovativen Wirtschaftsunternehmen. Es wird versucht sich aus Fehlern herauszureden, Beweise werden blockiert und das Wort „Aufklärung“ ist nur ein Argument um nach draußen „gutes Wetter“ zu machen.So ist es auch wenig verwunderlich, dass Neuentwicklungen und auch die Vorbereitungen hierfür nur sehr zögerlich umgesetzt werden. Herr Diess hat seit er bei VW im Vorsitz ist, sehr von seiner innovativen Einstellung eingebüßt, offensichtlich sind die Eigentümerfamilien bzw. der Aufsichtsrat so mächtig, das nur im Schongang gefahren wird.Deutsche Autohersteller sollten es eigentlich besser wissen, denn schon einmal haben asiatische Hersteller den Markt mit damals preiswerten Produkten überschwemmt.


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