Der Verband der Automobilindustrie (VDA) mahnt dringend eine Anpassung bei Regeln zu Hybridautos an. "Es ist absolut unverständlich, dass die EU weiter an der für diesen Monat vorgesehenen Verschärfung des sogenannten Utility Factors für Plug-in-Hybride festhält. Damit gefährdet Brüssel allein in Deutschland rund 50.000 Arbeitsplätze, insbesondere auch in der Zulieferindustrie", kritisierte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. "Das ist das Gegenteil der technologieoffenen und wirtschaftsfreundlichen Politik, die Brüssel versprochen hat."
Plug-in-Hybride (PHEV) besitzen sowohl einen Verbrennungsmotor als auch einen Elektromotor mit extern aufladbarer Batterie. Der Utility Factor zeigt an, wie gut diese Autos zum Erreichen der Klima- und Flottenziele der Hersteller beitragen.
PHEV fahren öfter mit Verbrennungsmotor als angenommen
Bisher wurde bei der Typgenehmigung von Autos angenommen, dass Plug-in-Hybride einen relativ hohen Anteil ihrer Fahrstrecke elektrisch zurücklegen. Nutzungsdaten zeigen aber, dass viele von ihnen seltener geladen werden und häufiger mit dem Verbrennungsmotor statt elektrisch fahren als angenommen. Deshalb wird der Rechenfaktor zum 29. November verändert, ab 2027 soll das noch breiter greifen. PHEV gleichen dann rechnerisch weniger stark Verbrenner aus, sodass Hersteller mehr E-Autos verkaufen müssen, um das CO2-Ziel für 2030 einzuhalten.
Verschiedene EU-Staaten haben sich dagegen ausgesprochen. Die deutsche Bundesregierung hatte sich im Frühjahr ebenfalls auf diese Position geeinigt. Für eine Änderung müsste die EU-Kommission handeln.
"Wir drohen eine Technologie in Europa zu verlieren, die weltweit nachgefragt wird", sagte Müller. Plug-in-Hybride würden weltweit weiter von großer Bedeutung sein. "Deshalb ist die klare Forderung der Autoindustrie an Brüssel: Stoppt sofort die Verschärfung des Utility Faktors für die Hybride." Brüssel müsse "der Plug-in-Technologie eine Perspektive geben. Wir erwarten entsprechende Unterstützung aus Berlin".
Die Nachhaltigkeitsorganisation Transport & Environment hatte dagegen vor kurzem die Bundesregierung dazu aufgefordert, an der Korrektur des Nutzfaktors festzuhalten. Sonst würden die tatsächlichen Emissionen weiter unterschätzt. Eine Folge davon sei auch, dass Autofahrer mehr für das Betanken ihrer Plug-in-Hybride zahlen als von Herstellern angegeben.