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Ein Großer geht: Ulrich Kowalewski verabschiedet sich

Ulrich Kowalewski - ein Großer geht.
© Foto: Prof. Hannes Brachat

In seinen 48 Jahren im Daimler-Konzern hat der Mercedes-Benz-Niederlassungsleiter die Marke in München 21 Jahre lang verantwortlich geprägt und gelebt. Eine Hommage von AUTOHAUS-Herausgeber Prof. Hannes Brachat.


Datum:
03.09.2021
Autor:
Prof. Hannes Brachat/AUTOHAUS
Lesezeit: 
6 min
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Er geht! Zum 30. September 2021. Im Nachgang zur IAA in München. Wer? Der "Uli" oder auch "Kowa", wie er intern im Kürzel genannt wird: Ulrich Kowalewski. Seit 2000 wirkte er als Mercedes-Benz-Niederlassungsleiter in München. Sie ist neben Berlin sicher nicht nur architektonisch, sondern im Aufgabenspektrum die markanteste Mercedes-Benz-Niederlassung in Deutschland. Auch in Sachen Kundenzufriedenheit behauptet die Niederlassung München Jahr um Jahr besondere Platzierung. Da paaren sich offensichtlich viele gelebte Werte, deren Spuren einer über 21 Jahre sichtbar gelegt und mit Kontinuität konsequent vorgelebt hat.

Im Klartext, von seinen 48 Jahren, die Ulrich Kowalewski im Daimler-Konzern gewirkt hat, hat er 21 Jahre "Mercedes-Benz-München" verantwortlich gestaltet. Mehr, er hat die Marke wirkungsvoll zelebriert. Als er am 30. Juni 2003 das neue, gigantische "Mercedes-Benz Center" in München eröffnete, stand ihm ein Flagshipstore an der Donnersberger Brücke zur Verfügung, das in all seinen Facetten "Sternverkörperung", Markenbildnis darstellt. Man muss dieses optische Wirkungsfeld in München, am Ursprung von BMW und deren BMW-Welt immer auch in einem besonderen Wettbewerbsverhältnis sehen. Ulrich Kowalewski: "Was war das für ein politischer Kampf, den Stern in sichtbare Höhe auf unserem Dach zum Münchener Liebfrauendom zu setzen? Ein Jahr an politischem und juristischem Kampf. Selbst BMW setzte sich damals für uns an den politischen Schalthebeln für unser Anliegen ein. Und das sage ich mit ganz großer Referenz an BMW, wie auch an Audi, wir haben wirklich über zwanzig Jahre fairen Wettbewerb praktiziert. Übrigens, den politischen Durchbruch für den Stern auf dem Top unserer Niederlassung gab der damalige Ministerpräsident Bayerns, Dr. Edmund Stoiber." Heute ist der "Uli" mit ihm per Du. Zufällig?

Das gesellschaftliche Engagement

Dieses Jahr fand zum 20. Mal mit Unterstützung von Mercedes-Benz-München als Hauptsponsor Klassik am Odeonsplatz statt. Unmittelbar daneben befindet sich das "Mercedes-Benz-Studio Odeonsplatz". In der Branchensprache "Pop-up-store" genannt. Ein echter, traditioneller MB-Customer Touch Point Münchens. Dessen Motto: Next Is Now. Es war nun Edmund, der Stoiber, der zu diesem Klassikabend für die geladenen Gäste sprach, dem "Uli" zu seiner letzten Klassikveranstaltung einen Herzensdank zuwarf und den alle langanhaltend mit Standing Ovations quittierten. Stoiber: "Uli, Du wirst uns fehlen!" Wer tritt da nicht mit innerer Rührung und Betroffenheit ab?

Dieses kulturelle Bild von Ulrich Kowalewski lässt sich auf die politische Achse mit bestem Einvernehmen zu Münchens Oberbürgermeister, zur Wissenschaft, sozialem Engagement, zum Sport bis zur "Damen-Wiesn" beim Oktoberfest runterdeklinieren. Die nachstehende Bildstory zeigt auch markante Events im Hause der Niederlassung, die Ulrich Kowalewski verantwortlich stets in besonderer Weise zu arrangieren verstand. Oder anders: Egal, wenn Ulrich Kowalewski in München unterwegs ist, ist er stets mit höchster Präsenz im Dienst. Soviel zur Außenwirkung von Ulrich Kowalewski.

Die Sicht nach Innen!

In der Mercedes-Benz-Niederlassung München sind mit all ihren Standorten, u.a. Neuperlach für Lkw 800 Mitarbeiter beschäftigt. Im Gesamtbereich Bayern, also mit den zugehörigen Niederlassungen Augsburg, Nürnberg und Würzburg (Lkw) 1.500 Mitarbeiter für die Marke im Alltag unterwegs. Als diese Anpassungen, also die Erweiterung des Handlungsspektrums von München via Bayern, hatte "Kowa" mitzutragen. Ergo: eine Dispo für alle, einheitliches Marketing, eine Struktur für Gebrauchtwagen, zentraler Einkauf, einheitliche Standards u.a. welche Kraft steckt dahinter, diese Vielfalt der Vertriebsdirektionen auf Gemeinsamkeit zu trimmen? Auch darin darf man Kowalewskis kommunikative Hochbegabung bewundern.


Abschied Ulrich Kowalewski

Bildergalerie

Kowas Stationen

Wer pfeift nicht gelegentlich das Volkslied vor sich hin: "Das Wandern ist des Müllers Lust…." In der großen Politik trifft man es ja an, dass Menschen in Ämter kommen wollen, ohne auf Wanderschaft gewesen zu sein. Sprich, es mangelt an Erfahrung. Ulrich Kowalewski hatte in seinem Vater ein großes automobiles Vorbild. Und das Thema "Auto" war schon immer seines. Eben auch die frühen Erlebnisse mit seinem Vater auf dem Nürburgring. Und so kam die "Vaterempfehlung", bei der Marke Mercedes-Benz anzuklopfen. Das war dann von 1973 bis 1975 in Form einer Lehre als Industriekaufmann in der Mercedes-Benz-Niederlassung Dortmund. Schon dort zeichnete ihn eines aus, immer aufgrund seines besonderen Engagements und seiner Könnerschaft vorzeitig die Abschlüsse zu machen, auch in der Nachwuchskäuferausbildung bei Daimler.

Auch fiel er immer auf all seinen Stationen mit seinem Alter auf. Mit 20 Jahren war er bereits Gebietsverkäufer. In dieser Zeit entstand in ihm das besondere Bild der Wertschätzung für Vertragswerkstätten. Er hat die einzelnen Unternehmerpersönlichkeiten in ihrer Denke und in ihrem Alltag vor Ort kennen- und schätzen gelernt und baute sich damals schon ein Netzwerk auf, das bis heute in die nächste Generation besteht. Kowalewski: "Ich habe gesehen, wie diese Unternehmer vor Ort erfolgreich und kundennah agieren. Vertragswerkstätten sind für mich ein notwendiges Ökosystem unseres Vertriebs."

Dann wurde er jüngster Nachwuchsverkäufer. Und das als Geländewagenverkäufer. Dann Teamleiter Verkauf, in Hamburg und Bielefeld. Dort, in seiner Lieblings Niederlassung wurde er 1992 Verkaufsleiter. Peter Schäfer, der Niederlassungsleiter in Bielefeld, der hat es ihm angetan. Ein Mann mit hoher, ganz besonderer Führungskultur. Für Ulrich Kowalewski war er quasi ein Vorbild! Einmalig, was er von ihm lernen konnte. Andere Größen, wie Regionalleiter Dieter Hermann, sollten folgen. Bei ihm wurde er 1991 Vertriebsleiter Pkw der damaligen Region West. Die Regionen wurden aufgelöst. Ob sie der Zentrale zu mächtig wurden? Da gab es eben auf dem 48 Jahren Kowalewski-Mercedes-Benz-Weg ohne Frage auch Veränderungen im Konzern, die nicht nur angenehm waren. "Idee schlägt Geld", so lautet eine seiner Losungen. Und das hat er mit seiner Könnerschaft immer wieder bei Neubauplanungen sichtbar unter Beweis gestellt. 

Die Berufung!

Menschen wachsen mit ihren Herausforderungen. Kowalewskis Berufswunsch war stets, eine Niederlassung führen zu dürfen. Sie, die MBVD unter Eckhard Panka, Dr. Jürgen Fahr, Walter Missing in Berlin schickten ihn dann 1995 als Niederlassungsleiter nach Bremen. In der Vorbereitung dazu war Ulrich Kowalewski ein "Praktikum" bei Mercedes-Benz-Kunzmann in Aschaffenburg, alias Wolfgang Diehm ein großes Anliegen. Kowalewski: "Ich habe jeden Tag fünf Wochen lang im Büro von Wolfgang Diehm gesessen und durfte jedes Telefonat, jedes Gespräch, jede Reklamationsbehandlung live miterleben. Heute noch gehe ich jeder Reklamation, die auf Verhaltensfehler von uns selber ausgehen auch selber nach. An dieser Schraube kann ich im eigenen Hause selber drehen." Seine Losung: Immer Dranbleiben!

Das Highlight München

2000 erfolgte dann die Berufung zum Mercedes-Benz-Niederlassungsleiter München. Für Ulrich Kowalewski die Traumberufung. Dort erarbeitete er in Folge mit seinem Team unter dem Anspruch, wir wollen das beste Autohaus sein, die zugehörigen Wertefundamente - siehe Abb. in der Bildergalerie - aus. Und in deren Umsetzung legte er großen Wert auf Kontinuität. Also, nicht jedes Jahr eine neue Sau durchs Netz schicken. Dranbleiben!

Und jetzt schwingt eine weitere Größe von "Uli" mit, das ist das Thema Wertschätzung. Ob Kunde, ob (älterer) Mitarbeiter, ob Menschen auf der Straße oder ob Journalisten, er zeigte stets aufmerksame wie verständige Präsenz und handelte! Jeder Mitarbeiter erhält beispielsweise zum Geburtstag von ihm eine Mail. Siehe da, 80 Prozent schreiben zurück. Jedes Mitarbeiterjubiläum wird mit einem Anruf bedacht. Wenn Verkäufer mit einschlägigen Kunden verhandeln, will "Kowa" das wissen. Bei entsprechender Fahrzeugauslieferung ist er dabei. Sprich, er erlebt mit Nachdruck die Realität im Alltag.

Ja, mental ist Ulrich Kowalewski der erste Automobilverkäufer. So sieht er sich. Und das mit großer Leistung und Leidenschaft. Für ihn ist nichts wichtiger als seine Kunden. Und das permanent zu erfüllen, war stets sein Ziel. Jetzt wird "sein Haus" zu seinem Finale noch integraler Bestandteil der neuen IAA 2021. Das soll sein Abschied sein?

Die neue Perspektive

Jetzt möchte er in Ruhe mit dem Motorrad, mit dem Motorrad mit Beiwagen, mit dem Wohnmobil nach und nach all seine Wirkstationen in seinem Leben anfahren und auf sich erinnernd wirken lassen. Oldtimer, Motorräder gehören zu seinen Hobbys. Über sein Berufsleben hinweg ist zu Hause eine Bibliothek mit weitreichender Auto-Literatur entstanden, über Rennfahrer, Erfinder, Biografien namhafter Persönlichkeiten. Kowalewski: "Ich gebe zu, die meisten stehen noch zugeschweißt im Regal, sind automobile Zierde. Aber jetzt freue ich mich auf diese automobile Historien-Kultur." Es würde uns aber nicht wundern, wenn ihn einige gerne in ihrem Firmenbeirat sehen würden. Bei dieser Experience!

AUTOHAUS dankt dem großartigen Manager und Münchener Mercedes-Benz-Statthalter. Ulrich Kowalewski hat neben Karl Dersch ohne Frage ganz besondere, große Mercedes-Benz-Niederlassungsgeschichte in und für München geschrieben. Seinem Nachfolger Johannes Fritz wünschen wir in seiner neuen Aufgabe viel Erfolg, Münchener Lebensfreude und eine glückliche Hand!

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